Geschäfte und Aberglaube

Geschäfte und Aberglaube

Der Aberglaube spielt eine entscheidende Rolle bei thailändischen Verbrauchern und Geschäftsentscheidungen.

Thais verlassen sich nicht nur bei finanziellen Entscheidungen auf rationale Überlegungen und Statistiken, sondern auch auf Glücksbringer oder Talismane, die sie zum Eingehen von Risiken ermutigen.

Natürlich gibt es in allen Teilen der Welt Ansichten, die man nur mit Aberglauben erklären kann. Laut einer Studie von Theeranuch Pusaksrikit, Dozentin an der Chulalongkorn University, neigen Thais jedoch dazu, abergläubischer zu sein als andere und diesen Aberglauben auch häufiger zu praktizieren.

Laut ihrer Studie über Aberglauben in Bezug auf das Risikoverhalten thailändischer Verbraucher stellte Theeranuch fest, dass der Aberglaube eine wichtige Rolle bei Verbrauchern und Geschäftsentscheidungen spielt.

„Einige fühlen sich sicherer, Geschäftsrisiken einzugehen, nachdem sie einen Vorfall erlebt haben, den sie mit Aberglauben in Zusammenhang bringen“, sagte sie. Die Ergebnisse stammen aus ihrer Studie, die gemeinsam mit Sydney Chinchanachokchai und Siwarit Pongsakornrungsilp erarbeitet wurde.

Das Forscherteam beobachtete, wie Einzelpersonen reagieren würden, wenn ihnen ein Gegenstand überreicht wurde, der als Zauberstift beschrieben wurde. Die Studie zeigt, dass passive abergläubische Menschen nach dem Erhalt eines Zauberstifts mehr Risikodrang verspürten.

Das Experiment zeigte auch, dass passiv abergläubischen Personen, wenn sie mit abergläubischen Objekten wie einem Glücksbringer in Berührung kommen, dies zu einem gesteigerten Vertrauen führen kann, was wiederum riskantere Verhaltensweisen auslösen könnte wie beispielsweise höhere Wetteinsätze bei Glücksspielen und Investitionen in risikoreiche Aktien.

In der Studie wurde auch festgestellt, dass der Zauberstift das Verhalten proaktiver abergläubischer Personen nicht wesentlich veränderte, da sieselbst wenn ihnen kein Zauberstift gegeben wurde  versuchten, einen anderen mutmaßlich abergläubischen Vorfall zu finden, um ihr Selbstvertrauen zu stärken und Risiken einzugehen.

Proaktiv abergläubische Personen sind Individuen, die die Kontrolle über die sie umgebenden Situationen haben wollen. Im Gegensatz dazu glauben passiv abergläubische Personen, dass sie auf die Umstände in einer Situation keine Kontrolle haben.

„Thais neigen dazu, nach abergläubischen Vorfällen Ausschau zu halten, die ihnen dabei helfen sollen, wichtige Entscheidungen zu treffen“, sagte Theeranuch.

Das offensichtlichste Beispiel ist, wie leichtgläubig Lotteriespieler nach den „richtigen“ Lottozahlen suchen, bevor sie Lotto spielen.

„Leute in anderen Ländern tippen einfach auf ihr Geburtsdatum oder ihr Autokennzeichen. Einige thailändische Lotteriespieler suchen sogar nach einer schwangeren Lottoverkäuferin, weil sie glauben, dass eine schwangere Frau ihnen Glück bringen kann.

Andere verbringen Stunden damit, die knorrige Rinde eines Baumes zu reiben, um die Glückszahl zu finden.“

Aberglauben spielt eine wichtige Rolle bei Verbraucher- und Geschäftsentscheidungen. Während die Chinesen glauben, dass die Zahl 8 günstig ist, glauben die Thais, dass die Zahl 9 eine Glückszahl ist, da sie ähnlich wie das Wort „vorwärts“ ausgesprochen wird (gao und khao). Das mit 9999 endende Kennzeichen erhält somit in der Regel das höchste Gebot bei Auktionen, in denen Nummernsch

Geschäfte und Aberglaube

ilder von Autos versteigert werden. Viele Start-up-Unternehmer konsultieren einen „Numerologen“, bevor das Geschäft gegründet wird.

Einige Vermarkter haben gelernt, diesen Trend zu nutzen. Zum Beispiel hat eine Stiftfirma kürzlich ein Set mit sechs Stiften auf den Markt gebracht, bei dem unterschiedliche emotionale Bindungen hervorgehoben wurden, wie beispielsweise eine Farbe, die den Erfolg des Benutzers steigert. Ein Stift steht für die Liebe und ein anderer für Glück.

Anstatt nur einen Stift zu kaufen, wollen einige Kunden die gesamte Kollektion, weil sie alles wollen, was gut für sie ist. (Das ist nicht der Zauberstift, den Theeranuch für ihre Forschung verwendet hat.)

Marketing-Taktik: Viele andere Verkäufer stellen ihre Produkte mittels Aberglauben-Marketingkampagnen wie Werbung im Fernsehen oder in sozialen Medien einem breiteten Publikum vor. Sie behaupten einfach, bei ihren Produkten handle es sich quasi um „heilige“ Gegenstände.

„Unsere Studie legt jedoch nahe, dass Einzelpersonen auch leicht durch Marketingkampagnen im Zusammenhang mit Aberglauben beeinflusst werden können. Wenn Verbraucher Phasen der Unsicherheit durchlaufen und Entscheidungen treffen müssen, führen sie nicht immer rationale Bewertungen durch“, sagte Theeranuch.

Es ist möglich, dass abergläubische Verbraucher von einigen Marketingkampagnen oder anderen riskanten Unternehmen angelockt oder ausgenutzt werden. Zum Beispiel könnten sie getäuscht werden, fehlerhafte Produkte zu kaufen, die mit Aberglauben in Verbindung gebracht werden.

Die Öffentlichkeit müsse daher auf abergläubische Marketingkampagnen achten, sagte Theeranuch vor.

Es ist ironisch, dass der Trend mit dem Eintritt der Thais in das digitale Zeitalter wahrscheinlich noch deutlicher zum Vorschein kommt.

„Die Leute werden anfälliger und brauchen ein materielles Objekt, um ihr Selbstvertrauen zu stärken.“

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