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MacBeth

MacBeth

Selbst für Cineasten ist es gar nicht so einfach, sich im Rahmen einer Kritik an „The Tragedy of MacBeth“ (USA 2021) heranzutrauen.

Zunächst einmal: Wer Vollbild und Schwarzweiß nicht mag: Bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen.

Nun, was soll man zu William Shakespeare sagen? Außer, dass er alles, was heute in Theatern, Filmen und Serien zu sehen ist, schon vor 400 Jahren erfunden hat. Alles, was wir heute sehen, sind nur Variationen und Nuancen der Gedanken dieses Genies, das für mich persönlich über allem steht.

Da gibt es so einige gute Shakespeare-Verfilmungen. Die von Kenneth Branagh, natürlich, und einige andere, und waren sich die Kritiker nicht alle einig, dass doch nur die Filme, die „wahren“ Verfilmungen seien, die in Großbritannien produziert worden sind?

Da würden einige „unbedeutende“ Filme herausfallen wie die des Polen Roman Polanski zum Beispiel. Oder die unvergesslichen Adaptionen von Akira Kurosawa, der die Shakespeare-Stücke auf das Japan der Samurai-Zeit übertrug. Herausragend neben „Ran“ (das ist die Adaption von „König Lear“) oder „Das Schloss im Spinnwebwald“ – das ist Kurosawas Version von „MacBeth“.

Worum geht es in „MacBeth“? Drei Hexen flüstern einem aufstrebenden Adligen ohne Chance auf den Thron ein, dass er zu höherem bestimmt sei, wenn er seine Geschicke in die eigene Hand nimmt. Zu Hause im Schloss angekommen, berichtet er seiner Frau von dieser Weissagung, die ihn daraufhin anspornt, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die dem Thron im Wege stehen. Daraufhin beginn das große Morden bis MacBeth das erreicht, was er will. Aber nach vollbrachter Tat quälen ihn Reue und Selbstzweifel.

Die letzte Shakespeare-Verfilmung, die mich derartig beeindruckt hat, war „Romeo und Julia“ aus dem Jahre 1996 von Baz Luhrmann.

Ich kam überhaupt nicht darüber hinweg, dass diese „alte“ Liebesgeschichte (nun, eine Liebesgeschichte kann eigentlich nie alt sein) in der modernen Welt spielt und dennoch alle Protagonisten in Versen sprechen wie in der Shakespear’schen Originalversion. Aus Gold wurden Dollarnoten, aus Schwertern Schusswaffen und aus edlen Rössern schnelle Autos. Einfach genial!

Das Beste an diesem Film sind die beiden Hauptdarsteller. Julia ist so großartig, dass ich, als ich den Film das erste Mal sah, mich sogleich in sie verliebte und an meine verflossenen Liebschaften dachte und überlegte, warum aus diesem oder jenem (Familien-) Zwang nichts daraus geworden war. Gleichzeitig überlegte ich, dass ich, wenn ich eine Frau wäre und es mich nicht gäbe, mich unsterblich in den Hauptdarsteller verlieben würde.

Die einfach entzückende Julia ist Claire Danes (später bekannt durch „Homeland“), und den Romeo spielt der am Beginn seiner unglaublichen Karriere stehende Leonardo DiCaprio.

Wie gesagt, „Romeo und Julia“ ist von 1996. Es dauerte demnach fast 30 Jahre, bis mich die nächste Shakespeare-Verfilmung derartig umhaute.

Hier stehen wir also vor „MacBeth“, diesem Monumentalwerk, diesem Denkmal des Theaters und der Filmgeschichte. Kein Superlativ ist übertrieben.

Doch nachdem ich von „Romeo und Julia“ so schwärmte, wie soll ich die Wucht von „MacBeth“ beschreiben? Ich weiß es nicht.

Denzel Washington ist MacBeth. Was soll man da sagen? Einen guten Schauspieler erkennt man spätestens daran, wenn er Shakespeare gut spielt. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Das war schon immer so und wird immer so sein.

Seine Frau, Lady MacBeth, wird von Frances McDormand gespielt. Genau das Gleiche. Ich wiederhole mich: Was soll man da sagen? War sie jemals so gut? Sie wird jedenfalls nie besser sein.

Neben Washington und McDormand sollten auch die übrigen Schauspieler erwähnt werden, vor allem die Hexen (gespielt von Kathryn Hunter), die wie im Theater, gleich am Anfang des Films wie ein Omen quasi vorweg nehmen, was im Laufe des Stücks (Films) noch alles passieren wird.

Natürlich ist es nicht neu, dass Omen verklausuliert vorhersagen, was in den nächsten zwei Stunden passiert, doch der geneigte Zuschauer sollte sich vor Augen führen, dass das Stück Anfang des 17. Jahrhunderts uraufgeführt wurde. Und da war diese Art von, äh, „Storytelling“ neu.

Inszeniert wurde der Film von Joel Coen. Er arbeitete das erste Mal ohne seinen Bruder Ethan.

Herausgekommen ist ein Wunderwerk, ein Wahnsinnsding von surrealem Film mit Anleihen aus dem deutschen Stummfilm wie beispielsweise „Das Kabinett des Dr. Caligari“ von 1920. Die Kulissen, besser gesagt, Bühnenbilder, knüpfen an die Kunst aus diesen alten Film an. So werden die Kulissen selbst zum Protagonisten und erzählen ihre eigene Geschichte.

Jede Szene, ja, ich würde sogar so weit gehen und sagen, jede Einstellung von „MacBeth“ ist absolute Filmkunst.

Worauf soll man sich als Zuschauer konzentrieren?

Auf die hervorragenden Schauspieler, die Dialoge in Shakespeare-Englisch, die entsetzlichen Schicksale der Protagonisten, die Kamera (DoP Bruno Delbonnel), die Kulissen, die Schattenspiele in diesen Kulissen, die Geschichte oder das große Ganze, in dem es darum geht, dass das Böse nur allzu menschlich ist?

Ein Wahnsinnsfilm!

Post source : JC

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