Wenn es nicht regnet

Wenn es nicht regnet

Thailand litt unter einer starken Dürre, da die Monsunzeit ausblieb. Daran änderten vorerst auch die sintflutartigen Regenfälle nichts, die Tropensturm Podul mit sich brachte.

Suthin Noramas wohnt in Nakhon Ratchasima. Er kann seine Tränen nicht zurückhalten, wenn er auf das ausgedörrte Land um sich herum blickt.

Sein Grundstück ist ungefähr 2,25 Hektar groß. Er hat Durian, Pfeffer und Zitronengras angepflanzt und glaubte, dass diese Produkte beim Verkauf wertvoll sein würden.

Aber alle Pflanzen sterben ab oder sind bereits tot.

Der ockerfarbene Boden ist vor Trockenheit gerissen. Sogar die Abschnitte, die grün und blühend aussehen, leiden am Wassermangel, der in den letzten Monaten stark zugenommen hat.

„Ich habe mein ganzes Leben lang Landwirtschaft betrieben“, sagte der 43-Jährige mit verzweifelter Stimme. „Diese Dürre ist die Schlimmste. Sie können deutlich sehen, dass alles abgestorben ist. Es ist alles weg. Trocken.“

Die Meinung der Einheimischen in diesem Teil Thailands sind alle ähnlich: So eine schlimme Dürre haben sie noch nicht gesehen.

Laut Angaben der Behörde für Wasserressourcen hat es im ganzen Land seit zehn Jahren nicht mehr so wenig geregnet. Im Vergleich zu 2018 ging die Niederschlagsmenge um 25 Prozent zurück. Im Isan mit seinen 20 Provinzen war der Rückgang noch dramatischer: 30 Prozent weniger als 2018, einem Jahr, in dem die Niederschlagsmenge als normal angesehen wurde.

Der Mekong River in der diesjährigen Regenzeit auf den niedrigsten Wasserstand seit 100 Jahren gefallen. Der Mekong ist ein Symbol für die großen Probleme, denen die Region gegenübersteht.

Der Regenmangel hat sichtbare Spuren im Land hinterlassen und die Unsicherheit unter den Menschen erhöht.

Suthin bearbeitet das Land mit seinem alten Vater. Ihre einzige Wasserquelle für die Landwirtschaft ist ein nahe gelegener Stausee. Kürzlich kaufte das Duo eine elektrische Pumpe, um die kostbare Ressource zu fördern. Doch es gibt nichts weiter als ein schmutziges Rinnsal.

„Ich weiß nicht, warum es so ist. Ich weiß nicht, warum die Götter, der Himmel und der Boden mich so bestrafen. Was ist dieses Jahr los und warum regnet es nicht?“

Nur ein paar Kilometer entfernt in Khonburi stellen sich die Leute dieselbe Frage. Sie stehen am Rand eines anderen ausgetrockneten Stausees. Das Fassungsvermögen beträgt etwa 12.000 Kubikmeter, das sind etwa sechs olympische Schwimmbäder. Aber jetzt ist der See ausgetrocknet.

Karawake Korbsungnern, ein örtlicher Blumenzüchter, sagte, er habe die Hälfte der diesjährigen Ernte verloren, was ihn rund 200.000 Baht gekostet habe. Er glaubt jedoch, sich glücklich schätzen zu können, dass er es ohne Regen überhaupt geschafft hat, irgendetwas zu retten.

„Es gibt zwar viele dunkle Wolken, aber es regnet hier nicht. Es regnet woanders. Es ist hier auch windig, aber es gibt keinen Regen. Ich habe Wettervorhersagen gesehen, und die sagen immer, dass es regnen wird. Aber ich habe noch keinen gesehen“, sagte er. „Wenn es bis Oktober kein Regen und kein Wasser gibt, dann weiß ich nicht, was wir nächstes Jahr tun sollen.“

Klimawandel und Misswirtschaft

Im Juli warnte das Meteorologische Institut vor der großen Trockenheit. Etwa zur gleichen Zeit forderte die Regierung die Farmer auf, den Reisanbau zu unterbrechen. Für viele Erzeuger, die normalerweise im Mai aussäen, kam die Warnung bzw. Aufforderung Monate zu spät.
Anders als in den vergangenen Jahren, als es eine Dürre gab. 2015 ist ein aktuelles Beispiel. Farmer hatten ihre Felder bestellt und bekamen große Probleme, als sich der Monsun im Mai und Juni nicht erwartungsgemäß einstellte.

Reisfarmer Prapas Khunsarong hat beobachtet, wie seine Felder vertrockneten, nachdem er große Summen investiert hatte. Er ist ein Kleinbauer und baut Reis für die Bedürfnisse seiner eigenen Familie an.

Rund um das Dorf Ban Wang sind der Anblick von trockenen Reisfeldern und verbrannter Erde der Beweis für den Kampf von Prapas und vielen anderen Farmern. Es gab das ganze Jahr über keine signifikanten Niederschläge.

„Zu Beginn dieses Jahres gab es etwas Regen und der Reis wuchs. Danach hat es ungefähr drei Monate lang nicht mehr geregnet. Jetzt ist alles tot“, sagte er. „Nächstes Jahr stehen wir vor dem Problem, keinen Reis essen zu können und auch keinen anbauen zu können. Wir verlieren die Hoffnung. Im ganzen Unterbezirk denken alle so.“

Die Reisproduktion in Thailand ist ein äußerst wichtiger Wirtschaftszweig, auf den etwa ein Viertel des weltweiten Handels entfällt.

Laut Seree Supratid, Direktor des Zentrums für Klimawandel und Katastrophenschutz an der Rangsit-Universität, hat das Land jedoch aufgrund der Anfälligkeit für den Klimawandel Probleme mit der Ernährungssicherheit.

Die diesjährige Dürre wird auf einen Tiefdruckgebiet zurückgeführt, durch das Monsunregen in den Norden gelangt. Anstatt in Thailand regnet es in Teilen Indiens und Südchinas. Seree, ehemalig Gouverneur der Provinzwasserwerke, ist der Meinung, dass Missmanagement bei der Wasserwirtschaft weiter zur Katastrophe beigetragen hat.

„Zu Beginn dieses Jahres hatten wir ziemlich viel Wasser für die Farmer. Wir haben ihnen viel Wasser zugeleitet. Warum haben wir das gemacht? Weil wir den Farmern und allen Beteiligten vor Jahresbeginn nicht gesagt haben, dass es zu einer längeren Dürreperiode kommen wird“, sagte er und verwies auf gespeichertes Wasser, auf das die Farmer während der normalen Trockenmonate frei zugreifen können. „Wir müssen das besser machen, wir müssen das ändern.“

Bereits in diesem Jahr schätzte eine Studie des Department of Agricultural Extension, dass 1331 Quadratkilometer Land durch die Dürre geschädigt wurden.

Seree macht eine unzureichende Prognose sowie zu wenig Informationen für die mangelnde Klimawiderstandsfähigkeit Thailands verantwortlich. Ein Mangel an Investitionen in Agrartechnologie oder die Förderung der Einführung hochwertiger Pflanzen, die weniger Wasser verbrauchen, hätten weiter dazu beigetragen.

Das sind Herausforderungen, die in den kommenden Jahren immer dringlicher werden. Seree sagte, ein heißes und trockenes Klima sei jetzt die Regel in Thailand, und schwere Dürren werden jetzt alle zwei bis drei Jahre vorhergesagt, anstatt alle zehn bis 15 Jahre wie in der Vergangenheit. Ebenso nehmen das Ausmaß und die Regelmäßigkeit von Hochwasserschäden zu.

„Wir sehen, dass Thailand langfristig ein sehr anfälliges Land sein wird“, sagte er.

In der Zwischenzeit ergreift die Regierung Maßnahmen, um die aktuelle Situation zu bewältigen.

Das Kabinett hat ein zusätzliches Hilfspaket für Dürreperioden verabschiedet, mit dem in schwer betroffenen Provinzen Hilfe geleistet werden soll. Premierminister General Prayuth Chan-ocha schlug außerdem während eines Besuchs in Surin vor, den Bürgern für deren Wasserverbrauch nichts zu berechnen.

„Wir müssen kämpfen“

Als das Wasser im Lam Chae-Staudamm langsam versiegte, befanden sich die Restaurants, normalerweise idyllisch am Ufer gelegen, mitten im Nirgendwo. Von ihnen aus sind Boote zu sehen, die auf schlammigem Untergrund gestrandet sind. Der Wasserstand ist so stark gesunken, dass man mit dem Motorrad quer durch den großen Stausee fahren kann.

Der Damm ist ein wichtiges Stück Wasserinfrastruktur in der Provinz Nakhon Ratchasima mit einer Kapazität von 275 Millionen Kubikmetern. Derzeit führt er nur 17 Prozent seiner Kapazität. Das wenige Wasser kann für die Landwirtschaft nicht verwendet werden, nur für den persönlichen Bedarf der Anwohner.

„Wenn es regnet, wollen wir etwas Wasser für die Trockenzeit im nächsten Jahr behalten. Wir beobachten die Situation genau“, sagte Somsak Thaploka, der Direktor des Lam Chae Water Transmission and Maintenance Project.

Gleich in der Nähe machen sich Dorfbewohner Sorgen um das Trinkwasser. Ihr kleines Reservoir wird in zwei Wochen austrocknen, wenn es nicht regnet. Viele Einheimische verwenden normalerweise gigantische Riesengefäße, um Regenwasser zum Trinken und Waschen zu sammeln – doch die sind auch leer.

„So niedrig war der Wasserstand noch nie. Wenn es kein Wasser gibt, müssen die Dorfbewohner Wasser kaufen“, sagte Dorfvorsteher Prajuab Thokratoke.

Die Regierung wird den betroffenen Farmern in dieser Dürreperiode eine Entschädigung gewähren, aber es ist wahrscheinlich, dass sie ihre Kosten nicht annähernd decken. Vermutlich wird ihnen nur etwa ein Drittel ihrer tatsächlichen Ausgaben erstattet.

„Es wird Entschädigung geben, aber die wird nicht ausreichen. Wir können dann eine Weile Lebensmittel zu kaufen. Weil wir hier keinen Reis anbauen konnten, müssen wir Reis kaufen. Ich muss zuerst mir selbst helfen“, sagte Obstfarmer Suthin.

Er ist hin und her gerissen zwischen dem Willen durchzuhalten oder aufzugeben und sich einen Job auf dem Bau zu suchen. In Bangkok hätte er wenigstens ein regelmäßiges Einkommen.

„Wenn ich damit nicht fertig werde, muss ich in der Stadt einen Job finden. Was die Ernte betrifft, so wird sich mein Vater um sie kümmern. Aber er ist alt. Wir müssen kämpfen. Das ist wahr. Wir müssen kämpfen. Wir müssen nur auf Regen warten.“

Beitragsquelle : https://www.channelnewsasia.com/news/asia/thailand-drought-monsoon-rains-agriculture-11848900?cid=TWTcna

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