Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner

Bald Busse ohne Schaffner

Bald Busse ohne Schaffner

Hey, steigt ein, und dann geht’s los!“, ruft eine Schaffnerin einer Gruppe Schülerinnen zu, die an einer Bushaltestelle stehen und anscheinend nicht wissen, wie es weitergeht.

Die Hilfe ist nötig. An den Bushaltestellen gibt es keine Stadt- oder Fahrpläne, die man studieren könnte. Andere Wartende wussten womöglich ebenfalls nicht, wie die Schülerinnen zu ihrem Ziel gelangen konnten.

Die Schaffnerin erklärte den Schülerinnen, dass sie diesen Bus nehmen und später umsteigen müssten.

So nett sah die Schaffnerin eigentlich nicht aus. Aber sie war dennoch so freundlich zu helfen, auch wenn das nicht in der Arbeitsplatzbeschreibung steht.

Aber genau das machen die grapao rot mae, wörtlich: die Taschen des Busses, abgesehen davon, dass sie so schnell wie möglich das Fahrgeld entgegen nehmen, damit niemand ein paar Stationen schwarz fahren kann.

Schaffner sind wie gesagt sicherlich nicht die freundlichsten Exemplare im Dienstleistungsgewerbe der öffentlichen Verkehrsmittel. Wenn man aber die Ineffizienz dieser Verkehrsmittel zugrunde legt, dann ist ein Schaffner beinahe ein „Concierge des Busses“. Er hilft aus wegen der nicht existierenden Fahr- und Stadtpläne, er hilft Leuten beim Ein- oder Aussteigen, hilft bei viel Gepäck und warnt vor Motorrädern, die links überholen und nicht auf aussteigende Personen achten.

Einige Schaffner arbeiten auch als „Buspolizei“. Schulmädchen und Frauen, die einen Bus in Bangkok nehmen, beschweren sich immer wieder über perverse Fahrgäste in Bussen, nicht nur während der Rushhour. Hilfe kommt schnell, denn der Schaffner ist immer in der Nähe.

Doch diese Schaffner werden jetzt nach und nach alle ihren Arbeitsplatz verlieren.

Am 1. Oktober begannen die Bangkoker Verkehrsbetriebe (BMTA) damit, in öffentlichen Bussen Automaten einzubauen. Einen für Münzen und einen für Dauerkarten. In einem Pilotprojekt fahren 200 Busse mit diesen Automaten. Bis Juni 2018 sollen alle 2.600 Busse für 1,6 Milliarden Baht mit diesen Automaten ausgerüstet sein.

Die Umstellung auf die Automaten ist Teil des Sanierungsplans der BMTA, die von Schulden gebeutelt wird. Wie bei jedem Sanierungsplan werden Stellen abgebaut, weil Arbeitsplätze mit die höchsten Kosten verursachen. Den Schaffnern soll der Weg in den Ruhestand durch Abfindungen bezahlt werden. Eine Summe für den goldenen Handschlag wurde nicht genannt, es ist aber von einer Million Baht pro Schaffner die Rede. Das würde die BMTA zwei Milliarden Baht kosten. 2021 soll der letzte Schaffner entlassen werden.

Während der Übergangsphase werden Schaffner noch mitfahren. Ihre Aufgabe ist es dann, Geld für Fahrgäste zu wechseln, wenn sie den Automaten benutzen oder zu zeigen, wie der Automat, der ihren Arbeitsplatz vernichtet, überhaupt funktioniert.

Die Automaten können den Service der BMTA verbessern und hoffentlich langfristig bei der finanziellen Sanierung helfen. Sie hat aber vergessen, dass die Ineffizienz der Geschäftsführung die Schulden anhäufte, nicht aber die Schaffner oder andere Arbeitnehmer.

Wie könnten die Serviceleistungen verbessert werden? Neue und saubere Busse. An Bushaltestellen hängen Pläne mit der Busstrecke. Dass es Fahrpläne gibt, auf denen die Abfahrtszeiten notiert sind, dürfte in Bangkok wohl Science Fiction bleiben. Auf jeden Fall aber sollte der Service attraktiver werden, damit mehr Leute die Busse benutzen und die BMTA dann auch mehr verdient.

Um Gelder zu sparen, sollte die Geschäftsführung reformiert werden. Die ist das Hauptproblem und für die roten Zahlen verantwortlich. Die Automatisierung, das heißt, Arbeitskräfte durch Maschinen zu ersetzen, wird für einige Schaffner Arbeitslosigkeit bedeuten, weil sie mit 40 oder 50 Jahren nur noch schwer eine neue Arbeit finden werden.

Weiterhin bleibt nur zu hoffen, dass die BMTA, die mit Steuergeldern gesponsert wird, diese Gelder auch in die richtigen Projekte investiert, um den Service zu verbessern.

Eine Idee wäre beispielsweise, ein GPS-System aufzubauen, das potentiellen Fahrgästen anzeigt, wo der Bus gerade ist, den sie nehmen wollen.

Was die Automaten betrifft, kann man nur hoffen, dass sie nicht in einem Flop enden wie der Austausch der alten Busse durch neuere Modelle. Sonst wird das wieder in Geldverschwendung enden, die ein paar Tausend Leuten den Job kostet, aber der Service wird dadurch auch nicht besser.

Ähnliche Beiträge