Mit den Löschtrupps unterwegs

Mit den Löschtrupps unterwegs

Männer in roten Uniformen schlängeln sich durch den brennenden Wald. Sie gehen hintereinander und suchen die Quelle des wilden Feuers, das auf einem großen Teil des Hügels wütet. Der liegt im Bezirk Samoeng im westlichen Teil der Provinz Chiang Mai. Der Norden Thailands galt wochenlang als die Region der Erde mit der schlechtesten Luft.

„Es ist schlimmer als in den letzten Jahren, denn der Brennstofftrockenes Laub und vertrocknete Pflanzen – haben sich über die letzten paar Jahre ohne abzubrennen angesammelt. Dieses Jahr ist sehr trocken. Es gibt keinen Regen und nur wenig Feuchtigkeit. Wenn ein Brand ausbricht, ist er daher schwieriger unter Kontrolle zu bringen“, sagte Amphon Kanchan von der Feuerwehr Khun Kan-Samoeng.

Über zwei Monate lang waren die Löschtrupps in vorderster Front bei der Schlacht um die brennenden Wälder in der bergigen Provinz, in der die Luft auch noch im Mai als „gefährlich“ eingestuft wurde. Die Luft ist jedes Jahr so stark verschmutzt. Hauptsächlich liegt das daran, dass die Farmer vor der Aussaat ihre Felder abbrennen.

„Samoeng ist ein sehr schwieriges Gebiet. Das Terrain ist hoch, steil und voller steiniger Klippen. Manchmal müssen wir Holzstöcke nehmen und sie in den Boden rammen, damit wir uns an ihnen den Hügel hinaufhangeln können“, sagte Amphon.

Jeden Tag fährt der Feuerwehrmann um sechs Uhr morgens zu unterschiedlichen Brandherden. Normalerweise ist die Arbeit um 22 Uhr beendet. Aber manchmal dauert sie bis nach Mitternacht – oft ohne Essenspause.

„Wenn wir die Arbeit nicht beenden, können wir nicht zurück nach unten gehen“, sagte er.

Zwischen Anfang Januar und Anfang April wurden fast 6.500 Brandherde in neun Provinzen im Norden Thailands gemeldet. Daten der Geo- und Weltraumtechnologiebehörde zeigen, dass es in Chiang Mai die meisten Brandherde gab (1.299), gefolgt von Mae Hong Son (1.174), Nan (975), Lampang (798), Tak (644), Chiang Rai (554), Phrae (379), Phayao (341) und Lamphun (282).

Diese Brandherde führten zu der Smogkatastrophe, wegen der Premierminister General Prayuth Chan-ocha nach Chiang Mai flog, um sich ein Bild von der Situation zu machen.

„Ich möchte, dass sich alle bemühen, dieses Problem innerhalb von sieben Tagen zu lösen“, sagte er.

Der Feinstaub ist mit die tödlichste Form der Luftverschmutzung, weil die kleinen Partikel tief in die Lungen eindringen können. Dort können sie sich für lange Zeit einlagern oder sie kommen ungefiltert in den Blutkreislauf. Wenn man länger diesem Feinstaub ausgesetzt ist, kann es zu Herz- und Kreislauferkrankungen, zu Atemwegserkrankungen und zu Krebs kommen.

In der Luft von Chiang Mai befinden sich unzählige dieser Partikel, doch nur eine Handvoll Einwohner ist sich im Klaren darüber, welche Gefahr sie darstellen.

„Ich trage keine Atemmaske, denn damit kann ich nicht richtig atmen“, sagte Urai Khiewmoon aus Chiang Mai. „Gesundheitsprobleme habe ich aber nicht.“

Statt eine Maske zu tragen, bleibt Urai lieber in geschlossenen Räumen, wenn die Luft besonders schlecht wird. Und so handhaben es auch ihre Nachbarn – Senioren, Eltern und Kleinkinder.

Doch selbst wenn die kleinen Feinstaubpartikelchen nicht mit bloßem Auge gesehen werden können, und gerade das ist das Gefährliche an ihnen, so sind sie eine tödliche Gefahr. Das ist keine Übertreibung. In der Masse kann man sie nämlich doch sehen: als Smog. An Tagen mit besonders verdreckter Luft hat man das Gefühl, bald die Hand nicht vor Augen sehen zu können und zu ersticken. Der Geruch der brennenden Wälder kommt hinzu, der ständig in der Luft hängt. Wenn man sich längere Zeit draußen aufhält, kann das milde formuliert als ungemütlich beschrieben werden. Womöglich drohen gesundheitliche Folgen.

Eine gefährliche Arbeit ohne Schutz

Auf den brennenden Hügeln hat sich das Löschteam in zwei Gruppen aufgeteilt. Sie versuchen, die Flammen aus zwei verschiedenen Richtungen unter Kontrolle zu bekommen. Sie benutzen nur wenig Wasser, denn die meisten Abschnitte auf dem Hügel können nicht mit Feuerwehrwagen erreicht werden. Stattdessen benutzen sie Bambusbesen, um trockene Blätter und Gräser zusammenzukehren und vor den Flammen in Sicherheit zu bringen. Das ist der „Treibstoff“, auf den das Feuer angewiesen ist. Gibt es keinen, geht das Feuer aus.

Falls das Feuer drei Meter hoch ist, muss der Graben ohne Treibstoff mindestens acht Meter breit sein, erklärte Amphon. Dieser Prozess muss nach und nach von den Löschteams in Angriff genommen werden. Ein Trupp besteht in der Regel auf 15 Leuten.

„Wenn der erste Feuerwehrmann den Treibstoff vom Feuer getrennt hat, kommt der zweite, der den Graben verbreitert. Dann der dritte und vierte, die ihn noch mehr verbreitern. Der fünfte und sechste sind dafür verantwortlich, dass kein Ast, kein Blatt zurückbleibt.

Wir können nicht sofort den Treibstoff von den Flammen trennen. Sonst würden die Flammen einfach über den Graben springen.“

Von morgens bis abends arbeiten die Feuerwehrleute in unglaublicher Hitze auf steilem und gefährlichem Terrain. Doch trotz dieser riskanten Tätigkeit sind sie kaum geschützt. In Chiang Mai tragen Amphon und seine Männer langärmelige Hemden, einfache Hosen und Stiefel. Feuerfeste Kleidung ist das nicht.

„Die Stiefel schützen unsere Knöchel, aber sie helfen uns nicht, auf steilem Terrain das Gleichgewicht zu halten. Es ist rutschig“, sagte er.
„Wir tragen sie und haben Wasser bei uns. Wenn sie Feuer fangen, schütten wir Wasser auf sie, um sie zu kühlen. Manchmal brennen unsere Stiefel.“

Waldbrände und Smog sind ein Problem, dass im Norden Thailands zwischen Januar und April jedes Jahr auftritt. Erst im Mai entspannt sich die Lage langsam wieder. Dieses Jahr war die Lage besonders dramatisch, auch noch während Songkran, dem thailändischen Neujahrsfest, das zwischen dem 13. und 15. April gefeiert wird.

Zu diesen Festivitäten kommen normalerweise viele Touristen nach Chiang Mai. Doch laut thailändischer Tourismusbehörde TAT hatten in diesem Jahr mindestens fünf Prozent der Touristen wegen der toxischen Luft ihre Buchungen storniert oder ihre Reise in den Norden verschoben.

Auch nach Songkran kämpften die Feuerwehrleute gegen die Brände. Rund um die Uhr versuchten sie, die Flammen zu löschen, damit die Luft sauberer wird und die Einwohner nicht mehr unter der schlechten Luft leiden mussten.

„Ich habe mit der Arbeit nicht aufgehört oder bin nach Hause gegangen. Ich arbeite jeden Tag“, sagte Amphon, bevor er sich umdrehte und wieder gegen die unnachgiebigen Flammen ankämpfte.

Beitragsquelle : https://www.channelnewsasia.com/news/asia/thailand-chiang-mai-fire-worlds-worst-air-pollution-11417294?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter

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