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Zeit zu gehen: Bangkoks letzter Videoverleih

Zeit zu gehen: Bangkoks letzter Videoverleih

Die physischen Datenträger ergeben sich nach und nach dem On-Demand-Streaming oder dem Herunterladen. Das letzte Bangkoker Geschäft gibt jetzt auch den analogen Geist auf.

Jahre, nachdem der Laden alle VHS-Kassetten per Kilo verkauft hatte, kündigte der letzte Videoverleih in Bangkok, Fame Entertain VDO an der Prachan Road, an, dass nach 32 Jahren Schluss sei.

Es ist Zeit zu gehen“, sagte Inhaber Tanee Jiriyasin in seinem Laden, umgeben von Regalen mit DVDs und VCDs. „Die meisten Läden verschwanden vor mir. Sie haben nicht so viel verloren wie ich.

Vor dem Laden hängt ein Schild, auf dem steht: Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe.
Der 61 Jahre alte Bangkoker hat drei Jahrzehnte lang seinen Laden geführt und ist bei Cineasten gut bekannt, weil er versteckte Schätze hat, die nur schwer zu finden sind. Seien es Hollywood-Klassiker, chinesische Action-, japanische Kultfilme oder obskures europäisches Arthouse-Kino.

Bevor er seinen VHS-Laden 1986 eröffnete, verkaufte Tanee Audiokassetten vor den Kinos der Stadt, die es damals in Bangkok noch häufig gab. Dazu gehörten das Mackenna oder das Hollywood. Wenn er Pause machte, ging er hinein und entdeckte so die Welt des Films.

Der Laden eröffnete mit 100 VHS-Titeln, es handelte sich damals vor allem um Konzert- und Musikvideos. Dann fügte Tanee Klassiker hinzu wie „Vom Winde verweht“ oder Filme von Charles Chaplin und dem legendären japanischen Filmemacher Akira Kurosawa.

Der Laden, sagte Tanee, sei der erste in der Stadt gewesen, der Titel mit thailändischen und englischen Untertiteln angeboten hätte. Die Sammlung wuchs schnell. Es wurden Hunderte Filme, dann Tausende.

Wir haben alles gesammelt“, sagte Tanee.

Der Laden lag in der Altstadt nahe Sanam Luang. Die Lage half auch. Jahrzehntelang wurde das Geschäft von Studenten der Universitäten Thammasat und Silpakorn frequentiert, er war beliebt bei Ausländern und Laufkundschaft. Einige von Tanees Stammkunden sind Filmprofessoren oder Regisseure.

Als das Geschäft in den 90er Jahren boomte, bezahlte Tanee monatlich über 70.000 Baht an Lizenzgebühren, berichtete Tanee. Das waren pro Jahr rund gerechnet eine Million Baht.

„Leute kamen in den Laden und liehen sich ein Video. Dann gingen sie nach Hause und sahen es sich zusammen mit der Familie an. Das waren noch Zeiten. Heutzutage werden Leute kaum noch verstehen, wie das früher abgelaufen ist“, sagte Tanee, der sich an die frühen Tage des Heimkinos erinnert. „Manche klopften mitten in der Nacht an die Tür, weil sie unbedingt einen Film ausleihen wollten.

Als die goldene Ära der VHS-Kassetten wegen der Einführung optischer Medien verblasste, hatte Tanee keine andere Wahl als die Kassetten für acht Baht pro Kilo zu verkaufen.

Ich verkaufte zwei Tonnen von ihnen“, sagte er. „Wir sprechen hier von einer siebenstelligen Summe, die ich verlor.

Nachdem er in VCDs und DVDs reinvestiert hatte, kam der nächste technische Umbruch, der Tanee zusetzte. Filme zum Download und Streaming-Dienste. Tanee musste sich einen Nebenjob suchen, er verkaufte Münzen und Banknoten.

Diesmal wollte Tanee die VCDs und DVDs nicht pro Kilo verkaufen, sondern überlegte sich, es sei besser, sie Cineasten anzubieten. VCDs kosten zehn Baht, DVDs sind für 30 Baht zu haben.

Fame Entertain VDO wird noch bis Ende des Jahres geöffnet sein, dann wird es dort nur noch Münzen und Banknoten geben. Der Laden ist außer dem letzten Sonntag im Monat täglich von zehn bis 19 Uhr geöffnet.

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