Sehenswürdigkeiten leiden unter Massentourismus

Sehenswürdigkeiten leiden unter Massentourismus

So wie es aussah, konnte man denken, dass der Weihnachtsmann auf dem Mount Everest in Nepal stand und Geschenke verteilte. Auf den Höhenlinien des Himalaja warteten unzählige internationale Trekker auf ihr hart verdientes und sehr teures Geschenk, überreicht von einem molligen, bärtigen Mann in einem leuchtend roten Anzug.
Tatsächlich standen sie aus einem bestimmten Grund in einer Reihe – es war Selfie-Zeit für diejenigen, die es bis zum Gipfel schafften. Der Mount Everest, in Tibet als Chomolungma bekannt, war einst einer der am meisten entlege-
nen und herausfordernden Orte der Welt und wurde Opfer einer Krankheit, die Asien infiziert hat: Massentourismus.
Bisher starben allein im Jahr 2019 elf Menschen bei dem Versuch, den Everest zu erklimmen. Die meisten von ihnen wollten dieses Selfie auf dem Gipfel – und die Selfies waren teils der Grund, weshalb es hier zu diesen Warteschlangen kam.
Asiens beliebte Reiseziele verlieren zunehmend an Bedeutung, da sie von einer Lawine von Billigfluglinien, Pauschalreisen, steigenden Besucherzahlen und Müllbergen heimgesucht werden.
Wie können asiatische Länder, die stark vom Tourismus abhängig sind, die Plage des Massentourismus vermeiden, bei dem praktisch alle Attraktionen, Städte und Flughäfen eines Landes von Horden internationaler Besucher überflutet werden, die Chaos, Umweltverschmutzung und eine insgesamt schlechtere Erfahrung für alle Beteiligten verursachen? Während die Washington Post kürzlich Amsterdam, Venedig, Barcelona und Paris zu „Aushängeschildern des Massentourismus“ kürte und 20 Weltstädte auf die Liste setzte, ist es Asiens Wildnis, die vor gleichen Problemen steht, die aber schwieriger zu lösen sind. Es fehlen schlichtweg die Ressourcen.
Gibt es etwas, das diejenigen, die eine Reise nach Asien in Betracht ziehen, tun können, um nicht zu diesem Problem beizutragen und gleichzeitig eine schöne Erfahrung zu machen? Die Antwort ist ein teilweises Ja. Der philippini-
sche Präsident Rodrigo Duterte schlug auf Boracay Island zu und sperrte eines der beliebtesten Reiseziele der Welt. Abwasserprobleme und Überfüllung waren einfach nicht mehr in den Griff zu bekommen.
Duterte ordnete an, den Strand zu sperren, bis die Probleme gelöst waren, und dann mit einem Programm zu beginnen, mit dem die Besucherzahlen begrenzt werden.
Maya Bay in Thailand, berühmt geworden durch den Film The Beach von Danny Boyle mit Leonardo DiCaprio, war derartig überlaufen, dass Touristenboote die Korallenriffe zerstörten und zu viele Touristen auf dem empfindlichen Ökosystem herumtrampelten. Die thailändischen Behörden sperrten den Strand erst drei Monate lang, dann auf unbestimmte Zeit, um das Ökosystem zu entlasten.
Viele der Meeres-Nationalparks Thailands sind von Mitte Mai bis Mitte Oktober geschlossen.
Ebenso sperrten die indonesischen Behörden die Komodo-Insel, die täglich unter dem Druck von 10.000 Touristen litt, was den berühmten Komodo-Waranen nicht gefiel.
Reiseveranstalter, Touristen und Projektentwickler müssen sich zurückziehen, sonst werden diese nationalen Schätze dauerhaft geschädigt.
Andere Gebiete haben nicht so viel Glück, zumindest noch nicht. In Nepal ist der Tourismus für die Wirtschaft des Landes so wichtig, dass es keine Pläne gibt, die Anzahl der Genehmigungen für Everest-Kletterer zu verringern.
Auf der indonesischen Insel Bali macht der Tourismus satte 80 Prozent der Wirtschaft aus. Jeder, der die Insel vor zehn Jahren besucht hat, wird sie heute nicht mehr wieder erkennen. Balis Strände sind derartig zugemüllt, dass sie in sehr schlechter Verfassung sind. Die Regierung ist so sehr auf Tourismuseinnahmen angewiesen, dass sie kaum mehr tun kann, als noch mehr Touristen unterzubringen.
Die Zahl der chinesischen Touristen in Kambodscha stieg in den ersten vier Monaten des Jahres 2019 um 37 Prozent, während sich die Zahl der Touristen, die Thailand besuchten, in acht Jahren auf mehr als 34 Millionen internationale Besucher verdoppelte.
Ein neuer Flughafen in Nord Vietnam in der Nähe der Halong-Bucht wird voraussichtlich eine spektakuläre landschaftliche Gegend, in der es bereits Massentourismus gibt, einer zusätzlichen Umweltbelastung aussetzen. Trotz Müll und Fäkalien in den berühmten Gewässern der Bucht soll der Flughafen den Tourismus ankurbeln. Phu Quoc Island und andere vietnamesische Reiseziele bereiten sich jetzt auf den Massentourismus vor, ein Großteil davon aus Südkorea.

Sehenswürdigkeiten leiden unter Massentourismus
Sehenswürdigkeiten leiden unter Massentourismus

Wie könnten Lösungen aussehen? Die Regierungen müssen Touristen zu Zielen mit höherem Wert und geringerem Volumen umlenken, zur Nachhaltigkeit beitragen und Reisende dazu zu bewegen, Orte wie Angkor Wat oder Bali in der Nebensaison zu besuchen, wenn die Touristenzahlen niedrig sind. Wenn sich am Himmel dunkle Gewitterwolken abzeichnen, gibt das der Szenerie durchaus ein besonderes Ambiente. Die Regierungen müssen versuchen, sich nicht mehr auf Quantität zu konzentrieren.

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