Neue Welle der Gewalt

Neue Welle der Gewalt

Der Versuch, die Separatisten im Süden Thailands von humanitären Prinzipien zu überzeugen, hat offenbar nicht richtig funktioniert. Die jüngere Generation der Kämpfer stellt die Vorteile dieser Prinzipien in Frage. Eine neue Welle der Gewalt erschüttert den Süden.

Laut politischen Aktivisten scheint eine größere Anzahl von jungen Separatisten mehr daran interessiert zu sein, den thailändischen Sicherheitsapparat bloßzustellen und glaubt, dass der Angriff von nichtmilitärischen Zielen ein effektiver Weg wäre, dies in die Tat umzusetzen. Die Separatisten schworen auch, „legitime“ militärische Ziele zu treffen, doch mit vermehrter Intensität versuchen sie, psychologischen Schaden anzurichten.

Die Mehrheit der Freiheitskämpfer verstehen, dass man sich in dem Konflikt an zivilisierte Normen halten sollte, doch die wenigen Hardliner, die auf Brutalität aus sind, scheinen immer mehr Einfluss zu gewinnen.

Die Kämpfer in den südlichen Provinzen operieren im Verband der Barisan Revolusi Nasional (BRN), doch wer diese Bewegung kontrolliert, ist nicht starr festgelegt.

Beispielsweise werden die Entscheidungen über einen Angriff auf Ebene von Zellen getroffen, die nur über unbedingt notwendigen Informationen verfügen. Zeitgleiche Angriffe benötigen natürlich die Koordination einer höheren Ebene bzw. mehrerer Zellen, aber diese sind selten.

Die Grundregel besagt, dass religiöse Personen, Frauen und Kinder nicht angegriffen werden dürfen. Doch nichts ist in Stein gemeißelt. Es gibt keine schriftliche Grundlage einer Regelung zwischen Sicherheitskräften und Rebellen.

Anfang des Jahres wurde eine Reihe von „weichen Zielen“ angegriffen. Das löste eine Diskussion darüber aus, ob der Angriff auf nicht-militärische Ziele eine neue Normalität darstellen könnte. Im Januar wurden vier Wachmänner in einer Schule erschossen. Ein pensionierter Lehrer wurde vor seinem Haus in Songkhla gehängt und sein Fahrzeug für eine Autobombe benutzt. Zwei buddhistische Mönche wurden mit Schüssen in Narathiwat ermordet.

Aktivisten vermuten, dass das Nichtvorhandenseins eines bedeutenden Dialogs zwischen Regierung und Interessengruppen, dazu gehört auch die BRN, teilweise für diese neue Brutalität bei Angriffen verantwortlich zu machen ist. Wenn die beiden Seiten kommunizieren könnten, wäre es vielleicht möglich, dass sei sich zumindest auf gewisse Regeln einigen, meinen Aktivisten.

Stattdessen ist die thailändische Regierung zu sehr damit beschäftigt, die Moral hoch zu halten und ignoriert dabei Themen wie das Humanitäre Völkerrecht (IHL), das einen gewissen Grad an Zivilisiertheit und Voraussagefähigkeit in diesen Konflikt bringen könnte.

Tatsächlich glauben einige Offiziere im Süden, dass die Einführung des IHL den separatistischen Konflikt legitimieren könnte. Mit dieser Legitimität könnten sich Mitglieder der internationalen Gemeinschaft in den Konflikt einmischen, den Thailand als eine innere Angelegenheit bezeichnet. Das jedenfalls behauptete mehrere Militäroffiziere.

Neben einer fruchtbaren Kommunikation zwischen Bangkok und der BRN-Führung könnte mehr getan werden, um den Anführern dieser Bewegung zu verstehen zu geben, wie internationale Normen und humanitäre Prinzipien aussehen.

BRN-Zellen sagten, ihre Anführer wollten sich nicht zu erkennen geben, weil die Atmosphäre nicht reif für konstruktive Gespräche sei. Sie verweisen auf die andauernde politische Krise, den Mangel an Einheit und der Kontinuität auf thailändischer Seite und das Fehlen von juristischem und politischem Schutz, Rebellen einen „sicheren Hafen“ zu gewähren.

Die BRN glaubt, dass die internationale Gemeinschaft ihr diese Sicherheit gewährleisten könnte, doch Bangkok ist daran nicht interessiert und hat niemals erlaubt, dass sich Ausländer einmischen bzw. – mit Ausnahme Malaysias – als Mediator fungieren.

Was die BRN betrifft, so sind deren Anführer zudem erheblich verbittert. In einem Statement, das Mitte März zum 60. Jahrestag der Gründung der BRN veröffentlicht wurde, sagten die Anführer, ihre historische Heimat Pattani sei von der Welt im Stich gelassen worden, das Leiden der Menschen werde ignoriert.

Historischer Hintergrund

Die Aufstände im Süden erreichten Anfang der 60er Jahre einen ersten Höhepunkt. Anfang der 80er Jahre ging die Anzahl der Anschläge wieder zurück. Eine neue Generation von Separatisten wuchs heran, die ab 2001 wieder zuschlugen. Der Konflikt intensivierte sich erheblich, als Aufständische am 4. Januar 2004 ein Armeecamp überfielen und Waffen stahlen. Seitdem ist der Süden kaum zur Ruhe gekommen.

Während die Separatisten in der Regel ethnisch-nationalistische Motive haben, sind ihnen allerdings auch radikale Ideen nicht fremd. So gab es vor zehn Jahren eine Diskussion unter den Aufständischen, ob man die „legitimen Ziele“ nicht ausdehnen sollte.

Diese Periode in den Jahren 2006 und 2007 wurde durch einen Anstieg der Brutalität gekennzeichnet. Ständig gab es Anschläge. Thailändische Soldaten, aber nicht nur Soldaten, wurden geköpft, kastriert, angezündet. Es gab 140 Brandanschläge auf Schulen, viele von ihnen brannten bis auf die Grundmauern nieder.

Doch diese brutalen Anschläge endeten im Jahr darauf, nachdem lokale Aktivisten und Kleriker sich gegen diese hinterhältigen Angriffe aussprachen, islamisches Recht zitierten und islamische Prinzipien als Richtlinie vorgaben. Separatistische Militante gaben zu, dass sie die Unterstützung der Öffentlichkeit verloren, wenn sie derartig brutal vorgingen.

Heute ist es allerdings so, dass eine junge und ungeduldige Generation von Freiheitskämpfern eher nicht auf den Rat von Dorfbewohnern oder Geistlichen hören will. Da existiert eine gefährliche Frustration über den Status Quo, und die Separatisten sehen keine Nachteile darin, wenn sie brutal vorgehen und die Situation auf diese Weise verschärfen.
Alte Traditionen und Restriktionen, die einst halfen, inoffizielle Regeln zu schaffen, könnten sich jetzt ins Gegenteil verkehren und den Weg für brutalere Taktiken frei machen.

Beitragsquelle : https://forum.thaivisa.com/topic/1094739-a-new-and-brutal-wave-of-insurgency-looms-in-the-deep-south/

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