Verkauf via Facebook

Verkauf via Facebook

Von Garnelen bis hin zu falschen Wimpern – der Verkauf in sozialen Medien steigt im Facebook-freundlichen Thailand rasant.
Der Sohn eines thailändischen Fischers in der Provinz Satun, Anurak Saruethai, wurde auf See nie wirklich glücklich. Aber Meeresfrüchte machen ihn froh.
Getrocknete Garnelen, Tintenfische und Fische verkauft Anurak des Nachts in Facebook-Livestreams. Anurak, der sehr schlagfertig und witzig ist, kann geschickt mit Kunden umgehen und hat bis zu 300.000 Zuschauer gleichzei-
tig.
Er wird von einem Team unterstützt, das bei der Beantwortung von Bestellungen und Fragen im Facebook-Messenger, der Überwachung von Zahlungen auf sein Bankkonto und dem Drehen der komödiantischen Live-Stream-Videos hilft.
Die Formel funktioniert so gut, sagt Anurak, dass er allein im März 26 Millionen Baht Umsatz gemacht hat.
„Facebook und Instagram geben den Menschen die Möglichkeit. Wenn Sie es richtig machen, können sie in wenigen Monaten Millionen verdienen“, sagte er.
Sein Erfolg ist ein Symbol für den boomenden Handel über soziale Medien in Thailand, indem Unternehmer Produkte über Facebook, Instagram und Messaging-Apps wie Japans Line direkt an Kunden verkaufen.
Angetrieben von Upgrades auf Mobile-Banking-Apps hat sich der Umsatz über soziale Medien in Thailand 2017 auf 334,2 Milliarden Baht mehr als verdoppelt, so der jüngste Bericht der Electronic Transaction Development Agency des Landes.
Darüber hinaus mache diese Verkaufsart 44 Prozent des E-Commerce in Südostasiens zweitgrößter Volkswirtschaft aus, nach 21 Prozent im Vorjahr. Eine Steigerung von über 100 Prozent innerhalb eines Jahres. Seitdem haben die Banken die Überweisungsgebühren gesenkt, was den Markt wahrscheinlich weiter antreiben wird.
Die Popularität des sogenannten Social Commerce in Thailand ist in hohem Maße auf das relativ späte Eintreffen großer E-Commerce-Unternehmen, kulturelle Einkaufspräferenzen und die breite Nutzung von Facebook und Instagram zurückzuführen. Rund 38 Millionen Bürger oder 57 Prozent der Bevölkerung greifen nach Angaben der US-Firma täglich auf Facebook zu.
Das Wachstum unterstreicht auch die globalen Geschäftsmöglichkeiten für Facebook und seine Instagram-Einheit.
„Social Commerce ist ein Markt, den es zu überwachen gilt, da Facebook in letzter Zeit mit der Einführung zahlreicher handelsfreundlicher Funktionen einen starken Schritt in Richtung Handel gemacht hat“, sagte Alessandro Psicini, Mitbegründer von Crea, der Marken berät, die ihren SocialMedia-Verkauf in Thailand steigern möchten.
Facebook kündigte an, dass man eine neue Funktion einbauen wolle, indem man auch über Facebook zahlen kann, damit käme auch eine eigene Facebook-Währung.
Instagram hat im März eine Checkout-Schaltfläche eingeführt, mit der Benutzer einkaufen können, ohne die App zu verlassen. Derzeit ist diese Funktion jedoch auf eine kleine Anzahl von Marken und US-Verbrauchern beschränkt.
Facebook und Instagram wollten sich nicht dazu äußern, wie sie die Möglichkeiten des Social Commerce optimal nutzen wollen.

Erst die Kunden

Innerhalb Asiens kann nur Indonesien mit Thailand im sozialen Handel mithalten. Dort entfallen rund 40 Prozent des E-Commerce auf das Unternehmen, aber dort ist der Markt weniger entwickelt, da viele Indonesier keine Bankkonten haben und es schwierig ist, Waren über den gesamten Inselstaat auszuliefern.
In anderen Teilen Asiens ist das Einkaufen auf großen E-Commerce-Plattformen wie Alibaba in China, Amazon in Japan oder Flipkart in Indien die Norm, obwohl der Verkauf über soziale Medien in einigen Ländern auf dem Vormarsch ist.
Das Live-Streaming von Händlern hat in China an Beliebtheit gewonnen, während in Indien im vergangenen Jahr Social-Commerce-Unternehmen entstanden sind.
Der Abschluss eines Verkaufs über soziale Medien kann jedoch umständlich sein.
In Thailand finden Kunden Produkte auf Facebook oder Instagram, während Chats und Zahlungen in der Regel über verschiedene Apps erfolgen. Für viele Thais liegt der Reiz des Social-Media-Shoppings in der direkten Kommunikation mit den Händlern.
Die 35-jährige Chonticha Srisawang, die auf ihrem Instagram-Konto eine eigene Marke für falsche Wimpern und über 76.000 Follower hat, sagt, dass es Kunden leichter fällt, Bestellungen aufzugeben, nachdem sie sich die Zeit genommen
hat, Fragen über die Chat-App Line zu beantworten.
„Der thailändische Markt ist sehr kundenorientiert“, sagte Vilaiporn Taweelappontong von PwC Thailand und fügte hinzu, dass thailändische Käufer gerne stöbern und teilen, was sozialen Medien gegenüber großen Online-Einkaufszentren einen Vorteil verschafft.
Online-Einkaufszentren in Thailand wollen jetzt Social-Media-Händler für sich gewinnen – Branchenexperten schätzen die Zahl auf mehr als 100.000. Beide haben letztes Jahr Live-Streaming-Dienste hinzugefügt.
Alibabas Lazada, das 2012 in Thailand auf den Markt kam, startete im August ein reines Einladungsprogramm, um Social-Media-Verkäufer mit einer breiten Kundenbasis auf seine Website zu locken.

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