Südkoreas Medienkrise

Südkoreas Medienkrise

Wie die meisten anderen Länder der Welt, sind auch die Medien Südkoreas mit einer Krise konfrontiert, da sich das Informationssystem verändert hat. Gleichzeitig hat das Misstrauen gegenüber den Medien zugenommen.

Sie können überleben, wenn sie sich an ein sich an die Veränderung anpassen und das verlorene Vertrauen zurückgewinnen. Wenn nicht, werden sie kaum noch eine Rolle spielen.

Die Medienkrise begann Anfang des 21. Jahrhunderts und spiegelte das wider, was auf der ganzen Welt vor sich geht, während soziale Medien immer aufmerksamer verfolgt werden. Mehr und mehr Bürger lesen keine Zeitungen und sehen keine Fernsehnachrichten mehr. Die Korean Press Foundation berichtete, dass 2018 nur 9,5 Prozent der Südkoreaner Zeitungen abonniert haben. 1996 waren es noch 69,3 Prozent.

Über die Jahre hat sich viel verändert. Die Korea Communications Commission berichtete 2017 darüber, welche Medien die Leute als notwendig erachteten.

93,4 Prozent der Befragten im Alter von 70 Jahren meinten, dass es das Fernsehen sei. Im Alter von 60 Jahren waren es 77,4 Prozent. Je jünger die Befragten wurden, umso mehr nahm die Rolle des Fernsehens ab. Bei den 20-Jährigen waren es nur noch knapp zehn Prozent.

Jüngere Bürger sehen selten fern. Das hat auch zu einem Rückgang beim Verkauf von Fernsehwerbung geführt. Die Werbeeinnahmen der Rundfunkunternehmen haben sich zwischen 2006 und 2018 auf 1,3 Billionen Won (1,12 Milliarden Dollar) halbiert. Die Zahlen zeigen einen enormen Rückgang beim Werbeverkauf. Wenn sich diese Trends fortsetzen, werden die Rundfunk- und Fernsehanstalten bald bankrott gehen.

Zeitungen und Rundfunkanstalten dienten als öffentlicher Raum, in dem sich die öffentliche Meinung bildete. Jetzt verdrängen Suchmaschinen, soziale Medien und YouTube die Zeitungen und Rundfunkanstalten und ersetzen sie. Verbraucher greifen über Suchmaschinen auf Nachrichten zu, die von Journalisten in Zeitungen und Sendeanstalten produziert wurden, lesen jedoch keine Zeitungen und sehen keine Nachrichtensendungen. Jetzt werden Informationen über Videos auf YouTube und Netflix konsumiert. Die südkoreanischen Medien scheinen keinen Platz mehr zu haben.

Ursachen der Krise Fast alle Kenntnisse und Informationen sind im Internet vorhanden. Vertrauen in und Autorität von Experten besteht nicht mehr. Die Leute respektieren weder Professoren noch Ärzte, geschweige denn die Medien.

Mitte der 80er Jahre erhielten Reporter, die in ihren Redaktionen Dienst hatten, häufig Anrufe von Bürgern, die Fragen nach dem Ergebnis eines Sportereignisses stellten oder den Namen eines Schauspielers wissen wollten, nur um zwei Beispiele zu nennen. So ist das aber nicht mehr. Heutzutage kann man das einfach googeln. Es klingt jetzt fast unglaublich, aber früher waren Zeitungen der Aufbewahrungsort für „Fakten“.

Die Informationen änderten sich auch von Textnachrichten zu Videonachrichten. In der Vergangenheit lasen die Leute Texte und machten sich mit Hilfe ihrer Vorstellungskraft ein Bild von Ereignissen. Leute, die Informationen aus Texten erhalten, sind es gewohnt, deduktiv zu denken und logisches Denken zu entwickeln.

Jetzt erhalten mehr Leute Informationen durch Videos, die die Intuition verbessern und den Betrachter an induktives Denken gewöhnen. In dieser Umgebung können falsche Informationen weit verbreitet werden und die Verzerrungen verstärken.

Wenn Glaube und Tatsachen aufeinander prallen, haben die Leute früher ihre Überzeugungen geändert. Jetzt schieben die Leute die Tatsachen beiseite und halten an ihrem Glauben fest. Eine verstärkte Ausrichtung auf Bestätigung aufgrund von Änderungen im Informations- und Wissenssystem ist weltweit allgegenwärtig. Wähler sind anfälliger für unlogische und verantwortungslose politische Propaganda.

Die Medien beteiligten sich aktiv an politischen Kämpfen und zogen daher Misstrauen auf sich. Diese Veränderung des Informationssystems ist ein globales Phänomen, das es auch in Südkorea gibt.

Die Tragödie der südkoreanischen Medien ist, dass der globale Tsunami der Informationsrevolution und die Wellen des Vertrauensverlustes aufgrund politischer Kämpfe sie fast gleichzeitig trafen. Die Verbreitung von Internet, sozialen Medien und YouTube verschärfte das Misstrauen gegenüber den bestehenden Medien. Gleichzeitig hat dieses Misstrauen die Verbreitung von
sozialen Medien und YouTube beschleunigt. Die Synergie zwischen dem InformationsTsunami und dem Misstrauen führt dazu, dass die südkoreanischen Medien immer bedeutungsloser werden.

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