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Red Bull und die Panama Papers

Red Bull und die Panama Papers

Die Bangkoker Milliardärsfamilie, Mitbegründerin von Red Bull, dem führenden Energiedrink in der Welt, nutzen Briefkastenfirmen, mit denen Jets und Luxusimmobilien angeschafft werden, dazu gehört auch ein Haus in London, in dem der Red-Bull-Erbe zuletzt gesehen wurde.

Die Yoovidhya-Familie versucht ihr Vermögen zu verstecken. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie Weltkonzerne üblicherweise – und normalerweise ganz legal – Milliarden Dollar verschieben, um Steuern zu sparen.

Die geheimen finanziellen Machenschaften der Familie wurden unbeabsichtigt vom Jet-Set-Sohn Vorayuth „Boss“ Yoovidhya aufgedeckt. Der erschien trotz Vorladungen nicht vor Gericht, nachdem er mit seinem Ferrari auf der Bangkoker Sukhumvit Road unter Alkohol- und Drogeneinfluss mit überhöhter Geschwindigkeit einen Polizisten totgefahren und Fahrerflucht begangen hatte.
Über 120 Instagram- und Facebook-Postings von Freunden und Familie führten die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) zu Vorayuths Haus in London. Der Erbe wollte keine Stellung nehmen. Für die thailändischen Behörden überraschend war, dass Vorayuth sich in dieser Zeit auch oft in Thailand aufhielt. Er war keinesfalls untergetaucht, wie manche annahmen.

Die thailändischen Behörden erklärten seinen Pass für ungültig, ließen einen Haftbefehl ausstellen und sagten dann, nachdem es Probleme mit der Übersetzung des Auslieferungsersuchens gegeben hatte, dass man nicht wisse, wo er sei.

Jetzt haben die Ermittlungen über Vorayuths Aufenthaltsort zu den Panama Papers geführt, eine Sammlung von elf Millionen Geheimdokumenten, die illustrieren, wie die reichsten Familien der Welt ihr Geld verstecken. Die Familie Yoovidhya wird ebenfalls in diesen Dokumenten erwähnt.

Die Panama Papers wurden zunächst von der Süddeutschen Zeitung geleakt und mit einem internationalen Journalistenkonsortium geteilt, die nach und nach Auszüge aus diesen Papieren veröffentlichten. Reiche und mächtige in 70 Ländern sahen sich plötzlich mit unangenehmen Fragen konfrontiert.
Einigen Politikern ging es an den Kragen, wie beispielsweise dem Premierminister von Island oder Pakistans Regierungschef. Es wird geschätzt, dass 135 Milliarden Dollar in fast 400 Firmen versteckt wurden, und Regierungen und die Europäische Kommission begannen, gegen die Steueroasen vorzugehen.

Der Bericht über die Panama Papers erhielt 2017 den Pulitzer-Preis.

Die Gründer der panamesischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, denen die geleakten Dokumente gehören, wurde Anfang des Jahres wegen Geldwäsche belangt.

Das Netzwerk bezüglich Briefkastenfirmen der Yoovidhya-Familie wurde von Mossack Fonseca eingerichtet. Es war so komplex, dass es bis jetzt möglich war, den Familiennamen und den Markennamen Red Bull aus dem Rampenlicht herauszuhalten. Doch die Panama Papers, die AP vorliegen, zeigen, dass die Familie in den letzten 20 Jahren mindestens ein halbes Dutzend Briefkastenfirmen in Steueroasen gegründet hat.

Die Yoovidhyas, denen Red Bull zusammen mit dem Österreicher Dietrich Mateschitz gehört, ließen die Bitte um eine Stellungnahme, die per Fax, per Telefon und per Boten übermittelt wurde, unbeantwortet. Red Bull teilte in einem Statement mit, dass Vorayuths juristische Lage Red Bull nichts anginge, da dies nur die Yoovidhya-Familie betreffe. Ein Sprecher sagte auch, dass Red Bull, eine Privatfirma, öffentlich keine Stellungnahme zu finanziellen oder kommerziellen Angelegenheiten abgibt.

Experten stimmen darin überein, dass in der ganzen Welt mit Hilfe von Briefkastenfirmen in Steueroasen Gelder in Sicherheit gebracht werden, um Steuern zu sparen. Auch reiche thailändische Familien greifen zu dieser Methode.
Es gibt keine Hinweise, dass die Yoovidhya-Familie Steuergesetze oder andere Gesetze verletzt hat. Doch die Firmenkonstrukte könnten dazu dienen, Steuern zu hinterziehen oder Geld zu waschen.
Nachdem Vorayuths Anwalt zum wiederholten Male erklärt hatte, dass sein Klient trotz Vorladung nicht bei der Polizei oder vor Gericht erscheinen könne, weil er dringenden Geschäften in Großbritannien nachginge, fing ein AP-Journalist den Red-Bull-Erben vor seiner Tür in London ab.

Was sind das für dringende Geschäfte in Großbritannien, Boss? Was machen Sie hier? Gehen Sie nach Thailand, um bei der Staatsanwaltschaft vorzusprechen?
Vorayuth lächelte schmal und gab keine Antwort. Stunden später eilten er und seine Eltern mit Koffern aus dem Haus, in dem der Clan seit Jahren Familienfeiern abgehalten hatte. Das war im April, das letzte Mal, dass Vorayuth in der Öffentlichkeit gesehen wurde.
Das fünfstöckige Haus ist die Wohnadresse von Vorayuths Vater, Chalerm Yoovidhya. Er überschrieb das Haus 2002 der Thai Siam Winery Ltd. Diese Firma benutzte Vorayuths Mutter, Daranee Yoovidhya, um 2006 eine Lebensmittelunternehmen zu gründen.

Doch die jetzige Eigentümerin des Hauses, und mindestens vier weiterer Luxusimmobilien in London, ist nicht die Yoovidhya-Familie, sondern die Karnforth Investments Ltd, eine Firma auf den Britischen Jungferninseln. Das jedenfalls steht in den Panama Papers.

Auch wenn die Yoovidhyas und Mateschitz gemeinschaftlich Red Bull besitzen, so ist der Hauptanteilseigner die Firma Jerrard Company Ltd. Firmensitz: Britische Jungferninseln.
Letztes Jahr teilte die thailändische Anti-Geldwäschebehörde (Amlo) mit, man ermittle wegen der Panama Papers gegen ein Dutzend Personen. Jetzige und ehemalige Politiker und Geschäftsleute sind darunter. Bis jetzt hat Amlo aber keine weitere Stellungnahme abgegeben und wollte Frage von AP nicht beantworten.

Leute machen das, um Korruptionsgelder zu verstecken“, sagte Juraprofessor Viraphong Boonyobhas von der Chulalongkorn Universität, der sich mit Verbrechen in der Geschäftswelt beschäftigt und an einer Geldwäschedatenbank arbeitet.
Viraphon wollte nicht direkt über die Yoovidha-Familie oder irgendwelche anderen thailändischen Personen oder Firmen sprechen. Er meinte, er fürchte um seine juristische Sicherheit und körperliche Unversehrtheit, fügte aber hinzu, dass seine Erwartungshaltung gering sei, was Verantwortung und Haftung unter der Militärregierung anbelange.

Thailändische Behörden haben geschworen, die Korruption zu bekämpfen, aber „reiche Menschen in Thailand sind einflussreiche Menschen“, sagte Viraphong. „Vielleicht kann der Staat so komplizierte Netzwerke nicht entwirren.
Außerdem gibt es in Thailand viele Schlupflöcher, sagte Rechtsexpertin Sumaporn Manason vom Finanzministerium.
Das Land hat keine Rahmenbedingungen, die internationalen Standards genügen, wenn es um Geldwäsche und die Finanzierung von Terrorismus geht, sagte sie. Und das Umgehen von Steuern, das bedeutet, dass Geld anonym auf Konten in Übersee versteckt wird, ist legal und üblich. „Hier heißt das Steuerplanung“, sagte sie.

Das Resultat sei, dass Thailand Steuereinnahmen fehlen, die so dringend für Brücken, Straßen oder Schulen gebraucht werden.
1987 ging Vorayuths verstorbener Großvater, Chaleo Yoovidhya, mit seiner Firma T.C Pharma eine Partnerschaft mit Mateschitz ein. Beide investierten 500.000 Dollar, um den in Thailand beliebten Energiedrink Krathin Daeng international zu vermarkten. Noch im selben Jahr wurde der Drink unter dem Name Red Bull international, inzwischen wird er in 170 Ländern verkauft. Red Bull sponsert Extremsportarten, die Formel 1 und Flugzeugrennen. Letztes Jahr machte die Firma sechs Milliarden Dollar Gewinn.

Vorayuths Ferrari-Unfall im Jahr 2012, bei dem er Polizeisergeant Wichean Glanprasert, der mit seinem Motorrad unterwegs war, überfuhr, mitschleifte, bis dieser starb, und sich dann unerlaubt vom Unfallort entfernte, lässt Fragen nach Vorayuths Straffreiheit aufkommen und welche Auswirkungen das auf die Marke Red Bull in der Welt haben könnte.
Seit über vier Jahren kommt Vorayuth Vorladungen von Polizei und Staatsanwaltschaft nicht nach. Neben des unerlaubten Entfernens vom Unfallort wird ihm Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit, Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässige Tötung vorgeworfen. Der Vorwurf, unter Alkohol- und Drogeneinfluss gefahren zu sein, verschwand sehr schnell aus den Akten, der Vorwurf des Fahrens mit überhöhter Geschwindigkeit ist zwischenzeitlich verjährt. Der Vorwurf der Fahrerflucht verjährt in diesem Monat, wenn Vorayuth nicht bei den Behörden vorspricht.

Verwöhntes Red-Bull-Söhnchen“, hieß es in einer Überschrift der Toronto Sun. Time meinte: „Es schein, dass man in Thailand mit Geld alles kaufen kann, auch das Justizsystem.
Die Polizei erklärte, Vorayuth bestreitet den Vorwurf der Gefährdung des Straßenverkehrs. Der Polizist habe die Spur gewechselt und ihn geschnitten.
Gegen Vorayuth wurde erst Haftbefehl ausgestellt, nachdem AP den Bericht über Vorayuths Jet-Set-Leben und seine Aufenthaltsorte veröffentlichte. Er war bei Formel-1-Rennen dabei, machte in Japan Skiurlaub, fuhr zu Traumstränden in aller Welt und verbrachte seine Zeit in Luxusresorts – auch in Thailand.

Der Haftbefehl hat seinen Lebensstil vielleicht beeinträchtigt, seitdem wurde er jedenfalls nicht mehr bei Formel-1-Rennen gesehen, und Familie und Freunde posten in sozialen Netzwerken keine gemeinsamen Erinnerungsbilder mehr.
Sehr unangenehm dürfte für die öffentlichkeitsscheue Familie aber sein, dass jetzt die Vermögensverhältnisse anhand der Panama Papers hinterfragt werden. Auch wenn das Geschäftsgebaren nicht illegal ist, so bleibt ein Nachgeschmack.

Ronen Palan von der City University London, der sich mit den Vermögensverhältnissen reicher Familien in Steueroasen beschäftigt, sagte: „Das alles riecht nach dem Versuch, Steuerzahlungen zu umgehen. Mindestens.

Beitragsquelle : https://apnews.com/54831570be794ea790b61432b0c3e6a4/Fugitive's-trail-exposes-Red-Bull-co-owners'-offshore-deals?utm_campaign=SocialFlow&utm_source=Twitter&utm_medium=AP

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