Zum Gedenken an Kurt Greutmann

Zum Gedenken an  Kurt Greutmann

Ein Gespräch über Kurt mit Wolfram Reda

Lieber Wolfram, du kanntest unseren Kurt länger als viele andere im Begegnungszentrum. Was war er für dich für ein Mensch?

Mir fiel von Anfang an auf, dass Kurt ein sehr gründlicher Denker war. Ich meine, er ging den Problemen auf den Grund und dachte alles tiefgehend durch. Er war sehr genau.

Durch seine Industriekarriere hatte er einen Sinn für Institutionen, was uns im Begegnungszentrum zugute kam. Wenn wir hier im Zentrum zusammen gesessen haben und über eine Aufgabe oder ein Problem sprachen, dann konnte man sicher sein, dass Kurt in seinem Kopf zu Hause daran weiter arbeitete und später mit neuen Gedanken dazu kam. Er war ein sehr eigenständiger Denker, der nicht der Masse folgte.

Wie sah seine konkrete Mitarbeit im Zentrum denn aus?

Es muss wohl im Jahr 2014 gewesen sein, da habe ich ihn gefragt, ob er bereit wäre, im Leitungskreis des Zentrums mitzuarbeiten. Der Kreis hat ihn wenig später als reguläres Mitglied aufgenommen.

Ganz auf seine Kappe ging damals die Idee einer GruppenKrankenversicherung für die deutschsprachige Expats. Er trieb die Idee weit voran, sie scheiterte dann doch aus anderen Gründen. Kurt dachte in dieser Frage sehr sozial. Es war ihm wichtig, dass eine solche Versicherung unbedingt auch für arme Rentner bezahlbar bleiben müsste.

Außerdem besaß er profunde Kenntnisse über die Lebensbedingungen für Expats in Thailand. Seine Vortragsreihe „Leben in Thailand“ war lange Zeit unsere zugkräftigste Veranstaltung mit bis zu 40 Besuchern. In diesem Zusammenhang entstanden auch seine Schriften, die im Zentrum immer noch käuflich zu erwerben sind, wobei ein großer Teil des Kaufpreises ans Begegnungszentrum geht.
Kurt war mit René Boner gut befreundet. Beide sprachen fließend Thai. Kurts Verdienst war es, dass er René dazu bewegte, im Zentrum kostenlose Thai-Kurse für Expats anzubieten.

Was weißt du denn über sein Privatleben und über seine Vergangenheit?Er hatte ja einen teilamputierten Arm. Wie war es zum Beispiel dazu gekommen?

Aufgewachsen ist er auf einem Bauernhof „hoch oben“ in der Schweiz. Damit meinte er wirklich die Höhenmeter. Studiert hat er Wirtschaftswissenschaften und später war er Manager in einer größeren Firma, die sich mit Edelmetallen und Edelsteinen befasste.

Es liegt nahe, dass er über diese Tätigkeit nach Südostasien gekommen ist. Den Arm hat er schon vorher in seiner Militärzeit verloren, weil er eine Granate nicht rechtzeitig losgelassen hatte, wie er erzählte.

In Pattaya, wo er schon viele Jahre lebte, hinterlässt er eine Familie, die ihm großen Rückhalt gab. Auf seine Söhne war er stolz, und seine Frau lobte er gern für ihre hinreißende Kochkunst.
Wie bleibt er dir in Erinnerung?

Vor Augen habe ich immer noch sein hintergründiges, freundliches Lächeln. Selten hat er laut gelacht, er war überhaupt ein eher stiller Mensch, der sich nicht aufdrängte. Den ersten Schritt musste man bei ihm selber machen. Danach war er oft sehr kommunikativ.

Nicht nur ich, wir alle vermissen ihn. Er war uns ein freundlicher Mitstreiter und hat in der Zeit, als es ihm noch gut ging, kräftig im Zentrum geholfen. In Gesprächen mit ihm merkte ich, wie sehr ihm das Zentrum am Herzen lag, auch noch in der Zeit als sein Kräfte schon nachließen. Nun begleiten ihn unsere guten Wünsche.

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