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Die nackte Wahrheit

Die nackte Wahrheit

Die Verhaftung von zwei US-Bürgern, die ihre nackten Hinterteile in einem heiligen Bangkoker Tempel zeigten, fotografierten und im Internet veröffentlichten (ein neuer Tiefpunkt auf der nach unten offenen Blödheitsskala), sollte eine Botschaft an ausländische Touristen sein, diskret vorzugehen, sich den lokalen Gepflogenheiten anzupassen, Respekt bei der Reise zu zeigen und nichts Ungesetzliches zu machen. Eigentlich Selbstverständlichkeiten …

Das Ehepaar, beide Männer sind Ende 30, wurde beim Versuch der Ausreise verhaftet. Eine Geldstrafe wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses von 5.000 Baht wurde durch sie beglichen. Das hätte aber noch lange nicht alles sein können. Da sie eine religiöse Kultstätte entehrten, drohte Haft bis zu sieben Jahren. Da sie die Fotos ihrer nackten Hintern im Internet veröffentlichten, griff das Computerkriminalitätsgesetz. Höchststrafe: fünf Jahre Haft.

So weit kam es allerdings nicht. Sie durften nach einer mehrtägigen Reiseunterbrechung in einem thailändischen Gefängnis schließlich ausreisen.

Die beiden Kalifornier namens Travis und Joseph (nicht zu verwechseln mit Beavis and Butthead) hatten sich im Wat Arun (Tempel der Morgenröte) entsprechend fotografiert und die Fotos bei Instagram hochgeladen. Dies im Rahmen einer Reise, die sie „Traveling Butts“ nennen, die „Reisenden Hintern“.

Der Account mit 14.000 Followern wurde kurz nach der Verhaftung des Pärchens auf dem Flughafen Don Mueang vorübergehend vom Netz genommen.

Neben dem Verfahren wegen der Fotos im Wat Arun drohte ursprünglich noch eines, weil sie sich auch mit nackten Hintern im Wat Traimit Witthayaram (Tempel des Goldenen Buddha) fotografierten, eine weitere bekannte religiöse Stätte in der Hauptstadt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Amerikanern vorgeworfen wurde, sich aus thailändischer Sicht inakzeptabel daneben benommen zu haben.

Im Juli letzten Jahres wurde Nathan Bartling, ebenfalls aus Kalifornien, wegen eines Videos zu 5.000 Baht Geldstrafe wegen Landfriedensbruchs und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit verurteilt. Bartling, der den umstrittenen You-
Tube-Kanal „My Mate Nate“ betreibt, musste sich zudem öffentlich entschuldigen. Er hatte auf Eisenbahngleise Münzen gelegt und gefilmt, wenn ein Zug darüber fuhr. Er fand das witzig, die Thais nicht. Zuvor schon war er in den Blickpunkt der ThaiÖffentlichkeit geraten, als er eine Katze gegen einen Skorpion kämpfen ließ. Das wurde ihm als Tierquälerei ausgelegt, hatte zunächst aber keine weiteren Folgen.

Thailand ist nach wie vor ein beliebtes Touristenziel, wenn man sich die Wachstumszahlen in dieser Industrie ansieht. Die zuständigen Behörden sollten daher darauf achten, dass die ausländischen Besucher über lokale Sensibilitäten und Normen sowie über die spezifischen Regeln bei der Einreise informiert werden.

Die nackte Wahrheit
Die nackte Wahrheit

Den Besuchern sollte klar gemacht werden (wenn sie es denn schon aus unverständlichen Gründen nicht bereits wissen), dass in Thailand beispielsweise nicht toleriert wird, wenn Bilder oder Statuen von Buddha als Dekoration benutzt werden, ganz zu schweigen davon, die Hosen in einem Tempel rutschen zu lassen.

Es gibt zwar Hinweise auf Flughäfen und Autobahnen, aber die Behörden sollten vielleicht überlegen, dass man Touristen bei der Einreise eine Broschüre übergibt, in der aufgelistet ist, wie man sich verhalten sollte und was auf gar keinen Fall erlaubt ist.

Unterdessen stehen natürlich die Touristen selbst in der Verantwortung, die sich über Kultur und Empfindsamkeiten eines Landes, in das sie einreisen, klar sein sollten, insbesondere dann, wenn es um kulturelle Werte und Traditionen geht, die in Ländern durchaus einen hohen Stellenwert haben können. Länder wie Thailand, Burma, Indien, Japan und China haben sehr starke Traditionen, die Jahrtausende, wenn nicht sogar länger, zurückreichen, und es ist sehr wichtig, dass diese respektiert werden.

Es gibt aber Dinge, die doch auf der Hand liegen sollten. Wenn jemand einen Tempel oder eine religiöse Stätte betritt, dann wissen doch eigentlich alle, dass es inakzeptabel ist, wenn man sich über Traditionen lustig macht, die hier praktiziert werden. Selbst US-Präsidenten müssen ihre Schuhe ausziehen, wenn sie die Shwedagon-Pagode in Rangun betreten, um nur ein Beispiel zu nennen.

Es geht aber nicht nur um Traditionen in Asien, die beachtet werden sollten. In der ganzen Welt werden Besucher angehalten, sich den Landessitten anzupassen oder religiöse und staatliche Vorschriften zu befolgen.

Den beiden Amerikanern drohten ernste Konsequenzen für ihr „unangemessenes Verhalten“. Das hätten sie vermeiden können, wenn sie auf die Idee gekommen wären, ihre Nase einmal in einen Reiseführer zu stecken.

Wie dem auch sei, die Touristen sollten schon bei der Einreise besser informiert werden, am besten mit Piktogrammen, weil einige von ihnen mit dem Lesen offensichtlich überfordert sind. Dann gibt es hoffentlich keine Ingnoranz mehr.

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