Ferienorte werden auf Stammesgebieten gebaut

Ferienorte werden auf Stammesgebieten gebaut

Ist Ihr thailändischer Ferienort auf Land gebaut worden, dessen Grund und Boden eigentlich Ureinwohnern gehört? Die thailändischen Stämme laufen Gefahr, mehr Land an Hotels und Nationalparks zu verlieren, und zwar inmitten eines ungebremsten Tourismusbooms, der sie an den Rand gedrängt hat, warnten Menschenrechtsorganisationen.

Bangkok war 2018 zum vierten Mal die meistbesuchte Stadt der Welt. Laut Mastercard zählte sie fast 23 Millionen Besucher. Viele Touristen besuchen die Sandstrände Thailands im Süden und die Nationalparks im Norden.

Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Land für Hotels und andere Tourismuseinrichtungen schielen die Behörden auf Land, das Ureinwohnern gehört, sagte Emilie Pradichit, Direktorin der Menschenrechtsorganisation Manushya Foundation, die einen Bericht über die Rechte der thailändischen Ureinwohner veröffentlichte.

Die indigenen Völker seien häufig Vertreibungen ausgesetzt, weil ihre Land- und Ressourcenrechte nicht anerkannt würden, sagte sie. „Die Behörden versprechen ihnen Arbeitsplätze in der Tourismusbranche, aber das gleicht den Verlust ihres Grund und Bodens nicht aus“, fügte sie hinzu.

Die thailändische Tourismusbehörde beantwortete diesbezüglich keine Anfragen.

In Thailand leben etwa sechs Millionen Ureinwohner, was über neun Prozent der Bevölkerung des Landes entspricht.

Große Landstriche im ganzen Land wurden im Laufe der Jahre als Waldreservate und Nationalparks ausgewiesen und berauben viele Gemeinden ihrer landesüblichen Rechte, sagte Pradichit.

In der Zwischenzeit wurden Hunderte von Ureinwohnern wegen illegalen Eingriffs in Schutzgebiete angeklagt und im Rahmen der Waldgewinnungsverordnung von 2014 vertrieben.

Das Gesetz über Nationalparks zur Förderung des Naturschutzes sieht strenge Strafen für Waldbewohner vor.

Die Urak-Lawoi-Seezigeunergemeinde in Phuket, einer der wichtigsten Tourismusdestinationen, hat jahrelang mit legalen Petitionen gegen Räumungen gekämpft.

„Wir möchten, dass unsere Kinder im Land unserer Vorfahren leben, aber wir haben keine Dokumente, so dass wir jederzeit vertrieben werden können“, sagte Jitti Pramongkrit aus dem Dorf Sampum in Phuket.

Eine thailändische Kabinettsresolution von 2010, die Traditionen der Karen-Ureinwohner und der Chao-Lay zu respektieren und ihnen den Zugang zu Nationalparks zu ermöglichen, wurde nicht umgesetzt, sagten Landrechtsaktivisten.

Das Umweltministerium teilte mit, dass die Regierung widersprüchliche Landansprüche in Nationalparks prüfen und eine Arbeitsgruppe einrichten werde, um Fälle zu lösen, an denen Ureinwohner beteiligt sind.

Weltweit besitzen indigene und lokale Gemeinschaften mehr als die Hälfte des Landes unter historischem Recht. Nimmt man jedoch die aktuelle Gesetzeslage zur Hand, haben sie jedoch nach Angaben der in Washington DC ansässigen Interessenvertretung Rights and Resources Initiative nur in zehn Prozent der Fälle einen Anspruch auf ihr Land.

Palmölplantagen in Indonesien und Ananasplantagen auf den Philippinen haben indigene Völker von ihrem angestammten Land vertrieben, teilten Menschenrechtsorganisationen mit. Es handelt sich demnach keinesfalls um ein Problem, das nur auf Thailand beschränkt ist. Aber: Laut der Interessenvertretung Protection International wurden in den letzten 20 Jahren mehr als 59 thailändische Land- und Umweltaktivisten getötet oder sind verschwunden.

Wir hatten in der letzten Ausgabe ausführlich über Porlajee „Billy“ Rakchongcharoen berichtet. Er war 2014 spurlos verschwunden. Im September wurden Teile seiner verbrannten sterblichen Überreste in einem Ölfass gefunden.

Er hatte im Kaeng-Krachan Nationalpark gegen die Vertreibung der ethnischen Karen protestiert. Die Behörden wollen den Park zum Weltnaturerbe erklären lassen, um mehr Touristen anzulocken. Das geht aber nur, so glauben die Behörden, wenn die Karen, die schon seit vielen Generationen in diesem Gebiet im Einklang mit der Natur leben, nicht mehr im Park ansässig sind und vertrieben werden.

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