Salz hat eine dunkle Seite

Salz hat eine dunkle Seite

Die Fernsehmoderatorin und Schauspielerin Deejai Dedede erinnerte sich an ihre glückliche Kindheit, als ihr die Großmutter erlaubte, so viele Snacks zu essen, wie sie nur wollte.
Weil ihre Familie einen Tante-Emma-Laden führte, konnte sie problemlos bis zu 20 Schokoriegel pro Tag essen.
Es war daher nichts Außergewöhnliches, wenn den ganzen Tag ihre Hände ölig waren oder salzig oder durch Zucker und Schokolade oder künstliche Geschmacksverstärker verklebt.
„Das Essen machte mir Freude“, sagte Deejai. „Ich wusste aber nicht, dass ich Gift aß.“
Mit 52 wurde Deejai ernsthaft krank. Ihre Nieren funktionieren nur noch zu 16 Prozent. Medizinische gesehen ist sie am Ende: Es ist das letzte Stadium chronischen Nierenversagens.
Ihr Zustand wurde durch exzessiven Salzkonsum hervorgerufen. In thailändischem Essen und in Snacks ist Salz einer der Grundstoffe.
Traurig ist, dass Tausende von Thais, sowohl Kinder als auch Erwachsene, nicht wissen, dass sie sich demselben Risiko aussetzen.

Schlechte Aussichten

„Jedes Jahr steigt die Rate von Thais, die Nierenprobleme haben, um 15 Prozent, sagte, Wiwat Rojanapithayakorn, Direktor des Zentrums für Gesundheitsmaßnahmen und Management an der Fakultät für Medizin im Ramathibodi Hospital.
Tatsächlich sei es so, dass Fehlfunktionen der Nieren schnell eine der Haupttodesursachen in Thailand werde. Nicht übertragbaren Erkrankungen (NCD) kosteten das Land bis zu 99 Milliarden Baht jährlich, fügte er hinzu.
„Jede Stunde sterben bis zu 37 Leute an einer nicht übertragbaren Erkrankung“, sagte Wiwat, der meinte, Thailand sei in Asien das Land mit den größten Problemen, die auf NCD zurückzuführen seien.
Der exzessive Konsum von Salz fordert jedes Jahr über 20.000 Menschenleben in Thailand. Sei es durch Nierenversagen, sei es durch Herz- oder Schlaganfälle oder hohen Blutdruck, sagte, Renu Garg von der Weltgesundheitsorganisation WHO.
Die WHO schlägt als Grenzwert 2.000 Milligramm Salz pro Tag vor. Die meisten Thais nehmen in der Regel täglich mehr zu sich.

Eine Frage der Esskultur

Dass thailändische Speisen gesund sind, scheint inzwischen in das Reich der Legenden zu gehören. Entweder ist das Essen zu süß – oder es ist zu salzig.
„Beliebte thailändische Zutaten wie kapi (Garnelenpaste), bpla ra (fermentierter Fisch) und budu (Fischsoße) beinhalten hohe Konzentrationen von Salz“, sagte der Vorsitzende des Netzwerkes Thai Low Salt, Surasak Kantachuvesiri, der eine Studie der Mahidol Universität über Ernährung zitierte.
Thailändische Köche benutzen seit Jahrhunderten Salz, um Lebensmittel haltbar zu machen. In Deutschland nennt man das Pökeln. Früher war ein zu hoher Salzkonsum kein Thema, weil die Leute viel Obst aßen und einer körperlichen Arbeit nachgingen. Wenn man schwitzt, hat man einen erhöhten Salzbedarf.
Jetzt allerdings arbeiten die meisten Leute in klimatisierten Gebäuden. Dank moderner Zeiten sitzen sie häufig oder sie müssen nicht mehr schwer körperlich arbeiten und schwitzen daher nicht mehr so viel.
Wer sich nicht genügend bewegt oder Sport macht, kann daher die Aufnahme von Salz nicht ausgleichen, das in Grundnahrungsmitteln oder in Snacks zu finden ist.
„Fertignudeln (Mama), Reisbrei (Jok) und andere Nahrungsmittel und Snacks könnten bis zum Dreifachen des empfohlenen täglichen Bedarfs enthalten“, sagte Surasak.
Im modernen Leben ist es seiner Meinung nach fast unausweichlich, dass man zu viel Salz aufnimmt.
„Stellen Sie sich nur arbeitende Eltern vor, die keine Zeit haben, Frühstück zu machen“, sagte Surasak. „Sie kaufen für ihre Kinder einfach Instant-Reisbrei, damit sie pünktlich in die Schule kommen.

Suche nach einer Lösung

Gesundheitsexperten versuchen auf verschiedene Weise, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf das Problem der zu hohen Salzaufnahme zu lenken. Es gibt Kampagnen, aber auch eine geplante Salzsteuer.
Die erkrankte Deejai glaubt, es müsse noch mehr getan werden, um Leute darüber zu informieren.
„Kinder sind besonders gefährdet“, sagte sie. „Eltern und Lehrer müssen ihnen beibringen, welche Gesundheitsrisiken sie erwartet und sie schützen.“
Die Stiftung Health Promotion leistet ihren Teil, indem sie Leuten rät, die Salzaufnahme zu reduzieren und Fertiggerichte zu vermeiden.
Das Ziel ist es, bis 2025 den Salzkonsum der Thais um 30 Prozent zu senken. Das ist aber schwierig.
Drei große Nudelhersteller wurden gebeten, das Salz in ihren Fertigprodukten zu reduzieren. Das fiel nicht auf fruchtbaren Boden. Vermutlich schmecken die Produkte dann nicht mehr so gut.
Ein anderer Schritt wäre eine Salzsteuer. Aber auch hier gibt es Gegner. Vor allem der Verband thailändischer Industriebetriebe (FTI) ist dagegen. Die Wettbewerbsfähigkeit könnte durch eine solche Steuer gefährdet werden, lautet die Begründung.
„Salz ist eine persönliche Wahl“, sagte Wisit Limluecha vom FTI. Er fügte hinzu: „Eine Salzsteuer würde daran nichts ändern.“

Ähnliche Beiträge