Merkwürdige Traditionen

Merkwürdige Traditionen

Deutschen wird es kaum auffallen, dass es einige Traditionen in Deutschland gibt, die mitunter recht merkwürdig anmuten. Oft merkt man das erst, wenn man die Dinge vom Standpunkt eines Ausländers aus betrachtet. Es folgt ein kleiner Leitfaden für Ausländer. Wenn man den Text als Deutscher liest, ist er noch viel erhellender.
In ein neues Land zu ziehen und sich anzupassen, ist keine leichte Aufgabe. Und in Deutschland scheint ein Fauxpas an jeder Ecke zu lauern, wenn man sich das einmal genauer ansieht.

Augenkontakt

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Sie kommen am Freitagabend in die Kneipe und der Barkeeper hat Ihnen ein köstliches Weizenbier auf den Tisch gestellt. Kurz bevor Sie einen Schluck nehmen, hebt Ihr Freund sein Glas und sagt „Prost.“ Sie erwidern mit „Prost“ und …
Einen Moment mal: Haben Sie vor lauter Trinkfreuden den Augenkontakt vergessen, als die Biergläser klirrten? Wenn ja, haben Sie gerade einen massiven Fauxpas begangen. In Deutschland ist Augenkontakt beim Anstoßen unerlässlich. Dass beim Trinken der Trinkarm zwingend im rechten Winkel angehoben werden muss, gehört dagegen wohl ins Reich der Legenden.

Geburtstag

Wenn ein Kollege am Wochenende Geburtstag hat oder Sie in den Urlaub fahren und sich nicht sehen, ist es verlockend zu sagen: „Alles Gute zum Geburtstag, wenn es soweit ist.“ Aber machen Sie das bloß nicht in Deutschland.
In Deutschland bringt es Pech, jemandem vor dem Geburtstag alles Gute zum Geburtstag zu wünschen. Dies ist auch dann der Fall, wenn Sie es nur einen Tag oder ein paar Minuten zu früh sagen.
Die Deutschen stehen in der Tradition des „Reinfeierns“ ziemlich weit oben in der Weltrangliste und „feiern“ buchstäblich in den Geburtstag hinein. Hier versammeln sich die Gäste am Vorabend des großen Tages und wünschen der Person alles Gute zum Geburtstag, und zwar in total klischeehafter deutscher Weise, nämlich genau dann, wenn die Uhr Mitternacht schlägt.

Kuchen

Erinnern Sie sich, wie es in Ihrem früheren Land war, als Sie zu Ihrem Geburtstag etwas bekamen? Ihre Freunde gaben Ihnen ein Getränk aus oder Ihre Kollegen überraschten Sie mit einem süßen Snack oder einem Kuchen. Nun, in Deutschland ist es umgekehrt – von Ihnen wird erwartet, dass Sie alle anderen bedienen.
In der Kneipe bestünde beispielsweise die Möglichkeit, dass Sie Ihren Freunden einen ausgeben. Ja, von Ihnen wird nicht nur das erwartet, sondern auch, dass Sie den Kuchen oder das Dessert mitbringen. Auf der Arbeit ist es oft die Regel, etwas für Ihre Kollegen vorzubereiten, sei es ein hausgemachter Kuchen oder einfach ein Leckerbissen aus der Bäckerei.
Das kann zu kulturellen Missverständnissen führen. Woanders ist es doch normalerweise so, dass das Geburtstagskind verwöhnt wird, und es mutet für Nicht-Deutsche seltsam an, am Geburtstag für alle anderen zu bezahlen.
Aber das Gute ist, dass Sie sich nach Ihrem Geburtstag den Schweiß von der Stirn wischen, aufatmen und daran denken können, dass Sie in ein paar Wochen ein gutes Stück Käsekuchen bekommen, wenn die Kollegin die dritte Wiederkehr ihres 39. Geburtstages feiert.

Badehose

Ausländer lieben es, über die Nacktkultur Deutschlands zu debattieren, wahrscheinlich, weil sie sich stark von der in den Heimatländern unterscheidet.
Zum Beispiel wird das Tragen eines Badeanzugs oder einer Badehose in einer Sauna oder einem Dampfbad in Deutschland als unhygienisch angesehen. In anderen Ländern wird es jedoch als unhygienisch empfunden, in einem Spa nackt zu sein. Es ist wirklich verwirrend.
Vergessen Sie niemals, dass Deutschland das FKK-Land ist, einer informellen Bewegung, die sich in Freikörperkultur sonnt.
Deutschland toleriert und liebt es, „textilfrei“ zu sein. Ob es sich um Spas und Wellnessresorts oder Parks und Seen des Landes handelt, viele Menschen haben keine Bedenken, sich auszuziehen.
Das ist der Grund, warum Sie wahrscheinlich missbilligende Blicke bekommen (oder Schlimmeres), wenn Sie in einem Spa oder einem ausgewiesenen FKK-Bereich Kleidung tragen.
Eines sollten Sie sich merken: Wenn Sie einmal von einem Deutschen angeschrien wurden, weil Sie nicht nackt waren, werden Sie so etwas nie wieder tun.

Radweg

Vielleicht ist das Thema nur für diejenigen interessant, die nicht so sehr an die Fahrradinfrastruktur gewöhnt sind. In den Großstädten muss man wirklich zu jedem Zeitpunkt in alle Richtungen schauen, wenn man Fußgänger ist. Das liegt daran, dass es spezielle Fahrspuren für Radfahrer oder Rollerfahrer gibt.
Und wenn Sie versehentlich auf eine dieser Wege treten, hören Sie sehr bald den „Klingelton“ einer Fahrradklingel.
Sie könnten auch hören: „Fahrradweg!“ oder gar einen Schrei in Ihre Richtung, falls Sie nicht schnell genug reagieren.
Auf die Regeln kommt es an, nicht wahr? Die Deutschen halten sich wirklich gerne an sie und treten nicht aus der Reihe. Das fängt schon damit an, dass Deutsche, die zu Fuß unterwegs sind, vor einer roten Ampel warten, obwohl weit und breit kein Auto zu sehen ist. So etwas gibt es nur in Deutschland.

Sonntagsruhe

Der Sonntag könnte ein guter Tag sein, um in Ihre Wohnung ordentlich aufzuräumen. Was sollte man auch tun, wenn doch alle Geschäfte geschlossen sind, obwohl doch sonntags alle Leute Zeit hätten, einkaufen zu gehen.
Aber zurück zum Aufräumen: Vorsicht, Sie könnten missbilligenden Blicke auf sich ziehen, wenn Sie ausgerechnet den Sonntag dafür aussuchen.
Wenn Sie den Rasen mähen, staubsaugen oder Ihre Flaschen in den Müll werfen, tun Sie dies am besten nicht während der „Ruhezeit“.
Das ist eine Zeit, in der von jedem erwartet wird, dass er ruhig und still ist.
Normalerweise ist das von 13 bis 15 Uhr und von 22 bis sieben Uhr morgens. Und sonntags ist der ganze Tag ein Ruhetag. Also Vorsicht!

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