Chinesen verlieren ihren Appetit auf Luxusartikel

Chinesen verlieren ihren Appetit auf Luxusartikel

Die Designer-Boutiquen in Manhattan und Paris spüren die chinesische Konjunkturabschwächung, die Automobilhersteller und andere Industrien betrifft.

Luxusmarken wie Louis Vuitton und Burberry sind zunehmend von chinesischer Kundschaft abhängig geworden, die zuletzt 90 Milliarden Dollar jährlich für Schmuck, Textilien und andere hochqualitative Markenprodukte ausgab.

Die Industrie steht unter Druck bei dem Versuch, die chinesische Kundschaft nicht zu verlieren, die häufig in amerikanischen und europäischen Filialen einkaufte. Jetzt wird versucht, das Netzwerk in China weiter auszubauen.

Letzten Monat zeigte sich bei Tiffany & Co. wie hoch der Anteil der chinesischen Kundschaft bereits ist. Die Aktien des Juweliers, der dafür bekannt ist, Uhren für 5.000 Dollar und silberne Babylöffel für 400 Dollar zu verkaufen, fielen um zwölf Prozent nach der Bekanntgabe des Geschäftsführers, Chinesen würden weniger Geld ausgeben.

Bei Tiffany’s in Hongkong befanden sich Anfang letzten Monats nur ein Dutzend Kunden nachmittags im Geschäft. Viele sahen nicht so aus, als ob sie etwas kaufen wollten.

„Die Markenartikel sind zu teuer“, sagte Zhou Jiqing aus dem benachbarten Shenzhen. „Ich warte auf Sonderangebote.“

Institute wie Euromonitor International und Bain & Co. sagen, chinesische Kunden werden im nächsten Jahrzehnt der Hauptwachstumsmotor für die Luxusindustrie sein. Doch momentan sind die Shopper zurückhaltend. Das liegt an der Wirtschaftsflaute und den Spannungen mit Washington, einem schwachen Immobilien- und Aktienmarkt.

„Konsumenten sind im Moment nicht daran interessiert, viel Geld auszugeben“, sagte Ben Cavender von China Market Research Group.

Die Nachfrage nach Anzügen von Tom Ford und Schuhe von Jimmy Choo ist besser als die nach anderen Produkten. Ein weiterer Grund für die wirtschaftliche Abkühlung ist das Vorgehen der chinesischen Regierung gegen Banken, die zu schnell Kredite vergeben. So soll eine um sich greifende Schuldenfalle verhindert werden.

Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft für 2018 wurde mit robusten 6,5 Prozent prognostiziert. 2017 waren es 6,7 Prozent. Der immer noch hohe Wert für 2018 entstand durch Investitionen der öffentlichen Hand, mit denen Infrastrukturprojekte finanziert wurden Das lenkte von der schwächelnden Wirtschaft auf anderen Gebieten ab.

Der Autoverkauf brach im Oktober um 13 Prozent im Vergleich zu Oktober 2017 ein. Der Immobilienmarkt ist derartig schwach, dass Bauunternehmer mit dem Preis nach unten gehen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der chinesische Aktienindex um 22 Prozent.

Schon vor der Konjunkturabschwächung geriet die Industrie wegen einer Änderung des Geschmacks und eines anderen Kaufverhaltens der Chinesen unter Druck.

Denn Luxusmarken, einige von ihnen Jahrhunderte alt, beeilten sich, um China und seine Konsumenten als neues Wirtschaftszentrum zu bedienen.

Markendesigner entwarfen Uhren, Kleidung, Schmuck und andere Produkte speziell für den chinesischen Geschmack. Hermes führte eine Marke ein, die es nur in China gibt: Shang Xia. Einkaufszentren von London bis Los Angeles stellten Verkäufer ein, die Mandarin sprechen können.

Chinesische Händler fliegen nach Paris und Rom, kaufen Designer-Taschen und andere Luxusprodukte, fliegen wieder nach Hause und verkaufen sie dort.

Der Anreiz, im Ausland shoppen zu gehen, ging jedoch zurück, als große Marken Filialen in China eröffneten, und die Preise auf ein amerikanisches und europäisches Niveau zurückgingen.

„Jetzt haben viele Weltmarken Geschäfte in erstklassigen Städten“, sagte der aus Guangzhou stammende Alex Bi bei einem Besuch in Hongkong. Er und seine Schwester Jessica machten im Hongkonger Kowloon einen Schaufensterbummel.

Chinesen verlieren ihren Appetit auf Luxusartikel
Chinesen verlieren ihren Appetit auf Luxusartikel

Gleichzeitig unternimmt Peking den Versuch, die Abhängigkeit vom Handel zu verkleinern und setzt auf eine selbst tragende Wirtschaft, die auf den Ausgaben der Konsumenten basiert. Daher wurde die Importsteuer auf Luxusgüter verringert, die Bürger sind so angehalten, in China zu shoppen und nicht im Ausland.

Zwar werden Chinesen auch im Ausland weiterhin Geld ausgeben, aber die Steigerungsrate ist laut Prognosen nicht so groß wie in China selbst.

Hinzu kommt, dass Chinesen aus Furcht vor terroristischen Anschlägen Städte wie Paris oder London als Einkaufsmeilen meiden. Die USA sind wegen des schwachen Wechselkurses ziemlich teuer. Außerdem ist es wegen restriktiverer Visumsvorschriften für Chinesen schwieriger geworden, in die USA zu reisen.

Nach Schätzungen ging die Anzahl chinesischer Touristen in den USA im Vergleich zu 2017 um 20 Prozent zurück. Dagegen stieg die Anzahl chinesischer Touristen in Frankreich um über 20 Prozent und in Italien um knapp 19 Prozent. Sie reisen auch gern nach Japan oder Neuseeland.

Ob sie auch wieder zahlreicher nach Thailand kommen, bleibt abzuwarten. Die Besucherzahlen für 2018 werden mit entsprechenden Analysen im Februar erwartet.

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