Die geliebte Katze

Die geliebte Katze

Wir haben eine schwarze Katze namens Shadow. Wie es in Pattaya und sicherlich in ganz Thailand so üblich ist, streunt sie oft herum, geht spazieren und kommt immer zurück, wenn es Fresschen gibt oder wenn sie schlafen will. Die eine oder andere Streicheleinheit ist dann auch immer dabei.

Eines Tages lag Shadow tot auf der Straße. Sie war wohl von einem Auto angefahren worden. Meine beiden Töchter waren in Tränen aufgelöst.

Shadow war zwar nicht unsere einzige Katze, wir haben drei, doch Shadow war vielleicht schon etwas Besonderes. Jedenfalls für meine Töchter.

Wir holten die Katze von der Straße und verpackten sie in ein kleines Paket. Dann organisierten wir beim Nachbarn eine Schaufel. Nicht weit von uns entfernt liegt ein unbebautes Grundstück. Dort hoben wir ein Katzengrab aus.

Mit allen Ehren wurde Shadow bestattet. Jeder verdrückte noch einmal ein Tränchen und erinnerte sich an die vielen schönen Momente, die es in einem Katzenleben durchaus gibt.

Meine ältere Tochter plagten echte Gewissensbisse. Sie hatte Shadow zuletzt lebend gesehen. Die Katze war im Haus und wollte nach draußen. Meine Tochter überlegte, ob sie dem Wunsch nachgeben sollte. Schließlich öffnete sie die Tür und Shadow raste hinaus, sprang über den Gartenzaun und weg war sie. Jetzt machte sich das Mädchen natürlich Gedanken und sich selbst verantwortlich. Sie sei schuld am Katzentod. Wir trösteten sie.

Nach der feierlichen Bestattungszeremonie kehrten wir nach Hause zurück. Vor der Tür stand eine schwarze Katze und musterte uns neugierig: Shadow.

Die tote Katze war gar nicht Shadow gewesen, sondern eine andere schwarze Katze. Eines ist sicher: Diese schwarze Katze ist zu ihrer Lebzeit nie so geliebt worden wie nach ihrem Tod.

Beitragsquelle : René Haefeli

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