Genug ist genug

Genug ist genug

„Genug ist genug, aber mehr als Genug ist ein Fest“, schrieb Oscar Wilde einmal. Ich glaube, es kam im Roman Das Bildnis des Dorian Gray vor. Wenn ich mir so meine Jugendbildnisse ansehe, habe ich damit nicht viel Ähnlichkeit. Vor allem, was die Figur betrifft. Daher verschob ich erst einmal alle Feste.
Die Tagestemperaturen im April und Mai – 35 Grad, gefühlte 40 Grad oder mehr – und nachts kaum Abkühlung, standen einem Programm, das ich mir selbst auferlegte, nicht im Wege.
Ein Freund sagte mir, ein Thai würde sich niemals selbst so sehr kasteien. Ich mich aber schon.
Was war geschehen? Ein Blick in den Spiegel und, weil man seinen Augen nicht trauen will, einmal auf die Waage.
Vielleicht kann ich mit meinem Bericht über das Abnehmprogramm jemanden motivieren oder einen Hinweis geben. Das würde mich freuen. Aber erst muss es im Hirn Klick machen. Wenn das nicht passiert,braucht man gar nicht erst anfangen. Ich musste erst einsehen, dass ich zu dick war. Viel zu dick.
Inzwischen wird ja im Wege der Political Correctness propagiert, dass Dicksein gar nicht schlimm ist und Fettleibigkeit schön. Nun, ich finde das nicht. Und gesund ist es auch nicht.
Zum Abnehmprogramm habe ich zu sagen, dass das wohl alles sehr individuell ist.
Wenn man abnehmen will, muss man knallhart kaum was essen. So einfach ist das. In der Theorie einfach. In der Praxis? Alles eine Sache des Willens.
Ich habe in den letzten Tagen etwas geschludert. Wenn ein Kumpel da ist, sitze ich am Steintisch und bestelle Bier. Dann habe ich beim Trinken immer einen großen Hunger und esse auch viel.
Zweimal habe mich Freunde zum Grillen eingeladen. Also da bin ich kein Spielverderber. Ich sage nicht: Okay, ich komme, aber ich esse nichts. Oder noch schlimmer: Ich bleibe zu Hause. Ja, da gehe ich hin, natürlich, esse lecker Gegrilltes und trinke lecker Bier. Und am nächsten Tag dann zurück zum Abnehmprogramm.
Und wie sieht das Abnehmprogramm aus? Hier ist es:
Früher Morgen: zwei Tassen Kaffee.
Später Morgen: knapp eineinhalb Stunden laufen.
Danach auf die Waage. Es ist immer das Gewicht vom Nachmittag des Vortages.
Ein paar Stunden Ausruhen.
Nachmittag: noch einmal knapp eineinhalb Stunden laufen.
Danach auf die Waage: Sehr oft ein Kilo weniger als morgens.
Vor 18 Uhr gibt es nichts zu essen. Nach 18 Uhr gibt es eine kleine Portion Reisbrei (auf Thai: Jok). Dann gibt es als Tages-Highlight noch einen Joghurt. Viel Zucker, sicher, aber den Joghurt gönne ich mir trotzdem. Der macht auch ziemlich satt. Das wars.
Das nächste Essen gibt es erst 24 Stunden später, nämlich nach 18 Uhr am Folgetag.
Trinken: Wasser, Wasser, Wasser. Beim Laufen auch Wasser und Elektrolyte. Nach dem Laufen gönne ich mir zwei Büchsen Cola Light bzw. Cola Zero. Neben dem Joghurt meine einzige kulinarische Tagesfreude.

Genug ist genug

Anfang April habe ich angefangen und innerhalb von sechs Wochen 15 Kilo abgenommen. Also innerhalb von ca. fünf Wochen. Inklusive Schluderei (Grillabende beim Kumpel und ein paar Nachmittage am Steintisch) sind das durchschnittlich drei Kilo pro Woche.
Vielleicht will jemand Methode und Zahlen wissen, also bitteschön.
Aber wie gesagt, da muss jeder für sich selbst entscheiden, weil auch die Körper unterschiedlich sind. Also, wenn man dreimal pro Tag isst, wird man wohl eher nicht abnehmen, denke ich. Wenn nur zweimal, wenig, und wenn viel Bewegung dazu kommt, dann schon eher? Ganz sicher aber, wenn man fast nichts isst oder gleich eine bestimmte Zeit fastet und gar nichts isst.
Die Fastenzeit gibt es in fast allen Religionen. Es ist die Zeit des Entschlackens, der Körper soll wieder auf Linie gebracht werden. Sinnvoll ist das schon. (Wenig sinnvoll ist es allerdings, den ganzen Tag nichts zu essen und nichts zu trinken und nach Sonnenuntergang mit dem Fressen anzufangen.)
Einmal die Woche oder so, wenn es nicht grade ein Grillfest gibt, dann gönne ich mir schon etwas. Ein Huhn und/oder ein Rieseneis oder ein paar Burger und ein paar Flaschen Bier. Sonst trinke ich kaum welches. Total kontraproduktiv, Bier zu trinken in der Hoffnung, dann abzunehmen.
Der Nebeneffekt ist natürlich, dass ich fast nichts mehr ausgebe. Manchmal komme ich pro Tag mit 200 Baht aus, in der Regel sind es täglich 250 Baht.
Christof Winkler, Pattaya

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