Wo leben die Deutschen gut und gerne und wo nicht

Wo leben die Deutschen gut und gerne und wo nicht

Eine neue Studie verschaffte Einblicke in die Lebensverhältnisse in ganz Deutschland. Wo es sich gut leben lässt und in welchen Regionen eher weniger gut.
Auf den ersten Blick ist Deutschland ein blühendes, reiches Land mit gut ausgebildeten Menschen. Im direkten Vergleich mit seinen europäischen Nachbarn gelang es Deutschland, wirtschaftliche Unbill der vergangenen zehn Jahre zu überstehen ohne großen Schaden davonzutragen.
Doch bei näherem Hinsehen offenbart sich ein starker Kontrast. Das jedenfalls wurde in einer Studie der den Sozialdemokraten nahe stehenden Friedrich-Ebert-Stiftung festgestellt.
Die Forscher betrachteten sich mehrere Indikatoren, um festzustellen, wo die Deutschen gut leben und wo sich die strukturschwachen Gebiete befinden. Zu den Indikatoren, die herangezogen wurden, gehörten beispielsweise die Lebenserwartung, ob die Leute zur Wahl gehen und wie es mit dem Zugang zu moderner Technik wie einer schnellen Internetverbindung bestellt ist.
Das Fazit der Forscher lautet, dass es fünf verschiedene Deutschlands gibt, die nebeneinander existieren.

Das gute Leben

Das erste Deutschland existiert in den Großstädten, in denen es sehr lebhaft zugeht. Hier kommen jedes Jahr 100 neue Einwohner auf 100.000 Einwohner hinzu. Diese geschäftigen Metropolen, zu denen beispielsweise Berlin, Hamburg und München zählen, ziehen gut ausgebildete Leute mit hohen Gehältern an. Die Großstadtbewohner haben guten Zugang zur Gesundheitsvorsorge, und das Internet ist so schnell wie Lichtgeschwindigkeit.
Rund ein Viertel aller Deutschen lebt in diesen Städten. Natürlich gibt es hier auch Schattenseiten. Kinderarmut kommt ungewöhnlich oft vor. Und die gut gebildeten Einwohner mit den hohen Gehältern bestimmen die Preise und hängen die Mittelklasse ab.
Das zweite Deutschland ist der Speckgürtel. Das Leben kann hier noch schöner sein als in den Städten. Die Leute werden hier durchschnittlich 82 Jahre alt. Über 80 Prozent gehen zu Wahlen. Nirgendwo sonst sind diese beiden Faktoren so hoch. Zum Speckgürtel zählen Gegenden wie der Starnberger See bei München oder der Taunus in der Nähe von Frankfurt.
Die Gemeinden im Speckgürtel sind fast schuldenfrei, das bedeutet, den Einwohnern kann eine exzellente Infrastruktur geboten werden. Kein Wunder, dass jedes Jahr 200 Leute auf 100.000 Einwohner hinzukommen. Allerdings können von hier aus nur Leute zur Arbeitsstelle pendeln, die sich das auch leisten können. Daher leben nur 13 Millionen Deutsche in diesen exklusiven Gebieten.
Das dritte und auch größte Deutschland ist die solide Mittelklasse. Insgesamt 33 Millionen Menschen passen in diese Kategorie. In diese fallen im Grunde alle ländlichen Gebiete und Kleinstädte. Typische Beispiele sind das Sauerland in Nordrhein-Westfalen oder das ländliche Schleswig-Holstein.
Die Bürger in dieser Region sind relativ gesund, haben einen guten Zugang zu Ärzten und Internet und leben eher nicht in Armut. Sie mögen kein außergewöhnliches Leben leben, aber ein solides. Das zeigt sich auch in der Stabilität der Bevölkerungszahlen, hier hat sich über die Jahre kaum etwas verändert.

Wo leben die Deutschen gut und gerne und wo nicht

Die andere Seite

Das vierte Deutschland sind die ländlichen Regionen im Beitrittsgebiet. Typisch für dieses vierte Deutschland sind die Ostseeküste oder Kleinstädte in Sachsen.
Die Gehälter sind hier im Vergleich zum Rest des Landes deutlich niedriger: 2.460 Euro im Durchschnitt pro Monat. Weniger als zwei Drittel der Bewohner haben Zugang zu schnellem Internet und nur einer von zehn hat studiert. Jedes Jahr verlassen 200 von 100.000 Einwohnern diese Gegenden.
Das fünfte Deutschland findet man in Städten in der Nähe der holländischen und französischen Grenze. Diese Region hat sich nie von der De-Industrialisierung erholt. Dortmund, Duisburg oder Trier und andere Städte, die einst durch den Bergbau gut verdienten, stecken seit Schließung der Bergwerke vor Jahrzehnten immer noch in einer Strukturkrise. Sie sind stark verschuldet, mehr Menschen als woanders leben in Armut und die Lebenserwartung ist niedrig. Im Vergleich zu anderen Regionen gehen deutlich weniger Leute zur Wahl.
Diese benachteiligten Städte verlieren noch mehr Einwohner als der ländliche Osten Deutschlands. Die einzige Hoffnung ist eine gute Internetverbindung, die für die Digitalwirtschaft in Zukunft wichtig werden könnte.

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