Impfpflicht im Kindergarten

Impfpflicht im Kindergarten

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will ein Gesetz einbringen, wonach eine Impfpflicht für Kindergartenkinder bestehen soll. Falls dieser nicht nachgekommen wird, drohen den Eltern Geldbußen in Höhe von 2.500 Euro. Die nicht geimpften Kinder dürfen laut diesen Plänen nicht mehr in den Kindergarten gehen.
Auslöser für diesen Vorschlag ist der Vormarsch der Masern. Nachdem diese weltweit beinahe ausgerottet waren, in Deutschland gab es so gut wie überhaupt keine Fälle mehr, sterben jedes Jahr immer mehr Kinder an dieser Krankheit.
Grund sind hauptsächlich Verschwörungstheoretiker, die mit ihrer Anti-Impfbewegung tatsächlich erreichten, dass Eltern allzu oft von Schutzimpfungen absehen, die eigentlich Routine sein sollten.
Mit Wissenschaft haben die Impfgegner nicht viel am Hut. Das wird allein schon durch die steigenden Zahlen der toten Kinder bewiesen. Dennoch findet die Anti-Impf-Bewegung in Industrie- und Schwellenländern immer mehr Anhänger.
In moslemischen Ländern kommt hinzu, dass die Eltern häufig den Impfschutz verweigern, weil der Impfstoff mit Hilfe von Schweinen hergestellt wird und daher als „unrein“ gilt. Lieber sterben als mit Schweinen in Berührung kommen, ist hier die Devise.
Obwohl Religionsführer bei einer Islamkonferenz deutlich machten, dass es überhaupt kein Problem sei, wenn Kinder gegen Masern geimpft werden.
Gesundheitsminister Spahn sagte, die Masern müssten in Deutschland erneut ausgerottet werden. Außerdem müsse gegen die Anti-Impf-Bewegung vorgegangen werden.
Um das zu erreichen, will er exorbitant hohe Geldstrafen erheben und verbieten, dass nicht geimpfte Kinder in einen Kindergarten gehen.
Wenn Spahn sein Gesetz durchbringt, könnte es im März 2020 zu ersten Geldbußen und Kindergartenverboten kommen.

Mehr Erkrankungen

In Bezug auf Masern beträgt die Impfrate in Deutschland zurzeit 93 Prozent. Behörden sind der Ansicht, dass die Rate mindestens 95 Prozent betragen müsste, um Kinder  vor Risiken zu bewahren, die aus gesundheitlichen Gründen nicht gegen Masern geimpft werden können.
In den 80er und 90er Jahren gab es nur einige wenige Fälle von Masern. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Im Januar und Februar 2019 gab es in Deutschland schon 170 Fälle von Masern.
Laut Gesundheitsministerium müssten schätzungsweise 600.000 Personen gegen Masern geimpft werden. Von diesen sind 360.000 Kinder, die in Schulen und Kindergärten im ganzen Land gehen, obwohl sie nicht gegen Masern geimpft sind.

Kindergartenverbot

In Deutschland gibt es die gesetzliche Schulpflicht. Daher kann der Staat Kindern nicht verbieten, in die Grundschule zu gehen. Dieses Gesetz gilt aber nicht für Kindergärten. Daher wäre es juristisch möglich, nicht gegen Masern geimpften Kindern den Besuch des Kindergartens zu untersagen.
Spahn sagte, dass die Kindergärten einem besonderen Risiko ausgesetzt seien. Kinder im Alter von unter zehn Monaten können nicht gegen Masern geimpft werden, sie seien daher stark gefährdet.
In Kindergärten gibt es jedoch Kinder im Alter von unter zehn Monaten, das heißt, sie sind zu jung, um geimpft zu werden und daher ganz besonders gefährdet, sagte er.
Sein Plan sei es, die Masern auszurotten. Eltern sollten sicher sein können, dass sich ihre Kinder nicht infizieren und daher nicht Gefahr laufen, von der Erkrankung gefährdet zu werden.

Geldbußen bei Nichtimpfung

Da Spahn sich an das Gesetz der Schulpflicht halten muss, schlug er vor, dass Eltern von nicht geimpften Kindern, die zur Schule gehen, zur Kasse gebeten werden.
Die Geldbuße soll nach seinen Plänen 2.500 Euro betragen, wenn Eltern sich weigern, den Nachwuchs gegen Masern impfen zu lassen.
Spahn sagte, es werde bei dem Gesetz Ausnahmeregelungen geben, weil es auch Kinder gebe, die nicht geimpft werden könnten. Dazu gehören beispielsweise Kinder, die an Leukämie erkrankt sind oder eine Organtransplantation erhalten haben.
Nach seinem Vorschlag müssten Eltern Beweise vorbringen, dass ihr Kind geimpft worden ist. Oder aber nachweisen, dass das aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist.

Nicht nur Kinder

Bei Spahns Plänen geht es jedoch nicht nur um Kinder. Lehrer und Erzieher und Mitarbeiter in Kindertagesstätten müssten ebenfalls nachweisen, dass sie gegen Masern geimpft wurden.
Überhaupt müssten alle Personen, die in der Gesundheitsfürsorge oder in der Verwaltung arbeiten, diesen Nachweis erbringen.

Impfpflicht im Kindergarten

Gute Idee, aber nur schwer umzusetzen

Der Plan erhält vom Koalitionspartner SPD Unterstützung, aber nicht jeder ist damit einverstanden.
Die oppositionellen Grünen sprachen sich ebenso gegen den Impfzwang aus wie der Präsident des Ärzteverbandes Frank Montgomery, der sagte, die Idee sei gut, allerdings schwierig umzusetzen.
Er sagte, dass Bildung der einzige Weg wäre, Impfungen gegen Masern zu fördern. Es sei einfach, Impfungen vorzuschreiben. Es sei jedoch schwierig, dies auch durchzusetzen.
„Ich möchte mir keine Situation vorstellen, in der die Polizei die Kinder impft“, sagte er. Daher müsse man versuchen, die Leute mit Argumenten zu überzeugen.

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