Wirtschaftskrise im Fokus

Wirtschaftskrise im Fokus

Vor dem Hintergrund einer sich verschlechternden Wirtschaftsleistung gab es in Thailand in den letzten vier oder fünf Monaten eine Reihe von Massenentlassungen und Unternehmensschließungen.

Da Branchenexperten und Beobachter für das nächste Jahr eine noch höhere Arbeitslosenquote prognostizieren, dürfte das Schlimmste noch bevorstehen. Aber die Regierung scheint nicht darauf vorbereitet zu sein.

Das Arbeitsministerium dementiert sogar. Die Arbeitslosenrate betrage nur ein Prozent, das seien rund 377.000 Personen. Viele seien freiwillig in die Arbeitslosigkeit gegangen.

Seit Juli haben viele Hersteller in Schlüsselsektoren wie der Elektronik- und der Automobilindustrie entweder Hunderte ihrer Arbeitnehmer entlassen oder sie vorübergehend beurlaubt, nachdem die Bestellungen von Kunden aus dem Ausland zurückgegangen waren. Viele Werke mussten sogar stillgelegt werden.

Irgendwie erinnert die Lage an Deutschland.

Nach Angaben des thailändischen Arbeitgeberverbandes war der anhaltende Beschäftigungsrückgang in jüngster Zeit in Sektoren wie Export, Produktion, Dienstleistungen, Logistik, Groß- und Einzelhandel zu spüren. Und der Trend wird bei Unternehmen in Industrie-Provinzen wie Samut Prakarn, Chonburi und Rayong zunehmen.

Mitte des Jahres waren rund 436.000 Menschen arbeitslos gemeldet, nicht 377.000, wie vom Arbeitsministerium angegeben.

Und dabei war man in Thailand immer stolz darauf, ein Land mit Vollbeschäftigung zu sein. Es wurde sogar gewarnt, dass es deshalb einen Arbeitnehmermangel gebe. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.

In den ersten sechs Monaten des Jahres schlossen genau 6.667 Unternehmen – ein Anstieg von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der Arbeitgeberverband wies darauf hin, dass der chinesisch-amerikanische Handelskonflikt eine wichtige Rolle in dieser Krise gespielt habe. Darüber hinaus war die Einführung neuer Technologien bei Unternehmen wie künstliche Intelligenz und Automatisierung ein wichtiger Faktor, der zu einem weiteren Personalabbau geführt hat und noch führen wird.

Während viele Arbeitnehmer im nächsten Jahr vom Verlust ihres Arbeitsplatzes bedroht sein werden, werden die Aussichten für etwa 520.000 Studenten, die im April ihren Abschluss machen, ebenfalls nicht rosig sein, da erwartet wird, dass viele Unternehmen zurzeit einen Einstellungsstopp haben.

Einige Firmen, die mit einem Auftragsverfall konfrontiert sind, haben Kurzarbeit angemeldet. Mitarbeiter bekommen noch, wie gesetzlich vorgeschriebene, drei Viertel ihres ursprünglichen Gehalts, auch wenn es keine Arbeit mehr gibt.

Darüber hinaus werden Mitarbeiter von Subunternehmern nicht mehr benötigt, Dienstleistungen wahrscheinlich ausgedünnt, und Überstunden gehören sowieso der Vergangenheit an.

Es wird erwartet, dass eine Reihe von Unternehmen bestimmte Produktionslinien oder Niederlassungen schließen und Mitarbeitern mit dem goldenen Handschlag in den Vorruhestand verabschieden.

In dieser Krisenzeit haben Wirtschaftswissenschaftler und Opposition die Regierung aufgefordert, mehr Investitionen zu tätigen und mehr Arbeitsplätze zu schaffen.

Enttäuschenderweise zeigt der neue Haushalt der Regierung von General Prayuth Chan-ocha, dass diesen Bereichen im Haushaltsjahr 2020 keine hohe Priorität eingeräumt wurde.

Stattdessen hat die Anschaffung von Waffen und militärischer Ausrüstung Vorrang. Außerdem wies die Regierung in den vergangenen Monaten Kritik an ihrer Wirtschaftspolitik als irreführend zurück.

Sie verschenkte Geld an die Armen und steckte Geld in Subventionsmaßnahmen, das die Verbraucher zwar kurzfristig solvent macht, aber kaum Arbeitsplätze schafft oder Investitionen bewirken wird.

Da die Lesungen im Parlament bezüglich des Haushaltsentwurfs 2020 Anfang kommenden Jahres weitergeführt werden, sollte die Regierung sicherstellen, dass sie mehr für Programme ausgibt, die Investitionen fördern und Arbeitsplätze schafft. Da Arbeitnehmer ohne berufliche oder technische Kenntnisse anfälliger beim Abbau von Arbeitsplätzen sind, müssen sie entsprechend geschult werden.

Für viele Arbeitnehmer am unteren Ende der Wirtschaft ist das Überleben sehr schwierig geworden. Die drohende Arbeitslosigkeit wird die Lage für sie und ihre Familien nur noch verschlimmern.

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