Die Kosten des Schulsystems

Die Kosten des Schulsystems

Seit kurzem wird die Singapore International School of Bangkok (SISB) als erste Lehranstalt im Thailändischen Aktienindex (SET) gelistet. Diese Aufnahme in den SET wirft nicht nur ein Licht auf profitorientierte Geschäftsmodelle, sondern auch auf die Ungleichheit zwischen privaten und staatlichen Bildungseinrichtungen.

SISB Co. Ltd. ist mit den Aktien auf dem Markt für alternative Investitionen zu finden. Sofort gab es Kritik, dass es „moralisch“ fragwürdig sei, eine Lehranstalt in den Aktienmarkt zu ziehen.

SISB-Chef Kelvin Koh sagte Journalisten, die Firma hoffe auf Wachstum durch langfristige Investitionen. Die SISB möchte gerne zur thailändischen Bildung mit „ihrem Prinzip, Bildung vor Geschäft“ beitragen. Er fügte hinzu, dass sich die Firma zuvor mit dem Bildungsministerium beraten habe.

Doch dann stellte ausgerechnet der Chef des Ministeriums die Ethikfrage. Am Tag des Börsengangs fragte Bildungsminister Teerakiat Jaroensettasin, ob der Schule das Privileg der Steuerbefreiung eingeräumt werden sollte, wie es das Privatschulgesetz vorsieht.

Die Steuerbefreiung wird damit begründet, dass Privatschulen als wichtige Einrichtungen angesehen werden, die zu gleichen Bildungschancen für alle beitragen.

Einige Leute sagen, es sei nicht richtig, wenn Schulen am Aktienmarkt Gewinne einfahren. Ihre Hauptsorge ist, dass die Schulen nur noch an Gewinnmaximierung denken und sich auf die Aktionäre konzentrieren, indem sie die Schulgebühren erhöhen anstatt sich auf die Qualität der Ausbildung für die Schüler zu konzentrieren.

Eine Schule auf das Börsenparkett zu bringen verletzt kein thailändisches Gesetz. Ob das in Bezug auf Bildung moralisch vertretbar ist, ist eine andere Frage. Bevor wir uns mit damit beschäftigen, sollten wir uns erst einmal mit dem Geschäftsaspekt von Privatschulen und dem thailändischen Schulsystem beschäftigen.

In Thailand haben die Betreiber von Privatschulen viel unternommen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zum Beispiel verbesserten sie die Einrichtungen oder stellten hoch qualifizierte Lehrer ein, damit Eltern kamen, um Geld für die Zukunft ihrer Kinder zu bezahlen.

Diese Eltern sind bereit, für die Ausbildung tief in die Tasche zu greifen. Von dieser Perspektive aus gesehen, ist es schön, eine Privatschule an der Börse zu listen, denn das bedeutet, dass Gelder eingefahren werden, mit denen das Geschäft ausgebaut wird, und letztendlich den Leuten zugute kommt, die sich das auch leisten können.

Viele thailändische Privatschulen, die Gewinn machen, sind erstklassige Lehranstalten. Staatliche Schulen dagegen haben weder das Kapital noch die Kapazitäten. Hier spiegelt sich die Ungleichheit im thailändischen Bildungssystem wieder.

Privatschulen sind nichts für Familien, die wenig verdienen. Diese Schüler gehen auf staatliche Schulen. Hier können sich die Eltern das Schulgeld leisten, doch die Qualität der Ausbildung lässt einiges zu wünschen übrig. Betreiber staatlicher Schulen erhalten ein kleines staatliches Budget. Lehrer werden schlecht bezahlt und haben kaum die Möglichkeit, ihre Qualifikation zu erweitern. Ein Lehrer in einer Grundschule auf dem Land verdient nicht mehr als 8.000 Baht. Viele Lehrer staatlicher Schulen sind haushoch verschuldet.

Weil die Regierung nichts unternimmt, um die Qualität staatlicher Schulen und ihrer Lehrer zu verbessern, profitieren die Privatschulen.

Wenn man staatliche Schulen auf dem Land besucht, wird man feststellen, dass es hier relativ wenige Schüler gibt. Das liegt daran, dass die Eltern bemüht sind, ihre Kinder auf Privatschulen in der Stadt zu schicken. Das ist die bessere Wahl für die Kinder.

Die Eltern wollen ihre Kinder auf „berühmte“ Privatschulen schicken. Hier gibt es einen großen Wettbewerb der Eltern untereinander, um einen Platz fürs Kind zu bekommen. Viele werden daher gezwungen, „in die Kaffeekasse einzuzahlen“, verbucht wird das als „Zusatzkosten“, damit das Kind auf die Schule gehen darf. Abgesehen davon nutzen einige ihre Netzwerke, um dem Kind den Zugang zur Schule zu ermöglichen.

Oft nehmen Kinder, die auf Privatschulen gehen, noch Privatunterricht, um ihre Leistungen zu verbessern. Das ist natürlich auch mit hohen Kosten verbunden.

In dieser Situation sehen Schüler auf staatlichen Schulen in die Röhre. Sie können nirgendwo hingehen und eine „Qualitäts“-Ausbildung erhalten.

Die thailändische Regierung hat wenig unternommen, um den Standard staatlicher Schulen zu erhöhen. Und auch hier gibt es Unterschiede: Schüler staatlicher Schulen in reichen Provinzen wie Bangkok, Chonburi oder Phuket sind besser gebildet als ihre Kameraden aus armen oder ländlichen Provinzen.

Die Kosten des Schulsystems
Die Kosten des Schulsystems

Um Salz in die Wunde zu streuen, gibt es an staatlichen Schulen zudem ein korruptes Bildungssystem, das Schüler um die Vorteile der Gelder bringt, die die Schulen durch den Staat erhalten. Die werden durch die Schulleitung eingesackt, für die Schüler bleibt nicht viel.

Wenn Sie also sehen, dass eine internationale Schule an die Börse geht, liegt hier kein moralischer Verstoß vor. Es geht um einen Austausch von Dienstleistungen und Geld. Gleichzeitig wird daran erinnert, dass das thailändische Bildungssystem ein zweigeteiltes System ist.

Ähnliche Beiträge