Täglicher Kampf

Täglicher Kampf

Dass Thailand eines der Länder ist, in dem die größte Ungleichheit herrscht, sollte alle Thais beschäftigen, angefangen von der Regierung bis zu den Leuten ganz unten.
Die Nationale Behörde für soziale Entwicklung bestritt, dass, wie von der Bank Credit Suisse berichtet, Thailand das Land mit der größten Ungleichheit der Welt sei. Laut Credit Suisse besitzen ein Prozent Thais über zwei Drittel des gesamten thailändischen Vermögens.
Eine neue Nachricht ist das nicht gerade, denn schon 2016 veröffentlichte Credit Suisse einen Bericht, wonach Thailand in der Welt auf Platz drei hinter Russland und Indien lag. Neu ist nur, dass es Thailand auf Rang eins geschafft hat.
Zunächst wurde dementiert, dann die Daten von Credit Suisse angezweifelt. Der Wirtschaftswissenschaftler Varakorn Sarmkoses meinte, dass von den 133 untersuchten Ländern nur bei 35 Ländern vollständige Daten vorliegen würden. Aus diesen Gründen könnte die Rangliste verzerrt sein.
Möglicherweise sollte man da nicht zu pedantisch sein. Vielleicht gibt es Länder, in denen Ungleichheit und Ungerechtigkeit noch größer sind, aber es dürfte außer Frage stehen, dass Thailand einen der Spitzenplätze einnimmt.
Es gibt unterschiedliche Aspekte, wie man Ungleichheit messen kann. Es folgen einige Punkte, die uns daran erinnern, wie die Lage tatsächlich ist.
Beginnen wir mit dem wie ausgestorbenen Bangkok, wenn ein verlängertes Wochenende ansteht, wie jetzt wieder während Songkran. Die Bangkoker Straßen sind so leer, weil die Mehrzahl der Einwohner aus der Hauptstadt verschwindet und die Verwandten in der Heimatprovinz besucht. Das bedeutet, dass Bangkok das ist, was Soziologen als Primatstadt bezeichnen. Das ist ein großes, urbanes Zentrum, in dem sich die meisten Funktionen – und Arbeitsplätze – konzentrieren. Bangkok ist mindestens zehnmal größer als die zweigrößte Stadt des Landes (Chiang Mai) und ein in Beton gegossenes Monument, wie ungleich es im Land zugeht.
Wenn man auf dem Land geboren wurde und das Glück hatte, eine gute Ausbildung zu erhalten, kommt man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nach Bangkok, denn hier sind die Jobs. Leute mit nicht so guter Ausbildung kommen ebenfalls nach Bangkok, denn hier befindet sich das Wirtschaftszentrum.
Man sollte aber nicht der Meinung sein, dass die Bangkoker Mittelklasse es einfach hat. Da war ein Bericht über eine Frau, die für ihren vier Jahre alten Sohn einen Nachhilfelehrer engagierte. Der Sohnemann soll Mitte 2019 in einen bekannten Kindergarten einer staatlichen Universität gehen. Jedes Jahr gibt es durchschnittlich 4.000 Bewerber, aber nur 200 Kinder im Vorschulalter werden genommen. Hinzu kommt, dass 100 Plätze für Kinder reserviert sind, deren Eltern viel spendeten bzw. ehemalige Absolventen sind.
Dieser Kindergarten ist der einzige Weg für die Mutter, ihrem Sohn von Anfang an eine gute Ausbildung gewährleisten zu können, ohne die exorbitanten hohen Schul- bzw. Kindergartengebühren zu bezahlen, die internationale Schulen oder Privatschulen verlangen.
Sie sagte, sie spare Geld für weitere Privatlehrer und auch ein Klavier, auf dem ihr Sohn spielen will.
Die Bangkoker Mittelklasse kämpft, damit auch die nächste Generation noch dieser Mittelklasse angehören kann.
Aber was ist mit den Armen?

Täglicher Kampf
Täglicher Kampf

Es ist schwierig, wenn man ganz unten ist und weder Englisch sprechen noch lesen kann – oder, was immer wichtiger wird, Chinesisch. Viele gehobene Restaurants in Bangkok haben keine Speisekarte auf Thai. Wenn man kein Englisch kann, fällt man durch das Raster und fühlt sich fehl am Platz. Das mag nun nicht das große Thema sein, weil der Besuch eines dieser Restaurants und Clubs pro Abend locker einen Wochenmindestlohn kostet.
Doch alles zusammen genommen sind das Gründe, weshalb vor den Wahlen eine Partei wie die Anakot Mai (Future Forward Party) entstehen konnte, die verspricht, sich so gut wie möglich um das Anliegen der Armen zu kümmern.
Als erster Schritt wurde der Mitgliedsbeitrag der Partei von 200 Baht jährlich auf 100 Baht reduziert. 100 Baht mag die Mittelklasse aus der Portokasse bezahlen, sicherlich aber nicht die Armen. Daher die Reduzierung.
Eine Gesellschaft, in der zu viel Ungleichheit herrscht, kann nicht erwarten, miteinander in Frieden leben zu können. Die Ungleichheit führt täglich zu Konfrontationen, die Armen kämpfen jeden Tag ums Überleben. Für sie ist ein Lotterielos die einzige Hoffnung, einmal ein besseres Leben führen zu können.
Darüber sollten alle Thais einmal in Ruhe nachdenken.

Ähnliche Beiträge