SIM nur nach Gesichts-Scan

SIM nur nach Gesichts-Scan

Seit 2004 sind bei gewalttätigen Übergriffen in den südlichen Unruheprovinzen rund 7.000 Menschen ums Leben gekommen, vor allem Zivilisten. Jetzt verlangen Telekommunikationsunternehmen von allen Nutzern der 1,5 Millionen Mobilfunknummern der Region, dass sie ein Foto von sich zur Gesichtserkennung einreichen.
Die neue Vorschrift, dass Handynutzer in den südlichen Unruheprovinzen, ein Foto von sich zum Zwecke der Gesichtserkennung machen müssen, löste Aufruhr aus und stieß auf Kritik. Die Rechte der moslemischen Mehrheitsbevölkerung würden weiter eingeschränkt, hieß es. Ein Armeesprecher verteidigte die neue Regelung und sagte, die Gesichtserkennung sei erforderlich, um zu verhindern, dass Aufständische selbst gebaute Bomben mit dem Handy zünden.
In den drei südlichsten Provinzen Thailands – Yala, Pattani und Narathiwat sowie in Teilen von Songkhla – kommt es seit 2004 immer wieder zu Konflikten zwischen malaiisch-moslemischen Rebellen und der mehrheitlich buddhistischen thailändischen Regierung.
Die gewalttätigen Übergriffe forderten bislang rund 7.000 Todesopfer, zumeist Zivilisten beider Glaubensrichtungen, und Sicherheitskräfte haben in der Vergangenheit immer wieder Personen ohne Haftbefehl festgenommen, die im Verdacht standen, separatistische Rebellen zu sein.
Jetzt verlangen Telekommunikationsunternehmen von allen Nutzern der 1,5 Millionen Mobilfunknummern der Region, dass sie ein Foto zum Zwecke der Gesichtserkennung machen müssen – ein Schritt, der Bürgerrechtsgruppen verärgert.
Wer sich weigert, kann ab 1. November nicht mehr telefonieren oder die SIM-Karte anderweitig benutzen.
Ein Militärsprecher verteidigte die Maßnahme und sagte, es sei notwendig, Täter zu identifizieren, die mit ihren Handys selbstgebaute Bomben zu zünden.
„In Fällen, in denen der Bombenleger eine SIM-Karte für die Explosion verwendet, können wir den Täter ausfindig machen“, sagte Oberst Watcharakorn Onngon, stellvertretender Sprecher der Armee im Süden.
Die Registrierung endet am 31. Oktober, und jeder, der sein Foto in den drei südlichen Unruheprovinzen und vier Bezirken der benachbarten Provinz Songkhla nicht einreicht, wird vom Handyempfang ausgeschlossen, sagte er. Wer aus anderen Landesteilen zu Besuch in den Süden fahre, müsse sich ebenfalls entsprechend registrieren. Anderenfalls man das Handy nicht benutzen kann.
Premierminister General Prayuth Chan-ocha, sagte, dass das Programm „Beweise“ dafür liefere, wer der wahre Besitzer jeder SIM-Karte sei. „Die Menschen im Süden beschweren sich nicht … sie wissen, dass es wirklich hilft, Gewalt einzuschränken“, sagte Prayuth.

SIM nur nach Gesichts-Scan
SIM nur nach Gesichts-Scan

Die moslemische Mehrheit im Süden und Bürgerrechtsgruppen haben den thailändischen Staat lange Zeit beschuldigt, die malaiisch-muselmanische Bevölkerung massiv zu kontrollieren und Razzien durchzuführen.
Die Verwendung einer solchen „fehlerhaften“ Gesichtserkennungstechnologie führt laut einer Erklärung der Bürgerrechtsgruppe Cross Cultural Foundation in der Regel zu „rassistischem Profiling“ und damit zu unrechtmäßigen Verhaftungen.
„Die Risiken der Rassendiskriminierung können das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Polizeiarbeit in der Region untergraben“, hieß es.

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