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Chinesische Enklave in Kambodscha

Chinesische Enklave in Kambodscha

Seit Jahren hält sich hartnäckig das Gerücht, dass in Pattaya Casinos erlaubt werden. Wäre das der Fall, würde dies für Pattaya ausschließlich Vorteile bringen, heißt es. Aber ist das wirklich so? Wie sieht die Entwicklung im kambodschanischen Sihanoukville aus?

Ein heißer, klarer Tag. Die Art von Tag, als vor ein paar Monaten Touristen überlegten, ob sie ein Bier für einen Dollar oder lieber einen Kokosnusssaft für einen Dollar trinken sollen.

Doch am Strand befindet sich fast kein Mensch. Frauen wandern mit Tabletts auf ihren Köpfen herum, auf denen sie im perfekten Gleichgewicht frische Hummer anbieten. Oder sie haben Utensilien für eine Pediküre und Maniküre bei sich. So oder so, sie sind verzweifelt auf der Suche nach Kunden.

Männer sitzen auf Stühlen in Restaurants und bieten Gästen gegrillten Tintenfisch und lokale Currygerichte an. Aber die einzigen Gäste sind streunende Katzen und Fliegen.

Wir werden uns bald nicht mehr selbst versorgen können. Unser Geschäft ist dabei abzusterben“, sagte Doung Sokly, eine 30 Jahre alte Strandhändlerin, die seit acht Jahren von ihrem Karren aus, Drinks, Snacks und Zigaretten am Independence Beach verkauft.

Einen Block weiter weg boomt allerdings das Geschäft: Es handelt sich um die neuen Casinos, die kürzlich gebaut wurden. Sie haben Namen wie New Macau oder New MGM, und sie sind exklusiv für chinesische Gäste gedacht. Kambodschanern ist das Glücksspiel verboten.

An diesem sonnigen Nachmittag, als die Strände leer waren, waren die Casinos voller chinesischer Gäste, die rauchten und dabei 100-Dollar-Noten auf die Spieltische knallten. Um sie herum chinesische Aufpasser und Trauben von jungen Kambodschanerinnen in kurzen Kleidern und mit langen Wimpern.

China versucht seinen politischen und wirtschaftlichen Einfluss in der Region zu verfestigen, insbesondere den ambitionierten Plan „One Belt, One Road, mit dem vor allem Infrastrukturprojekte gebaut werden. Und Kambodscha versucht, seine Wirtschaft zu entwickeln ohne sich die ständigen Mahnungen zu Menschenrechten der amerikanischen oder europäischen Regierungen anhören zu müssen.

Diese beiden Interessen sind in Sihanoukville vereint, einer Hafenstadt am Golf von Thailand, benannt nach dem verstorbenen König, der nach wie vor als Vater des modernen Kambodschas angesehen wird.

Hier ist der Ort, an dem am besten zu sehen ist, wie der kambodschanische Premierminister Hun Sen China mit offenen Armen empfängt.

Sihanouville ist eine Art Litfasssäule für Chinas Entwicklung. Bei allen wirtschaftlichen Unternehmungen ist China die Nummer eins“, sagte Carl Thayer, Südostasienexperte von der australischen Defense Force Academy und ehemaliger Berater des US Pazifikkommandos in Hawaii. „China versucht ganz offensichtlich die USA zu ersetzen, und ist dabei wunderbar erfolgreich.

Für Hun Sen, der seit 33 Jahren an der Macht ist und sich für die Wahlen Ende Juli vorbereitet, damit er wiedergewählt wird, bedeuten diese Investitionen, dass er wirtschaftliche Erfolge feiern kann, auch wenn die demokratischen Institutionen beschnitten werden.

Die kambodschanische Regierung hat außergewöhnlich hohe chinesische Investitionen erlaubt: Bislang wurden 30 Casinos fertig gestellt, weitere 70 werden gebaut.

Eines dieser Entwicklungsprojekte ist das „Blue Bay Casino and Condos“, das mit „eines der symbolischen Projekte der chinesischen Initiative „One Belt, One Road“ beworben wird. Die kleinste Ein-Zimmer-Wohnung kostet 143.000 Dollar, die größten Apartments kosten über eine halbe Million Dollar.

Die Anzahl der chinesischen Besucher in Sihanoukville, einer Stadt von 90.000 Einwohnern, verdoppelte sich von 2016 auf 2017: Letztes Jahr waren es 120.000 Chinesen. Ob Restaurants, Banken, Vermieter, Pfandleiher, Duty-Free-Läden, Supermärkte oder Hotels, alle machen Werbung mit chinesischen Schriftzeichen.

Aber mit Ausnahme derjenigen, die in Hotels und Casinos arbeiten, sehen die meisten Kambodschaner, die pro Jahr durchschnittlich 1.100 Dollar verdienen, wenig Vorteile in diesen Investitionen. Und der Groll wächst.

Meine Einnahmen haben sich halbiert“, sagte Chhim Phin, der seit 2003 ein Seafood-Restaurant am Independence Beach betreibt. „Hier gab es viele Touristen aus dem Westen, Leute, die unser Essen mochten und es probierten. Aber die chinesischen Touristen wollen keine Khmer-Gerichte ausprobieren und interessieren sich nicht für unsere lokalen Gebräuche. Sie wollen ihre eigenen Speisen essen. Chinesische Touristen wollen in ihrer kulturellen Blase bleiben.

Neben seinem Restaurant befindet sich ein Stück Land, auf dem einmal Bars für Rucksacktouristen standen. Nachts gab es Tanzpartys am Strand. Jetzt steht hier kein Stein mehr auf dem anderen, chinesische Bauentwickler haben das Grundstück übernommen.

Und wenn chinesische Gäste doch in sein Restaurant kommen, ist Chhim Phin nicht gerade begeistert. „Ich spreche kein Chinesisch, daher gestaltet sich die Kommunikation sehr schwierig“, sagte er. „Um ehrlich zu sein, ich habe mit Chinesen eine sehr schlechte Erfahrung gemacht. Sie sind so rüpelhaft.

Strandhändlerin Dong Sokly macht es ebenfalls keinen Spaß, sich mit den neuen Gästen auseinanderzusetzen. „Touristen aus dem Westen handeln nicht, weil sie lokale Sache ausprobieren wollen. Aber die chinesischen Touristen versuchen immer, die Preise zu drücken“, sagte sie.

Wie auf ein Zeichen begannen während des Interviews chinesische Touristen am Strand in Lachen auszubrechen und sie riefen lauthals. „Hören Sie sich das an“, sagte Dong Sokly. „Sie sind so laut.“ Mit einem Gesichtsausdruck der Abneigung lugte sie zu den Chinesen hinüber. „Die sind so nervig.

Die Bürger machen sich auch Sorgen über organisiertes Verbrechen, das von den Casinos ausgeht, und einer steigenden Zahl von gewalttätigen Vorfällen, deren Ursache in Trunkenheit zu suchen ist. Nach der Veröffentlichung von Berichten über die Vor- und Nachteile von chinesischen Investitionen, gab der chinesische Botschafter zu, dass „eine kleine Zahl weniger gebildeter Leute“ aus seinem Land kambodschanische Gesetze verletze.

Nicht, dass sich Touristen aus dem Westen immer gut benommen hätten. Einige geraten in Schwierigkeiten, weil sie zu wilde Partys feiern oder sich anderweitig daneben benehmen.

Ein Geschäftsmann vor Ort, der mit den chinesischen Besuchern zufrieden ist, ist Ko Hong. Er vermietet Jetskis an westliche Touristen für 60 Dollar die Stunde. Für chinesische Kunden beträgt der Preis 50 Dollar.
Vorher war eher nur etwas in der Hochsaison los. Jetzt aber kann ich immer viel Geld verdienen“, sagte Ko Hong. Durchschnittlich macht er 200 Dollar am Tag.

Der Hauptgrund für den Exodus der Besucher aus dem Westen und den Zustrom chinesischer Touristen sind die Unterkünfte, sagten Chhim Phin und andere Geschäftsbetreiber.

Die billigeren Hotels und Pensionen, die Einheimische und westliche Touristen mochten, wurden durch große chinesische Entwicklungsprojekte abgelöst, die sehr viel mehr für Grundstücke zahlen. Diejenigen, die vor Ort bleiben, haben Probleme, Mitarbeiter zu finden, weil diese von den Chinesen mit höheren Löhnen weggeschnappt werden.

Hier gab es einmal billige Unterkünfte, jetzt aber nicht mehr“, sagte Koeun Sao, ein 29 Jahre alter Tuk-Tuk-Fahrer, der schätzt, dass sich sein Einkommen in den letzten drei Monaten um rund 70 Prozent verringert hat. „Chinesen nehmen Autos, keine Tuk-Tuks.

Die chinesischen Investitionen machen sich allerdings noch nicht in besseren Straßen oder anderen Infrastrukturprojekten bemerkbar, in einer Stadt, die schon mit der sanitären Grundversorgung zu kämpfen hat.
All diese Gebäude, die sie bauen, sind nur zum Wohl der Chinesen da“, sagte Koeun Sao. „Gut für die Grundstückseigentümer, aber nicht gut für normale Menschen.

Aber sowohl die kambodschanische als auch die chinesische Regierung preisen ihre wirtschaftliche Kooperation.
Die Wirtschaftssonderzone Sihanoukville ist ein rund fünf Quadratkilometer großer Industriepark, in dem 104 von 121 Unternehmen chinesisch sind. Die Wirtschaftssonderzone „steht für ein Symbol der erneuerten chinesisch-kambodschanischen Freundschaft, die den Bürgern wahre Vorteile bringt“, schrieb der chinesischen Premier Li Keqiang für eine chinesische Zeitung, als er im letzten Januar zu Besuch kam.
Während er vor Ort war, unterschrieb Li 19 Geschäftsverträge. Dazu gehört, dass eine Autobahn in die Hauptstadt Phom Penh gebaut werden soll, die die mit Schlaglöchern übersäte Landstraße ersetzen soll, sowie der Bau eines neuen Flughafens in Phnom Penh.

Die beiden Länder versprachen, dass sich die Anzahl der chinesischen Touristen in Kambodscha innerhalb der nächsten zwei Jahre auf zwei Millionen jährlich verdoppeln wird, der bilaterale Handel soll dann einen Wert von sechs Milliarden Dollar erreichen.

Wir versuchen vor Ort zu bleiben“, sagte Strandhändlerin Doung Sokly. „Wir warten ab, wie sich die Dinge entwickeln.

Beitragsquelle : https://www.washingtonpost.com/world/asia_pacific/this-cambodian-city-is-turning-into-a-chinese-enclave-and-not-everyone-is-happy/2018/03/28/6c8963b0-2d8e-11e8-911f-ca7f68bff0fc_story.html?utm_term=.15804c7123af&noredirect=on

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