Das Entwicklungsland

Das Entwicklungsland

Deutschland ist das Land der Erfinder, eine führende Industrienation, die von anderen Ländern bewundert wird. Oder: Deutschland ist das Land, in dem die Bundeskanzlerin von Berlin nach Buenos Aires fliegt und in Bonn ankommt.

Immer häufiger hört man, dass Deutschland eben nicht mehr das Land der Erfinder ist. Die sitzen in den USA oder in Südostasien. Technisch wurde Deutschland schon lange abgehängt und lebt nur noch von der Substanz. Das Handynetz ist löchrig, und das Internet ist in Thailand schneller als in Deutschland.

Wer das nicht glaubt, sollte mal im Isan im Internet surfen und dann in einer deutschen Kleinstadt. Wer es sich zeitlich leisten kann, surft in Deutschland nachts, denn dann geht es schneller …

Zurück zu Merkel. Sie flog mit ihrem Dienstflugzeug in Berlin los. Aber nicht auf dem neuen Flughafen BER, denn der ist nicht fertig. Der wird zurzeit als Parkplatz genutzt. Es gibt Leute, die meinen, irgendwann wird der noch fertig. Andere sind nicht so optimistisch. Voraussagen wären reine Spekulation.

Auf der Baustelle, oder wie man das nennen will, ist Wasser in die Kabelschächte eingedrungen. Die gute Nachricht ist: Das ist nichts Neues, denn das Wasser bedeckt die Stromkabel schon seit 2012. Na, wenn das den Kabeln bisher nichts ausgemacht hat …

Dem Chef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg, Engelbert Lütke Daldrup, wird sein Gehalt ebenfalls nichts ausmachen. Der bekommt pro Monat etwa 33.000 Euro. Zuzüglich einem „Ruhegehalt“ von rund 1.300 Euro, weil er früher mal Staatssekretär war. Seine Aufgabe für das Geld: Er verkündet der Öffentlichkeit, man habe den Wasserschaden im Griff, und bald werde der Flughafen öffnen.

Die Kanzlerin war erst kurz über dem Atlantik, als das Kommunikationssystem ihres Flugzeuges ausfiel. Umkehr zum nächsten deutschen Flughafen, das war Bonn. Bundeshauptstadt ohne nennenswer­tes Nachtleben wurde einst über Bonn gespottet. Die Bonner Republik ist lange passé, und auch die deutsche Technik.

Ausgerechnet Bundeswirtschaftsminister Altmaier beklagte sich über das Handynetz. Er will mit ausländischen Kollegen nicht mehr telefonieren, wenn er auf der Autobahn fährt, weil sich Funkloch an Funkloch reiht und die Verbindung ständig abbricht. Deutschland Entwicklungsland. Und dabei zahlen die Deutschen die höchsten Handygebühren in Europa.

Die Kanzlerin, jetzt in Bonn, will weiterreisen. Aber andere Flugzeuge sind nicht einsatzbereit. Falls doch eines gefunden wird, so müssen die potentielle Besatzungsmitglieder der Bundeswehr Ruhepausen einhalten.

257 Truppenküchen liefern pro Jahr 20 Millionen Essen bei der Bundeswehr aus. Normalerweise essen Soldaten von Porzellangeschirr. Da aber die Arbeitskräfte knapp sind – es muss gespart werden – und Soldatinnen offenbar nicht zum Abwasch abkommandiert werden, müssen die Soldaten mit Plastikgeschirr vorlieb nehmen.

Die Marine hat nicht genügend Tankschiffe. Die Rhön und die Spessart, so die Namen der beiden Schiffe, die über 11.000 Kubikmeter Sprit und Wasser aufnehmen können, um Kriegsschiffe auf hoher See damit zu versorgen, haben wegen kaputter Maschinen keine Betriebszulassung mehr. Die beiden 40 Jahre alten Schiffe könnten aber repariert werden. Bei einer NATO-Übung waren die Deutschen mangels Schiffe nicht dabei.

Es gab auch eine Zeit, da hatten die Deutschen kein einziges U-Boot mehr. Eigentlich sind es sechs, einsatzbereit waren aber null. Nun sollen zwei wieder fahren, teilte das Verteidigungsministerium mit, die vier weiteren sollen im Laufe des Jahres folgen.

Hoffentlich stimmt das, sonst hat Thailand bald mehr einsatzbereite U-Boote als Deutschland.

Militärische Probleme erscheinen im Alltag der Bürger vielleicht ein wenig abgehoben, daher zuletzt noch zur Eisenbahn, sprich ICE.

Das Entwicklungsland
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Ein ARD-Magazin berichtete, dass nur noch jeder fünfte ICE einsatzbereit sei und fahren könne. Es wird nur noch das Notwendigste repariert. Kaputte Toiletten, Kaffeemaschinen, Klimaanlagen. Egal, Hauptsache das Ding kann eingesetzt werden. Es werden nur noch Reparaturen durchgeführt, die mit der Sicherheit des Zuges zu tun haben. Die Wartungsintervalle werden verlängert. Daher fallen immer häufiger Züge aus.

Wenn in Japan ein Zug eine Minute zu spät kommt, rollen Köpfe. In Deutschland sind über ein Viertel aller Züge unpünktlich. Ein Bahn-App hierüber wurde abgeschaltet, das war den Betreibern dann wohl doch zu peinlich.

Es gibt auch zu wenig Schienen. Ausweichstrecken wurden im Rahmen von Sparmaßnahmen abgebaut. Wenn ein Zug langsam fährt oder liegen bleibt, kann er nicht mehr überholt werden. Auch daher rühren die Verspätungen.
Das alles sind nur ein paar Beispiele. Es ist schon traurig, wenn man das alles sieht.

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