Staat und Sexualität

Staat und Sexualität

Es scheint, dass die Geschichte um den Kerry-Ex-press-Mitarbeiter und die Lieferung von Sexspielzeugen an eine Frau ein Happy End hatte. Aber ist es wirklich so, fragt die Kolumnistin Ploenpote Atthakor.

Die Story machte Schlagzeilen in fast allen, wenn nicht allen Medien. Eine Frau beschwerte sich darüber, dass der Inhalt eines Pakets mittels Fotos auf sozialen Medien ausgebreitet worden war. Mitarbeiter der Zustellerfirma Kerry Express hatten behauptet, dass das Paket an die Frau beim Transport beschädigt worden war. Inhalt des Pakets: Sexspielzeuge. Sie fotografierten sich gegenseitig mit diesen und machten über die Frau abfällige Kommentare. All das war dann auf Facebook etc. zu sehen bzw. nachzulesen.

Damit nicht genug. Die Paketzusteller nahmen sich auch die Freiheit, die Identität der Empfängerin bekannt zu geben: Name, Adresse und Telefonnummer. Seitdem wird sie immer wieder von Fremden angesprochen. Die Frau sagte, ihr sei die Sache derartig peinlich gewesen, dass sie an Selbstmord gedacht hatte.

Der Aufruhr in den sozialen Medien führte dazu, dass Kerry den Vorfall überprüfte. Vier Mitarbeiter wurden entlassen. Ein paar Tage später arrangierte das Unternehmen ein Treffen zwischen der Frau und den vier Paketzustellern in Nakhon Pathom.

Die Frau sagte, eine Freundin sei die wahre Käuferin der Sexspielzeuge. Sie fügte hinzu, dass ihre Freundin ihre Adresse benutzte, weil sie Angst habe, die eigene zu nehmen.

Kerry Express entschuldigte sich bei der Frau, während diese sagte, sie verzeihe den ehemaligen Mitarbeitern der Firma und werde keine rechtlichen Schritte gegen diese einleiten.

Sie vergab also den Mitarbeitern und diese entschuldigten sich. Doch nein, das ist kein Happy End, auch wenn man meinen könnte, die Frau wird jetzt zu ihrem normalen Leben zurückkehren.

Es ist kein Happy End, denn meiner Meinung nach offenbart diese Geschichte die Wahrheit darüber, wie die Bürger von Konservativen kontrolliert werden, die an alten Vorschriften und überholten Gesetzen festhalten, was Sexualität betrifft.

Warum müssen Leute, die diese Produkte erwerben, ihre Identität verbergen? Warum ist in unserer Gesellschaft der Erwerb von Sexspielzeugen strafbar? Wer es noch nicht wusste: Sexspielzeuge sind in Thailand verboten.

Frauen, die Sexspielzeuge erwerben, werden als„schlechte Frauen“ angesehen und sind Erniedrigung und Verurteilung ausgesetzt. So wie das Opfer der Kerry-Mitarbeiter. Wir leben in einer übermoralischen Gesellschaft.

Es ist bedauernswert, dass einige Medien mit wenig Mitgefühl an das Thema herangingen. Einige thai-, aber auch englischsprachige Zeitungen bezeichneten das Opfer in den Schlagzeilen als „Sexspielzeugfrau“. Sie hätten wissen müssen, dass solche Bezeichnungen das Opfer weiter herabwürdigten.

Ich wünschte, unsere Gesellschaft wäre erwachsen genug, alle Menschen, seien es Frauen, Männer oder Ladyboys, die Sexspielzeuge kaufen, als normal ansehen. Es sollte kein Thema sein, so etwas zu erwerben. Das ist kein Verbrechen und niemand sollte sich dieserhalb schämen müssen. Es geht niemanden etwas an, wenn eine Frau Sexspielzeuge kaufen will.

Vielleicht sollte von staatlicher Seite begonnen werden, indem Läden, die Sexspielzeuge verkaufen, legalisiert werden? Ich bin sicher, dass sofort die Moralpolizei auf der Matte stehen wird. Sie wird das verhindern wollen mit Argumenten wie: Vergewaltigungen werden in die Höhe schnellen usw. usf. Aber wer mit solchen Argumenten kommt, sollte einmal seine Augen öffnen und sein Bewusstsein erweitern. Schluss mit der Scheinheiligkeit, will ich damit sagen.

In den meisten großen Städten der entwickelten Welt gibt es Läden mit Sexspielzeug. Sind Einwohner dieser Städte nicht normal? Ist die Vergewaltigungsrate hoch? Nein. Vergewaltigungen sind ein Prob- lem in Ländern, in denen Männer von Macht besessen sind und denen nicht beigebracht wurde, die Rechte Dritter zu würdigen.

Ich will damit nicht sagen, dass es am Rande des Bürgersteigs Verkaufsstände mit Dildos geben soll. Das mag in Touristengebieten der Fall sein, und die Behörden schauen hier weg. Es spricht aber nichts dagegen, wenn es Geschäfte gibt, in denen Waren wie in jedem anderen Laden auch verkauft werden. Der Staat hat hier auch einen Vorteil, weil Steuern bezahlt werden.

Es gibt keinen Grund, weshalb Sexspielzeuge unter dem Ladentisch verkauft werden müssen, zumal Beamte hier eine gute Einnahmequelle durch Schmiergelder haben.

Ich glaube felsenfest daran, dass staatliche Kontrolle vor der Schlafzimmertür der Bürger Halt machen sollte. Die einzige Rolle, die der Staat spielen sollte, ist die, dass die Rechte der Konsumenten geschützt sind. Das heißt, die Produkte sollten eine gute Qualität haben und nicht zu teuer sein. Es könnte eine Altersvorschrift geben, was die Kunden betrifft. Das ist verständlich und sollte kein Problem sein.

Darüber hinaus hat der Staat aber nichts zu melden, wenn es um sexuelle Freuden geht.

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