Starker Baht belastet Export und Tourismus

Starker Baht belastet Export und Tourismus

Der Geldzufluss in das südostasiatische Königreich bringt die politischen Entscheidungsträger in Bedrängnis.
Der thailändischen Wirtschaft könnte es besser gehen, die Anzahl der Touristen sinkt und eine Dürre beeinträchtigt den millionenschweren Agrarsektor – aber der Baht behauptet sich. So kann man Thailands Konjunkturprobleme in einem Satz zusammenfassen.
Im Laufe eines Trends, der den wichtigsten Wirtschaftsindikatoren zu widersprechen scheint, ist der thailändische Baht in diesem Jahr gegenüber dem US-Dollar um 5,4 Prozent gestiegen. Damit ist er nicht nur die härteste Währung in Südostasien, sondern auch eine der stärksten der Welt.
Ausländisches Portfoliogeld fließt nach Ansicht von Analysten aufgrund des gesunden Leistungsbilanzüberschusses des Königreichs nach Thailand. Die Wahlen im März haben die schlimmsten Befürchtungen der Anleger hinsichtlich des politischen Risikos und die Haltung der Bank of Thailand in Bezug auf die Zinssätze besänftigt.
In Bezug auf den Zinssatz, zu dem Anleger in einer Zeit, in der viele Zentralbanken nachlassen, Anleihen aufnehmen können, erzielen thailändische Vermögenswerte gute Renditen. Das jüngste Beispiel ist die US-Notenbank, die En-
de Juli die Zinsen senkte.
Der Geldfluss bringt die thailändischen Entscheidungsträger jedoch in Bedrängnis: Während der starke Baht die Wettbewerbsfähigkeit des thailändischen Tourismus und der Warenexporte beeinträchtigt, will die Zentralbank laut Analysten die Zinsen nicht weiter senken, weil sie sich Sorgen über die steigende Verschuldung der Privathaushalte macht.
„Die thailändische Zentralbank ist der Meinung, dass eine weitere Zinssenkung das Risiko im Finanzsektor erhöhen könnte“, sagte Charnon Boonnuch, Südostasien-Ökonom bei Nomura in Singapur. „Dies hat auch dazu beigetragen, den Baht noch stärker zu machen.“
Der starke Baht ist ein Paradoxon und eine Belastung für eine Wirtschaft, die nicht die besten Ergebnisse erzielt. Die sich daraus ergebende Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit könnte die Abschwächung der zweitgrößten Volkswirtschaft Südostasiens weiter beschleunigen.
Die Daten der Zentralbank zeigten, dass die Produktionsmenge im Juni gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent zurückging. Das war der stärkste Rückgang seit mehr als fünf Jahren.
Die Anzahl der Touristen stieg nach Angaben des Tourismusministeriums in der ersten Jahreshälfte nur um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber dieses Wachstum darf angezweifelt werden, auch wenn es noch so gering ist. Hoteliers und Gastronomen sprechen jedenfalls von einem katastrophalen Rückgang von Einnahmen in der Tourismusindustrie.
Die Zahl der Besucher aus China, die den größten Anteil an den Touristen ausmachen, ging offiziellen Angabe zufolge um fünf Prozent zurück.
Die Bank of Thailand hat ihre Wachstumsprognose in letzter Zeit zweimal gesenkt, zurzeit sollen es 3,3 Prozent werden. Eine schwache Leistung im Vergleich zu den meisten Nachbarländern Thailands, was die Behauptung einiger Analysten stützt, dass das Land der „kranke Mann von Südostasien“ sei.
Aber Thailand sieht besser aus, wenn man es aus dem Ausland betrachtet. Globale Referenzindizes für Aktien und Anleihen haben kürzlich ihre Gewichtung thailändischer Vermögenswerte erhöht, und die Rating-Agenturen haben ihre Aussichten nach den Wahlen verbessert.
General Prayuth Chan-ocha, der ehemalige Militärdiktator, wurde im Juni in einer Abstimmung, die von Bürgerrechtsgruppen weitgehend als undemokratische Täuschung abgetan wurde, als Premierminister gewählt. Immerhin haben die Wahlen die Nerven der Anleger beruhigt, weil es nicht zu Unruhen wie in der Zeit vor dem Putsch gekommen ist.
Die Portfoliomanager entscheiden nun, wie viel Gewicht Vermögenswerte haben sollen, wenn sie die Aussichten für eine Aufwärts- oder Abwärtsbewegung der Zinssätze bewerten.
Mark Baker, Fondsmanager für Schwellenmarktanleihen bei Aberdeen Standard, sagte, Zinssenkungen seien ein schlechter Weg, um den Baht zu schwächen. Die Erhöhung des Leitzinses durch die Bank of Thailand im Dezember letzten Jahres bot weitaus weniger Spielraum für eine Lockerung als bei der US-Notenbank.
Ob sich die Leitzinssenkung von 0,25 Prozent Anfang August dauerhaft auf den Wechselkurs auswirkt, bleibt abzuwarten.
Die Herausforderung für den Baht besteht darin, dass andere Zentralbanken über eine Senkung des Leitzinses nachdenken. Wenn die Bank of Thailand die Zinsen nochmals senkt, würde das demnach nicht viel nutzen.
So ergriff die Zentralbank vorletzten Monat eine andere Maßnahme. Geldströme sollen eingedämmt werden, indem die Regeln für gebietsfremde Konten verschärft wurden. Kheng-Siang Ng, Leiter des Bereichs Fixed Income bei State Street Global Advisors, bezweifelte daher, dass die Zentralbank noch einmal auf eine Zinssenkung zurückgreifen würde.

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