Keine Plastiktüten: Das neue Umweltbewusstsein

Keine Plastiktüten: Das neue Umweltbewusstsein

Inzwischen scheint man in Thailand recht umweltbewusst zu werden. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da wurde das Land in Anlehnung an „Land des Lächelns“ gemeinerweise als „Land der Plastiktüten“ betitelt.

Wenn man ein oder zwei oder drei Jahrzehnte in Thailand gelebt hat, denkt man über haupt nicht darüber nach, welche Konsequenzen diese Tütenwirtschaft hat. Auch dann nicht, wenn es im Herkunftsland vielleicht anders ist oder ganz sicher sogar anders ist, falls man aus dem Westen kommt.

Revolutionär wäre schon die Idee, für Plastiktüten Geld zu verlangen. Nur wie viel sollte das sein? Wenn man die Plastiktüten in thailändischen Supermärkten mit denen in europäischen Supermärkten vergleicht, kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass thailändische Tüten von minderer Qualität sind.

Daher nehmen die Mitarbeiter beim 7-Eleven wohl auch immer zwei Tüten, wenn man ein paar Getränkeflaschen transportieren will. Andere Methode beim Big C: Da packen sie nicht mehr als drei oder vier Sachen in eine Tüte, und plötzlich steht man mit einem Dutzend Plastiktüten da.

Wäre ein Preis von fünf Baht pro Tüte angebracht? Wäre die Tüte das wert? Und würden Kunden eine kaufen?

Im Januar soll es keine Plastiktüten mehr in Supermärkten und Discountern geben. Da steht eine Revolution ins Haus, die Damen an der Kasse können einem jetzt schon leid tun.

Einen kleinen Vorgeschmack gab es bei Big C, weil es dort an der „Fast Lane“ – das sind die Kassen, die nur für Kunden sind, die nicht mehr als zehn Produkte kaufen, keine Plastiktüten mehr gibt. So wurde die „Fast Lane“ logischerweise auch in „Green Lane“ umbenannt.

Ein großes Schild hängt über dieser „Lane“, aber wer achtete da am ersten Tag schon drauf? Da stand auch, dass sich Big C sehr wohl um die Umwelt sorgt. Nach Jahrzehnten der Sorglosigkeit. Aber immerhin.

Die Kunden legten also ihre Siebensachen aufs Band der Fast Lane und bekamen dann keine Tüte. Es breitete sich Unruhe aus.

Da war einer, der sagte immer wieder, er wolle jetzt eine Tüte. Die Verkäuferin rückte keine heraus. Dann beschimpfte sie ihn sogar – auf Thai. Und er sagte höflich, es gäbe keinen Grund, unhöflich zu werden. Und schickte nach einer kleinen Kunstpause das Wort „Miststück“ hinterher.

Das war ein durchaus unterhaltsamer Einkauf an diesem Tag.

Offenbar drang dieser Vorfall oder ähnliche Vorfälle bis zur Geschäftsleitung durch. Jedenfalls wird an der Green Lane jetzt ein anderer Kurs gefahren. Die Kassiererinnen machen die Kunden sofort da-
rauf aufmerksam, dass es dort an den Kassen keine Plastiktüten gibt.
Wer keine eigene Tüte oder Tragetasche bei sich hat, geht an eine andere Kasse. So wurde aus der Fast Lane jetzt eine Super Fast Lane.
Bis Ende Dezember kann man noch umgehen, dass man keine Tasche oder Tüte hat, indem man sich einfach an einer anderen Kasse anstellt, die nicht als Fast Lane oder Green Lane ausgezeichnet ist. Wenn jemand vor einem den Einkaufswagen vollgeladen hat, man selbst aber nur drei Sachen hat, dann muss man eben warten. Oder man geht nach unten und kauft ein paar Donuts oder ein Eis und bekommt dann dort eine Plastiktüte, in die man auch die Big-C-Einkäufe packen kann.

Das alles hätte von Big C anfangs vielleicht besser kommuniziert werden sollen. Wie auch immer. Sicherlich wird es auch Leute geben, die sich noch gar nicht darüber bewusst sind, was im Januar auf sie zukommt.

Falls das wie angekündigt durchgezogen wird, will ich nicht wissen, was im 7-Eleven los ist, falls es da tatsächlich keine Tüten mehr geben sollte. Man kann es den Kunden auch nicht vorwerfen. Die meisten oder fast alle sind mit Plastiktüten aufgewachsen. Die Leute, die sich noch an Zeiten erinnern können, in denen es kein Plastik gab, sind schon äußerst betagt.

7-Eleven sagt ja auch immer, man achte auf die Umwelt. Aber beim Einkauf gibt es ungefragt Strohhalme, wenn man nicht ablehnt, und wenn man nur eine Getränkedose kauft, kommt diese zusammen mit einem Strohhalm in eine Pygmäentüte.

Ich ließ mir sagen, dass es Leute gibt, die inzwischen Tüten horten. Weil es bald keine mehr gäbe, argumentieren sie. Und da die thailändischen Tüten so dünn sind, kann man die wahrscheinlich nicht viel öfter als drei oder vier Mal wieder verwenden. – Dann ist Schluss und die Tüte ist wirklich Müll.

Natürlich kann man auch gleich einen Stoffbeutel kaufen oder einen kleinen Rucksack. Irgendjemand hatte mal ausgerechnet, wie oft man mit einem Rucksack einkaufen gehen muss, bevor sich das umwelttechnisch rechnet. An die genaue Zahl kann ich mich nicht erinnern, aber es waren wirklich sehr, sehr viele Einkäufe.

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