Indien will mehr Einfluss

Indien will mehr Einfluss

Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan hat wieder an Schärfe zugenommen. Das hinduistische Indien versucht, Pakistan auszubooten, indem es die Zusammenarbeit mit Afghanistan verstärkt.
Die USA und andere Länder der westlichen Koalition sind in Afghanistan nicht mehr so präsent wie in den vergangenen 17 Jahren. Indien gehört zu den Nationen, die das Vakuum füllen wollen. Uneigennützig ist das nicht, denn gleichzeitig versucht Indien Pakistans Interesse an Afghanistan auszubremsen.
Dabei hilft ein großer iranischer Hafen im Indischen Ozean, der Afghanistan mit Indien verbindet. Durch diesen Hafen wird klar, dass Indien nicht nur mit Kabul, sondern auch mit Teheran enger zusammenarbeitet als zuvor. Der Iran mag nicht von allen westlichen Ländern gemieden werden, sehr wohl aber durch die USA, die ein wichtiger Handelspartner sein könnten.
Die engere Zusammenarbeit mit dem Iran und Afghanistan zeigt auch Indiens Bemühungen, der chinesischen „Belt and Road Initiative“ etwas entgegen zu setzen, mit der China versucht, seinen Einfluss nicht nur auf Asien, sondern auch auf Afrika und Osteuropa auszuweiten. China baut in anderen Ländern Infrastrukturprojekte, dazu gehören auch Pakistan, Sri Lanka und Nepal. Indien beginnt nun, eigene Allianzen zu schließen, um seinen Einfluss in der Region auszubauen. Der größte Tiefseehafen in der Region am Golf von Oman, der Hafen Tschabahar, ist vielleicht die größte Initiative Indiens.
Indien ist nur eines von vielen Ländern, das eine signifikante Präsenz in Afghanistan aufbauen will. Weitere Länder sind neben China auch Russland und der Iran. Diplomatische Einrichtungen Indiens waren häufig angegriffen, so dass viele Inder glauben, der pakistanische Geheimdienst Inter-Service Intelligence (ISI) stecke dahinter.
Der Abzug der USA und ihrer Alliierten könnte ein Vakuum hinterlassen, das, so die Befürchtungen der Inder, in Afghanistan den Raum frei gibt für pakistanische Ausbilder, die islamische Fundamentalisten gegen Indien ins Feld schicken.
Die Beziehungen zwischen Pakistan und Indien sind auf dem tiefsten Punkt seit Jahrzehnten angekommen, seitdem im Februar ein Selbstmordkommando einen indischen Konvoi in Kaschmir angriff und über 40 indische Soldaten tötete. Die Inder machten für den Anschlag Maulana Masood Azhar verantwortlich, Anführer der Jaish-e-Mohammed (JeM). Die terroristische Vereinigung übernahm die Verantwortung.
Der indische Premierminister Narendra Modi, der sich im April und Mai Wahlen stellen wird, ließ Luftangriffe auf Pakistan fliegen. Pakistan sperrte seinen Luftraum, doch zu weiteren Konfrontationen kam es nicht. Vermutlich machten die USA hier Druck, damit der Friedensprozess in Afghanistan nicht gefährdet wird.
Indien hat in den letzten rund 20 Jahren Milliarden von Dollar in Afghanistan investiert. Kabul ist nach Bhutan der zweitgrößte Empfänger indischer Gelder. Hunderte von Projekten werden finanziert wie Bildungs- und Gesundheitswesen, Landwirtschaft, die Entwicklung ländlicher Gebiete, Straßen, Wasserkraftwerke, Krankenhäuser und ferner die Ausbildung Hunderter Medizinstudenten an indischen Universitäten.
Auch kulturell versucht Indien seinen Einfluss geltend zu machen. So sind indische Schauspieler aus Bollywood Filmen und Fernsehserien in Afghanistan sehr populär. Die indischen Serien werden auf Urdu synchronisiert und gern von afghanischen Hausfrauen gesehen. Für diese müssen diese Filme und Serien freilich wie Science-Fiction wirken, denn in Indien können Frauen einen Beruf ergreifen und auch in gehobenen Regierungs- und Verwaltungspositionen arbeiten, ja sie können sogar Premierminister werden. Undenkbar in einem archaisch-moslemischen Land wie Afghanistan.
Trotz indischer Entwicklungshilfe sind der Bildungsstand und die medizinische Versorgung in Afghanistan miserabel. Daher sind junge Afghanen gern bereit, zur Ausbildung nach Indien zu gehen. Hinzu kommt, dass viele Patienten, die es sich leisten können, die an Bluthochdruck, Diabetes, einer Lebererkrankung oder an Krebs leiden, sich in indischen Krankenhäusern behandeln lassen. Einige dieser Hospitäler haben inzwischen einen guten internationalen Ruf.

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