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Streetfood nicht für alle

Streetfood nicht für alle

In der letzten HALLO-Ausgabe berichteten wir über Jay Fai, die als einzige Küchenchefin eines Straßenrestaurants in Bangkok einen Stern im Gourmetreiseführer von Michelin erhielt.

Die Auszeichnung veränderte kurz gesagt Jay Fais Leben. Ihr Lokal wird jetzt von Gästen und Presse belagert. Das ging auch anderen Gastronomen so, die im Michelin eine Erwähnung fanden – ob mit oder ohne Stern.

Aber Jay Fai ist die einzige, die für ihre Streetfood-Speisen einen Stern erhielt, was sie über Nacht zu einem internationalen Gourmetstar machte. Wenig überraschend wurde über sie in der Presse berichtet, sogar in Deutschland.

In Thailand führte das zu Verwunderung, weil Gastronomie mit Frankreich und Italien gleichgesetzt wird, nicht aber mit Deutschland.

Die Berichterstattung war natürlich ein großer Schub für die einheimische Tourismusindustrie, allein daran zu erkennen, dass die Vergabe des Gourmetsterns auch zu längeren Wartezeiten für die Gäste führte. Jay Fai sagte in einem Interview, dass sie selbst im Nachhinein über ihre Popularität nicht sehr begeistert sei. Denn nun interessieren sich auch die Steuerbehörden für ihre Einnahmen, was vorher nicht der Fall gewesen ist. Am liebsten würde sie den Michelin-Stern zurückgeben, sagte Jay Fai, eine Aussage, die ihre Tochter später bestritt.

Die thailändische Tourismusbehörde TAT drückt sich jetzt selbst die Daumen und hofft, dass das Budget von 144 Millionen Baht, das eingesetzt wurde, damit Michelin den Gourmetführer Bangkok zwischen 2017 und 2021 veröffentlicht, sich bis zum letzten Baht auszahlt.

Die Investition soll gar nicht in Zweifel gezogen werden, aber es ist schon interessant zu sehen, wie TAT und die Bangkoker Stadtverwaltung (BMA) die gastronomischen Vorzüge der thailändischen Hauptstadt fördern, während doch zuvor Streetfood-Stände vernichtet wurden und es für Bangkoker immer schwerer wurde, preisgünstige Straßenrestaurants zu finden.

Allerdings kann darüber diskutiert werden, ob Jay Fais Lokal in die Kategorie Streetfood passt. Wenn man an die nicht gerade kostengünstigen Gerichte denkt, ist ihr Betrieb eher nicht für Laufkundschaft gedacht, die schnell etwas essen möchte, um satt zu werden. Schon bevor sie den Gourmetstern erhielt, kamen meist wohlhabende Gäste, die in dicken Autos anreisten.

Niemand, der den Mindestlohn verdient, könnte sich einen Besuch bei Jay Fai leisten. Das bekannte Krabbenomelette kostet 800 Baht, die Nudeln (rad na) kosten ab 200 Baht.

Das ist anders als bei den Straßenrestaurants in Singapur, die letzten Juli mit den prestigeträchtigen Sternen ausgezeichnet wurden. Hongkong Soya Sauce Chicken Rice and Noodle und Holl Street Tai Hwa Pork Noodle gehören zu den 29 Restaurants, die im Singapur-Führer vorgestellt werden. Die beiden Läden gehören zu über 6.000 Straßenrestaurants in Singapur, die überall im Stadtstaat in über 100 Zentren Streetfood anbieten.

Streetfood nicht für alle
Streetfood nicht für alle

Laut The Guardian kostet gebratenes Huhn mit Reis und Sojasauce im mit dem Michelin-Stern ausgezeichneten Lokal nur zwei Singapur-Dollar, ca. 50 Baht. Das ist weniger als die Hälfte für einen Big Mac bei McDonald’s. CNN Travel bezeichnete die Speisen in dem Straßenlokal als die billigsten MichelinStern-Gerichte der Welt.

Im Vergleich dazu der jetzt verliehene Michelin-Stern für das Bangkoker Streetfood-Lokal, in dem die meisten Bangkoker wegen der Preise nicht essen können. Einige werden argumentieren, dass es billigere Lokale gibt, die im Michelin-Führer in der Kategorie „Bib Gourmand“ empfohlen wurden. Die haben aber keinen Stern bekommen.

Streetfood bedeutet für die meisten Leute in Bangkok, sowohl für Ausländer als auch für Einheimische, einen bequem zu erreichenden Ort, an dem es sauber ist und leckeres und vor allem günstiges Essen serviert wird.
Es ist klar, dass der Ausdruck „Streetfood“ fürs TAT – und auch für die BMA, die in den letzten Monaten immer wieder Stände verboten hat – etwas anderes bedeutet und auch eine andere Funktion hat.

Das TAT will erreichen, dass 2018 das Einkommen in der Gastronomie einen Anteil von 25 Prozent an der Tourismusindustrie hat. 2017 waren es 20 Prozent. Das TAT will in diesem Jahr in der Tourismusindustrie 2,77 Billionen Baht generieren, 2019 sollen es drei Billionen sein und in der Gastronomie 750 Milliarden Baht.

Der TAT-Gouverneur sagte, er wolle den Gastronomietourismus und auch Streetfood fördern, vor allem in Bangkok. Nachdem Inhaber von Streetfood-Restaurants vertrieben worden waren und ihnen gedroht wurde, dass es in absehbarer Zeit überhaupt kein Streetfood mehr in Bangkok geben solle.

Plötzlich scheint aber die Einsicht bei den Behörden eingekehrt zu sein, dass man Streetfood benutzen kann, um mit Touristen Geld zu verdienen. Und da sind alle Drohungen und Ankündigungen der Vergangenheit plötzlich vergessen.

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