Hinter den Kaskaden

Hinter den Kaskaden

Die Wasserfälle des Nationalparks Namtok Chat Trakan in der Provinz Phitsanulok sind zu dieser Jahreszeit wirklich schön. Doch bei ihnen handelt es sich nicht um die einzigen Attraktionen, die der Park zu bieten hat.

Die bekannten Wasserfälle gibt es in der Trockenzeit häufig nicht, weil sie kein Wasser führen. So war der Park beispielsweise im März und April 2016 geschlossen, weil es zu wenig oder gar kein Wasser gab. Wegen der in diesem Jahr reichlichen Regenfällen war zu erwarten, dass die Chat-Trakan-Wasserfälle jetzt ihre beste Seite zeigen. Daher fuhren meine Freunde und ich in den Park. Wir waren nicht nur nicht enttäuscht, sondern der Park erstaunte uns auch mit netten Überraschungen.

Wir kamen am Abend an, kurz bevor die Kontrollstelle schloss. Wir stellten unsere Zelte schnell auf dem Campingplatz auf und gingen früh schlafen. Zum einen waren wir von der Anreise müde, zum anderen wollten wir am nächsten Tag früh wach sein, und uns auf den Weg zu den Wasserfällen machen.

Am Morgen wurden wir von zahlreichen Vögeln begrüßt, die dem Ganzen eine neue Atmosphäre gaben. Zuvor waren nur die Wasserfälle zu hören gewesen, die etwa 100 Meter entfernt lagen. Nach einem einfachen Frühstück in einem der Läden am Besucherzentrum sagte ich den Mitarbeitern dort erst einmal, wohin wir wollten. Uns wurde gesagt, wir könnten die ersten vier Stufen allein erkunden, aber dann müssten wir aus Sicherheitsgründen einen Führer mitnehmen.

„Aber warum interessieren Sie sich nur für die Wasserfälle?“, fragte die Dame im Zentrum. „In unserem Park gibt es auch die Tham Pha Kradan Lek, eine Höhle mit antiken Felsinschriften und einen Ort mit Fossilien. Falls Sie interessiert sind.“

„Ja, sind wir!“, antwortete ich im Namen der Gruppe. Die Dame schlug vor, die Ebenen fünf bis sieben zu überspringen und stattdessen nach den Fällen zur Höhle zu gehen. Die Fossilien lagen in der anderen Richtung. Nach der Höhle sollten wir sehen, ob dafür noch genügend Zeit blieb.

Wir warteten auf den Reiseleiter, und ich nutzte die Zeit, um in einem der Läden etwas Verpflegung zu kaufen: gegrilltes Huhn und Klebereis. Das alles gab es im Henkelmann.

Zurück am Besucherzentrum stellte sich heraus, dass Reiseführer unabkömmlich waren, daher wurden wir vom Mechaniker des Parks begleitet. Er gab zu, niemals zuvor in Pha Kradan Lek gewesen zu sein. Das war ja ein toller Führer! Er war aber zuversichtlich, den Weg finden zu können. Zum Glück trafen wir auf zwei Dorfbewohnerinnen, die in der Nähe arbeiteten und mit uns gingen. Die beiden Frauen, Pornchai und Kingkaew, kannten den Wald gut. Sie streiften oft durch die Wildnis, um Pilze und Kräuter zu sammeln.

Wir begannen am untersten Wasserfall und folgten dem gut markierten Weg zu den Ebenen zwei und vier. Drei ließen wir aus, denn hier hätten wir wacklige Leitern erklimmen müssen, das erschien uns zu gefährlich.

Auf Ebene vier überquerten wir ein Gewässer. Auf der anderen Seite wurde der Weg schmaler, Parkbesucher kommen nur selten in diese Gegend.

Der drei Kilometer lange Weg machte Spaß und öffnete einem die Augen. Unsere drei Führer informierten uns über die Heilwirkungen bestimmter Bäume und Gewächse. Wir kamen am Pha Daen vorbei, einer Klippe, blieben dort aber nicht lange, weil Pornchai warnte, dass sich ganz in der Nähe Bienenstöcke befanden. Zu nah am Weg, sagte sie. Die Bienen könnten uns bemerken.

„Sobald eine Biene angreift, folgen ihr tausend andere“, sagte sie. „Das ist nicht schön.“

Tham Pha Kradan Lek, unser Ziel, ist eine kleine Höhle auf der anderen Seite der Klippe. Die mysteriöse Felsinschrift, die einige womöglich an Aliens erinnern könnte, befindet sich auf einem flachen Stein. Pornchai sagte, sie wisse nicht, wie alt sie sei aber sicher älter als ihr Großvater. Er habe die Inschrift schon als Junge gesehen.

Von der Höhle aus benutzten wir denselben Weg zurück zu den Wasserfällen. Pornchai führte uns weiter südlich, den Berg hinunter zu einem Tempel. Hier belohnten wir uns mit Hühnchen und Klebereis, während wir darauf warteten, dass ein Pick-up kam, der uns zurück zum Besucherzentrum brachte.

Schnell eilten wir noch zu der Stelle mit den Fossilien, es handelte sich um versteinerte Fußspuren von Tieren. Sie liegen versteckt zwischen einem Felsen und Geröll. Es war schwierig, etwas klar zu erkennen. Erstaunlicher als die Fossilien fand ich die Tatsache, dass sie überhaupt entdeckt worden waren.

Ähnliche Beiträge