Arbeitslose Fußgänger

Arbeitslose Fußgänger

Deutschland hat die wohl höchsten Strompreise der Welt, will aber gleichzeitig offenbar Weltmeister beim Verkauf von E-Autos werden. Deutschland will Atom- und Kohlekraftwerke abschalten, die momentan etwas mehr als die Hälfte des Strombedarfs decken. Gleichzeitig sollen aber eine Million Ladepunkte für E-Autos entstehen.

Da staunt der Fachmann, und der Laie wundert sich.

Vielleicht ist das der Grund, weshalb das Umweltministerium zwischen 2014 und 2018 mindestens 600 Millionen Euro für Berater ausgegeben hat. Die müssen mit den Widersprüchen klarkommen und eben zusehen, dass zusammenpasst, was nie und nimmer zusammenpassen kann.

Eine Untersuchung der Wirtschaftlichkeit gab es bei den Beraterverträgen nicht immer. Das behauptet der Bundesrechnungshof, der die Vorwürfe gegen das Ministerium erhebt. Das Ministerium jedoch widersprach. Es handle sich nicht um Berater, sondern um Leute, die wissenschaftliche Fachfragen geklärt hatten.

Seit Ursula von der Leyen dürften Leute, wenn sie „Berater“ hören, wissen, worum es geht. Nachdem die Ärztin irgendwie in der Politik landete, umgab sie sich immer mit Beratern. Woher soll auch eine Gynäkologin wissen, wie sie mit der Bundeswehr umgehen soll? So wurde die Bundeswehr trotz Berater kaputt gemacht. Obwohl eine Frau an der Spitze stand (und immer noch steht)
gehen den Soldaten die Stiefel aus. Das Klima soll gerettet werden und Deutschland will mit gutem Beispiel vorangehen, aber trotz Millionen Euro für Berater können die Deutschen noch nicht einmal ein Segelschiff reparieren. Da wurden aus zehn Millionen Euro Reparaturkosten für die Gorch Fock mal eben 135 Millionen Euro. Ein Ende der Reparaturarbeiten ist nicht absehbar.

Jetzt also wird Deutschland erneut mit gutem Beispiel vorangehen: Bis 2030 soll es eine Million Ladestationen für Elektroautos geben. Abgesehen von der Frage, woher der Strom für diese Ladepunkte kommen soll, wird hier ganz offensichtlich von der Regierung geplant, den Deutschen vorzuschreiben, welche Autos sie kaufen sollen. Bisher gibt es in Deutschland über 17.000 Ladestationen für E-Autos. Es müssten in den nächsten zehn Jahren also pro Jahr 100.000 weitere hinzukommen. Wie soll das zu schaffen sein und wer bezahlt das?

In den nächsten zehn Jahren werden nach Schätzungen Umweltverbandes BUND 360.000 der 800.000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie weg fallen. 150.000 Stellen würden wegen einer erhöhten Produktivität wegfallen und weitere 160.000 Arbeitsplätze, weil für den Bau von E-Autos weniger Mitarbeiter benötigt werden als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Weiterhin wird in diesen Schätzungen davon ausgegangen, dass mehr Leute auf das Auto verzichten, was schlichtweg heißt, dass weniger Autos verkauft werden. Auch das kostet natürlich Arbeitsplätze.

Wenn man sich die deutsche Wirtschaft anhand der Automobilindustrie ansieht, dann fährt sie gegen die Wand. Ob das mit einem Verbrenner oder einem E-Auto geschieht, spielt da keine Rolle mehr.

Das E-Auto war allerdings der Auslöser, konkret VW. Der Volkswagenkonzern ist der Vorreiter, indem er sich selbst Klimaziele auferlegt. Andere Autokonzerne machen mit.

So zieht der Abbau von Arbeitsplätzen immer weitere Kreise und hat auch die Zulieferindustrie schon längst erreicht. Hier gehen einige Hundert Stellen verloren (Benteler International), dort 2.000 Stellen (Brose) und da 5.000 Stellen (Continental). Auf Twitter gibt es für den Arbeitsplatzabbau, der häufig kleine und mittelständische Zulieferbetriebe trifft und nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, den Hashtag „futschi“.

Der einzige, der momentan Widerworte gibt, ist der Portugiese Carlos Tavares. Er ist der Chef des französischen Automobilkonglomerats PSA. Tavares hat erst einmal Citroen und Peugeot saniert und dann Opel für 1,3 Milliarden Euro gekauft.

Er wird die deutschen Arbeitsplätze nicht retten können – allerdings auch nicht die deutschen Autofahrer, die, überspitzt formuliert, bald zu Fuß gehen dürfen.

Er findet das Gewese um das Klima blödsinnig (wer kann es ihm als Chef eines Automobilkonzerns vorwerfen) und findet es noch blödsinniger, dass man den Autofirmen vorschreiben will, wie deren Fahrzeuge angetrieben werden.

Er brachte das Beispiel, dass ein moderner Dieselmotor etwa 15 bis 20 Prozent weniger Schadstoffe ausstößt als ein Fahrzeug mit Benzinmotor. Auf staatlichen bzw. sozialen Druck haben viele Leute keinen Diesel gekauft, sondern einen Benziner mit dem Ergebnis, dass die Umwelt mehr verpestet wird als vorher.

Er rechnet damit, dass die Automobilindustrie zusammenbricht. E-Autos wird es natürlich geben, aber wegen des gigantischen Stromverbrauchs einer E-Auto-Flotte wird der Strom deutlich teurer. Das wird sich kaum jemand leisten können. Daher wird es den Trend geben, zu Fuß unterwegs zu sein, so das düstere Bild, das Tavares zeichnete.

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