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Die Tourismusindustrie soll gerettet werden

Eine Straßenhändlerin auf der bei Touristen beliebten Khao San Road in BangkokEs war ein hartes Jahr für den Tourismus in Thailand. Die politischen Proteste, angeführt von Suthep Thaugsuban, die im Herbst 2013 begannen, waren das erste Vorkommnis einer Reihe von Zwischenfällen, die das Land des Lächelns für Touristen weniger attraktiv machten, als ein oder zwei Jahre zuvor.

Für einen unaufgeklärten Beobachter ist Thailand eine Ort mit friedlichen Inselparadiesen, Rückzugsgebieten für Yoga, ein Hippie-Mekka, Strand- und Vollmondpartys und ein Himmel für Leute, die sich einmal verführen lassen wollen. Das bietet Thailand auf jeden Fall. Thailand hat in der Tat etwas für jedermann, und aus diesem Grunde ist Thailand schon seit so langer Zeit ein Traumziel für Urlauber.

Aber wie woanders auch, so gibt es in Thailand mehr als weiße Strände und einheimischen Whisky. Thailands Wirtschaft und Regierungen haben in den letzten Jahren wegen der politischen Instabilität, als Gelb- und Rothemden um die politische Kontrolle des Landes kämpften, immer wieder gelitten. Die manchmal gewalttätigen Proteste der letzten Jahre führten zu einem gewissen Unbehagen von potentiellen Touristen, zumindest bei denjenigen, die Bangkok besuchen wollten. Jeder, der in Thailand lebt, konnte ihnen versichern, dass alles gut ist und dass man sicher war, solange man sich nicht in der Nähe von Demomeilen aufhielt.

Aber die Sorge über politische Unruhen in einem Entwicklungsland ist nur schwer aus der Welt zu schaffen. Die Situation verschlimmerte sich, als nach monatelangen Auseinandersetzungen die Armee aus den Kasernen kam, das Kriegsrecht verhängte und die Regierung durch einen Putsch stürzte. „Putsch“ und „Kriegsrecht“ sind wohl die schnellsten Wege, mögliche Besucher in Reisebüros zu jagen, damit sie ihre Flüge umbuchen, die sie dann in ein tropisches Land bringen, das als stabil gilt.

Und wieder: Jeder, der in Thailand war, konnte die potentiellen Touristen zu überzeugen suchen, dass alles in Ordnung war. Ich hielt mich in Chiang Mai auf, als das Kriegsrecht ausgerufen wurde. Ich war zunächst in Sorge. Ich konnte nicht anders als mir Panzer vorzustellen, die an meinem Apartmentkomplex vorbeirollen würden. Aber das Leben ging für Touristen und Auswanderer ganz gewohnt weiter. Die einzige Ausnahme war, dass die 7-Eleven-Supermärkte wegen einer vorübergehenden nächtlichen Ausgangssperre nicht mehr rund um die Uhr geöffnet hatten und das Nachtleben der Stadt um 22 Uhr zum Erliegen kam.

Das soll nicht heißen, dass die Lage nicht besorgniserregend war. Berichte über Medienzensur und Dissidenten, die vom Militär abgeführt und inhaftiert wurden, waren äußerst beunruhigend. Aber der durchschnittliche Tourist, der nicht hinausging, um sich einer Demonstration anzuschließen oder öffentlich seine Loyalität gegenüber den Shinawatras schwor, konnte die dunkle Seite der thailändischen Politik ignorieren und seinen Urlaubsvergnügungen nachgehen.

Nichtsdestotrotz litt die Tourismus-Industrie. Die Regierung überlegte, wie sie die Reisenden zurückholen konnte, als ein weiterer Vorfall die Tourismus-Industrie erschütterte: Der Mord an den beiden britischen Touristen auf Koh Tao. Die schockierenden Morde waren beunruhigend genug, aber die Berichte über die Misshandlungen von Verdächtigen durch Polizeibeamte, über erpresste Geständnisse, ließen das Land inkompetent und korrupt erscheinen. Viele glauben, dass die beiden verdächtigen Burmesen die Tat nicht begangen haben. Hinzu kommt die fragwürdige Ermittlungsarbeit der Polizei, die eine tragische Situation geradezu grotesk machte.

In den Wochen, die nach den Morden folgten, versuchten Behörden den Touristen zu versichern, dass Thailand sich um deren Sicherheit bemüht. Die Ministerin für Tourismus und Sport, Kobkarn Wattanavrangkul, schlug vor, dass ausländische Touristen Armbänder mit persönlichen Daten ausgehändigt werden, damit ihnen schnell geholfen werden kann, wenn sie in Schwierigkeiten geraten. Andere Vorschläge beinhalteten ein abgeschlossene Partymeile auf Koh Tao und in anderen Tourismushochburgen, oder ein „Kumpelsystem“, bei dem jedem Touristen ein Begleiter zur Seite gestellt werden sollte. Dass sich die Kritik in Bezug auf die Ermittlungen des Doppelmordes vor allem gegen Korruption und Inkompetenz richteten, wurde von den Behörden und der Regierung nicht wahrgenommen. Die Überlegungen, wie die Sicherheit von Touristen verbessert werden könnte, erinnerten an eine Reflexbewegung, um die Wogen zu glätten und die bereits angeschlagene Tourismus-Industrie vor dem Schlimmsten zu bewahren. Armbänder oder Kumpelsysteme würden das Symptom behandeln, nicht aber die Ursache.

Was wird getan?

Die Regierung stellt eine Reihe von Überlegungen an, wie die Tourismus-Industrie wieder zur alten Stärke zurückgeführt werden kann. 2014 kamen nach zuletzt vorliegenden Zahlen etwa zehn Prozent weniger Touristen nach Thailand als im Jahr davor. Ein Plan des Fremdenverkehrsamtes TAT ist, weniger bekannte Touristenziele im Land zu promoten, dazu gehören Lampang, Ratchaburi und Loei. Das ist sicherlich ein richtiger Weg.

Die meisten Touristen, die nach Thailand kommen, verbringen einen schönen Urlaub, haben Spaß und reisen dann unversehrt wieder nach Hause. Doch Berichte über Raubüberfälle, Gewalt und sogar Todesfälle in Regionen wie Koh Phangan oder Pattaya sind nicht ungewöhnlich. Das überrascht eigentlich wenig, denn an diesen Orten legen Ausländer eine „Es geht alles“-Mentalität an den Tag, dort sind billiger Alkohol und Drogen verfügbar, und es scheint, dass jeder dorthin reist, um eine Party zu feiern. In dieser Atmosphäre ist Spaß garantiert, aber es kann auch schnell zu Problemen kommen.

Wenn ruhigere, weniger auf Partys orientierte Tourismusziele promotet werden, könnten Touristen sich dazu entschließen, eine andere Seite Thailands kennenzulernen. Die Provinz bietet großartige Landschaften und eine „authentischere“ Erfahrung des Lebens in Thailand mit potentiell weniger Möglichkeiten für Gewalt und Diebstähle.

Die Regierung versucht gleichzeitig, den Inlandstourismus zu fördern, indem Geschäfts- und Privatleute ihre Reisen und Hotelaufenthalte innerhalb Thailands von der Steuer absetzen können. Dem Staat werden durch die Maßnahme Steuereinnahmen in Höhe von einer Milliarde Baht entgehen, die Tourismus-Industrie wird Schätzungen zufolge aber mit drei Milliarden Baht unterstützt.

Das Tourismus- und Sportministerium bemüht sich auch darum, das Image von Pattaya zu verbessern. Aus „Sin City“ soll ein Reiseziel des Weltsports werden. Tourismusministerin Kobkarn will ferner Fahrradwege im ganzen Land bauen lassen, um „Ökotourismus und Körperertüchtigung“ zu fördern.

Andere Wege der Förderung hören sich dagegen etwas merkwürdig an. Das thailändische Fremdenverkehrsamt TAT verfolgt den Plan, mit dem Kriegsrecht den Tourismus zu fördern. Der Slogan hierfür lautet „24 Hours Enjoy Thailand“, die Kampagne soll Touristen dazu ermuntern, trotz der politischen Lage nach Thailand zu kommen. TAT-Gouverneur Thawatchai Arunyik sagte, das Kriegsrecht helfe im Grunde dem Tourismus, denn „es stellt sicher, dass Ausländer rund um die Uhr sicher sind.“ (Die Koh-Tao-Morde fanden während des Kriegsrechts statt.)

Premierminister General Prayuth Chan-ocha hat mit seinen Aussagen wenig geholfen. In einem Kommentar sagte er, dass nur unattraktive Frauen im Bikini sicher seien. Später entschuldigte er sich für diese Aussage. Der General empfahl dem Ministerium für Tourismus und Sport bei der Prüfung, wer ins Land gelassen wird, „selektiver“ zu sein. Rucksack-Touristen sollen aber immer noch kommen dürfen. Der General ist nicht der erste Regierende, der sich für die Förderung sogenannter „Qualitätstouristen“ ausspricht. Mehrere Ministerien schlugen 2013 vor, bei der Einreise nach Thailand eine Eintrittsgebühr zu erheben, damit die Qualität der Touristen steigt, die nach Thailand reisen. Man kann nur annehmen, dass Qualität mit Wohlstand gleichgesetzt wird.

Thailand muss die Menschen nicht von seinem Charme überzeugen. Das Land ist schön, es bietet eine pittoreske Landschaft, unterschiedliche Aktivitäten, Wildtiere, ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis, gute Reisemöglichkeiten und eine freundliche Bevölkerung. Es gibt vielerlei Gründe für Touristen, das Land zu besuchen – nur dann nicht, wenn die Risiken überwiegen. Wenn die Regierung die Sicherheit von Touristen wirklich garantieren will, dann sollte sie anfangen, korrupte Regierungsbehörden zu reformieren, dazu gehört auch die Polizei, deren Ausbildung verbessert werden muss, und eine ernst gemeinte Eindämmung krimineller Aktivitäten und anderer Probleme wie die hohe Zahl von Verkehrsunfällen.

Kurzfristige Maßnahmen dienen vielleicht der Gesichtswahrung, sind aber keine Lösung. Touristen sind nicht dumm. Es gibt viele Orte in der Welt, die einen Besuch lohnen. Thailand mag dazu gehören, aber es muss sich ernstlich ändern, um im Wettbewerb bestehen zu können. Insbesondere Länder in Südostasien wie beispielsweise Burma oder Vietnam werden für Touristen immer attraktiver.

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