Überall Hakenkreuze

Überall Hakenkreuze

Das Hakenkreuz ist ein altes hinduistisch-buddhistisches Symbol, das die Nazis missbraucht haben und in ein schlechtes Licht rückten.
Und trotzdem … Ich muss immer kurz innehalten, wenn ich ein Hakenkreuz erspähe. Sei es auf einer Buddhastatue, in einem Tempel, an einer Hauswand oder wo auch immer.
Das ist alles schön und gut, denn mit dem 3. Reich hat das nichts zu tun. Es geht allerdings zu weit, wenn ein schwarzes Hakenkreuz auf weißem Grund rot umrandet ist. Denn das ist das NS-Symbol. Und wenn ich das beispielsweise auf einem T-Shirt sehe, dann fehlen mir die Worte …
Ostasien scheint jedenfalls der richtige Ort zu sein, wenn man Hakenkreuze im ursprünglichen Sinne sehen will, das heißt, Kreuze, die nichts mit den Nationalsozialisten zu tun haben.
Da fällt mir eine Geschichte ein, die sich ereignete, als ich Indien bereiste. Das ist lange, lange her, mein Englisch war damals nicht so gut. Ich musste schmerzhaft feststellen, dass man mit Schulenglisch – ein Englischlehrer quälte unsere Klasse unendlich lange mit so prickelnden Dingen wie Aktiva und Passiva, das werde ich nie vergessen –, einen praktischen Sprachschatz, wie man ihn auf Reisen oder im Leben so braucht, nicht aufbauen kann. Diese Kenntnisse musste ich mir auf Reisen aneignen, indem ich mit Leuten sprach. Um besser zu werden, lief bei mir zu Hause rund um die Uhr immer der Nachrichtenkanal CNN. Vielleicht kommt es daher, dass mir amerikanisches Englisch leichter fällt als dieser komische britische Akzent.
Zurück nach Indien … Die gut ausgebildeten Inder können alle fließend Englisch. Da merkt man, dass das Land einmal britische Kolonie war. So was hat oder hatte eben auch seine Vorteile. Hätte Deutschland vielleicht nicht geschadet.
Wie dem auch sei. Ich war mit dem Zug in Rajastan unterwegs. Dort gibt es viel Wüste, mitunter erinnert dieser Bundesstaat an den Nahen Osten oder Nordafrika.
Ich kam mit einem indischen Fahrgast ins Gespräch. Er fragte mich, ob ich mir denn an meinem Zielort schon ein Hotel ausgesucht hätte. Ich bejahte, es handle sich um das „Hotel Swastika“. Er lachte und sagte, Deutsche würden dieses Hotel nicht mögen. Ich begriff überhaupt nicht, was er meinte.
Was er meinte, merkte ich bei Ankunft im besagten Hotel. Die Wände waren über und über mit Hakenkreuzen verziert, auch die Türrahmen. Und die Türen selbst. Über jeder Zimmernummer hing ein Hakenkreuz. „Swastika“, so erfuhr ich, bedeutet auf Englisch nichts anderes als „Hakenkreuz“.
Die zweitbeste Geschichte ist wohl ein Inder, der mit einem Pulli herumlief, das war in Ladakh, der über und über mit Hakenkreuzen verziert war. Ich nahm das alles mit Humor, und dachte mir grinsend, wenn er mit diesen Pullover in Deutschland herumläuft, wird er sofort verhaftet.

Überall Hakenkreuze
Überall Hakenkreuze

Da Thailand ein buddhistisches Land ist, gelten auch hier die Hakenkreuze als Glückssymbol. Das ist deren ursprüngliche Bedeutung. Das erkennt man schon an der Sprache: die thailändische Begrüßung „Sawatdi“ und das englische Wort „Swastika“ liegen so weit nicht auseinander, die beiden Wörter haben denselben Sanskrit-Ursprung.
In Thailand kann man ganz gute Hakenkreuz-Bilder machen. Manchmal sieht man welche an Stellen, von denen man es nicht erwartet hätte – wie beispielsweise einer Hausfassade.
Gustav Tietz, Pattaya

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