Der Preisschock und weitere Unannehmlichkeiten

Der Preisschock und weitere Unannehmlichkeiten

Ein Kumpel, der hier öfter seinen Urlaub verbringt, war kürzlich wieder zu Besuch. Er kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Erst einmal waren auf dem Flughafen die Warteschlangen bei der Einreise doch recht übersichtlich. Dann – eine Neuerung – wurde mein Kumpel erkennungsdienstlich erfasst. Ihm wurden bei der Einreise die Fingerabdrücke abgenommen. Das erste Mal, dass ihm das überhaupt passiert ist. Nicht einmal in Deutschland hat jemals jemand nach seinen Fingerabdrücken verlangt.
Dann kam der Preisschock. Alles in Thailand sei so unheimlich teuer geworden, sagte er.
Als er einreiste, gab es für einen Euro 34 Baht. Ihm fiel auch auf, dass das britische Pfund die psychologische Grenze von 40 unterschritten hat. Ein Pfund ist weniger als 40 Baht wert. Und für einen Euro bekommt man weniger
als 35 Baht. Haben mein Kumpel und ich früher immer aufgerundet, um einfacher rechnen zu können – 1 Euro = 40 Baht –, lautet die Rechnung jetzt 1 Euro = 35 Baht. Wieder aufgerundet und wieder Tendenz sinkend. Bald rechnen wir gleich 1:30. Das ist dann vorausschauend.
Dann wird ebenso wie bei den Briten eine psychologische Grenze unterschritten. Und das, wo es Leute gab und vielleicht immer noch gibt, die darauf warten, dass der Euro 50 Baht wert ist. Na, da können sie wohl lange drauf warten.
Vor vielen Jahren prägte ich einmal die Redensart, dass diejenigen froh sein können, die in harten Baht bezahlt werden. Diese Leute müssen sich keine Gedanken um den Wechselkurs machen und sich fragen, warum ihr Urlaubsgeld immer weniger wird bzw. ihre Rente – umgerechnet – immer schmaler.
Zu den negativen Erfahrungen in Thailand gehört für mich aber nicht nur der Wechselkurs, sondern auch die Rücksichtslosigkeit. Ich will nicht behaupten, dass Rücksichtslosigkeit eine Tugend ist, aber hier kommt irgendwie die Mai-Pen-Rai-Haltung durch in Kombination mit Egoismus.
Es geht hier um kleine Dinge des Alltags. Ich wundere mich beispielsweise darüber, wenn ich in einen Laden gehe und mir ein Thai die Türe aufhält. Das ist derartig ungewöhnlich, dass ich mich besonders höflich bedanke. Mit einem schlichten „Thanks“ ist das jedenfalls nicht erledigt. Okay, dieses „Thanks“ mag für Europäer, Amerikaner oder Australier ausreichen, bei einem Thai meiner Meinung nach nicht. Wie oft ist es passiert, dass ich hinter jemandem in ein Geschäft gehe und mir vor der Nase die Tür zugeschlagen wird bzw. diese ins Schloss fällt. Auch umgekehrt. Jemand geht hinaus und sieht, dass ich hinein will. Interessiert nicht. Tür aufhalten? Was ist das?
Das kann mich schon ganz schön ärgern. Ich denke mal, die betreffenden Personen können gar nichts dafür, weil ihnen einfach nicht beigebracht wurde, wie man sich rücksichtsvoll und höflich verhält. Aber dann ist es selbstverständlich auch so, dass sie es nicht an ihre Kinder weitergeben können. Die dann ebenfalls anfangen, den Leuten die Tür vor der Nase zuzuschlagen.
Und wenn man dieses Thema ausweitet, dann endet alles im totalen Chaos. Sind Sie schon einmal zu Fuß gegangen? Dann werden Sie gemerkt haben, dass Sie Kopf und Kragen riskieren, wenn Sie auf der Straße laufen. Nun gibt es Leute, die meinen, es sei noch die sicherste Methode, zu Fuß unterwegs zu sein. Motorräder sind weitaus gefährlicher. Das stimmt sicherlich. Aber auch Fußgänger sind gefährdet. Durch rücksichtslose Fahrer.
Ich kann nicht zählen, wie oft ich schon von Motorrädern geschnitten worden bin. Da bin ich beispielsweise einen halben Meter von einer Seitenstraße entfernt, einer Einfahrt, dem Eingang zu einem Laden oder einer Parklücke oder was auch immer, und ein von hinten herannahendes Motorrad schneidet mich. Der Fahrer kann nicht bremsen und keine zwei Sekunden warten, bis ich an der Stelle vorbei ist. Es ist ihm einfach nicht möglich. Lieber würde er sterben als mich vorzulassen.
Vielleicht hat das auch etwas mit „Gesicht“ zu tun. Der Fahrer würde sein Gesicht verlieren, wenn er auf die Bremse tritt. Nein! Lieber erst recht Gas geben. Dann überholt mich dieser Mensch, es sind ja nicht nur Männer, sondern auch Frauen, und schert fünf Zentimeter vor mir ein, um dahin zu kommen, wohin er will. Im „besten“ Fall bleibt er genau vor meiner Nase stehen. Wenn ich meinen Schritt nicht abbremsen würde – ich gehe recht schnell – würde ich das Motorrad umrennen. Bei so einer Rücksichtslosigkeit könnte ich das eine oder andere Mal unterm Kronleuchter hängen.
Dieses Beispiel kann man jetzt getrost auf den Straßenverkehr insgesamt übertragen. Und schon sind wir bei 20.000 Verkehrstoten und eine Million Verletzten im Straßenverkehr pro Jahr. Da wird Gas gegeben, was das Zeug hält, geschnitten, von links überholt, die Vorfahrt erzwungen (mein Fahrzeug ist größer!), und die Bremse ist ein unbekanntes Pedal, das nie benutzt wird.
Vor roten Ampeln wird auch noch mal schön Gas gegeben. Wenn es eine Fußgängerampel mit einem Zebrastreifen ist, kann man getrost drüberfahren. Auch bei Rot. Sollen die blöden Fußgänger doch sehen, wo sie bleiben. Wenn sie Glück haben, im Nirwana.
Das ist auch eine Theorie. Diese Sache mit der Wiedergeburt. Ich habe ein Motorrad und ein Zimmer. Ich habe irgendeinen Job in einem Ausbeuterbetrieb und eine Frau, die immer dicker wird. Wenn ich sterbe und wiedergeboren werde, habe ich vielleicht ein schönes Auto, eine hübsche, schlanke Frau und eine Arbeit, bei der ich nicht viel machen muss und trotzdem viel Geld verdiene. Nach der Arbeit gehe ich in mein tolles Haus mit großem Garten und Swimmingpool.
Also drücke ich jetzt aufs Gas und riskiere mein Leben. Wenn ich dabei sterbe, auch egal. Ich werde wiedergeboren mit der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Euer

Walter Weiß

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