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Karaoke im Parlament

Karaoke im Parlament

Trotz unserer halbgaren Demokratie, die durch eine Reihe von Putschen und Straßenprotesten gekennzeichnet ist, sollte unser Parlamentsgebäude Gegenstand unseres Stolzes sein – ein Pantheon der Demokratie.

Die thailändische Regierung – initiiert von der Regierung Samak Sundaravej – gab über zwölf Milliarden Baht für den Bau des neuen Parlamentsgebäudes aus, das unter dem Namen „Sappaya Sapasathan“ bekannt ist, was übersetzt „der Ort, an den die Menschen kommen, um gute Dinge zu schaffen“ bedeutet.

Trotz Berichten über eine massive Überschreitung des Budgets, Verzögerungen, Pannen wie Wasserlecks, ein instabiles Beschallungssystem und sogar eine Mückenhöhle ist das Sappaya Sapasathan Grund zum Stolz für unsere demokratischen Institutionen.

Das im Mai letzten Jahres eröffnete Gebäude ist eine Mischung aus moderner und traditioneller thailändischer Architektur, zu der auch eine Pagode auf dem Dach des Gebäudes gehört. Es ist der Ort, an dem unsere gewählten Abgeordneten und leider nicht gewählten Senatoren arbeiten, Gesetze verabschieden, über nationale Fragen debattieren und die Regierung und die Verwaltung in Schach halten.

Sappaya Sapasathan ist nicht nur ein Bürogebäude mit Sitzungsräumen. Neben einer Nationalbibliothek und einem Parlamentsmuseum bietet es auch einen Raum, den sogenannten Parliamentary Club, in dem sich die Abgeordneten nach ihrer harten Arbeit entspannen können. Der Club soll bald eröffnet werden, vermutlich dann, wenn die Regierung Corona als endemisch erklärt.

Die Nachricht über den Parlamentsclub hat jedoch einiges Aufsehen erregt, nachdem Senator Peerasak Porchit, Vorsitzender des Senatsausschusses für soziale und Freizeitaktivitäten, die Presse durch den Club geführt hatte. Wie der alte Club im früheren Parlamentsgebäude verfügt auch der neue Parlamentsclub über einen Fitnessraum, eine Sauna und einen Massageraum, in dem die Abgeordneten trainieren und entspannen können.

Der neue Club bietet jedoch einen zusätzlichen Sportraum – einen kleinen Raum, in dem die Abgeordneten ihren Golfschwung üben können, einen Basketballplatz und eine Joggingstrecke, auf der ein professioneller Läufer unserer Nationalmannschaft Unterricht gibt.

Da Arbeit allein nicht glücklich macht, bietet der Parliamentary Club auch Karaoke-Räume und eine Tanzfläche. Es ist ein Bereich, in dem sich die Gesetzgeber treffen, entspannen und Kontakte knüpfen können. Natürlich verfügt der Club auch über eine luxuriöse Lobby.

Keine Frage, unsere Abgeordneten verdienen einen angemessenen Arbeitsplatz, der ihrem ehrenvollen Status gerecht wird.

Unsere Abgeordneten und Senatoren sind Vertreter der Bürger des Landes, und als solche müssen sie gut versorgt werden. Nicht nur mit üppigen Steuergeldern der Bevölkerung.

Es ist mehr als angemessen, dass unsere Abgeordneten nach der Arbeit in Fitnessräumen mit adäquater Ausstattung trainieren. Es ist ein Muss, dass unser Parlamentsgebäude über Massage- und Saunaräume verfügt und dass die Abgeordneten sich entspannen und Stress abbauen können, nachdem sie stundenlang über Gesetze und Haushalte für die Nation debattiert und diese geprüft haben.

Es gibt jedoch eine Grenze zwischen Rationalität und Übertreibung.

Während der Fitness- und der Sportraum durchaus rational erklärbar sind, so ist das weder bei Karaoke-Club noch Tanzfläche der Fall.

Ein Arbeitsplatz sollte ein Gefühl von Ernsthaftigkeit und Feierlichkeit ausstrahlen – und nicht ein Mischmasch aus Arbeits- und Unterhaltungsstätte, in der Büroangestellte nach Feierabend das Karaoke-Mikrophon schwingen und tanzen.

Der Presserundgang zeugte von mangelnder Sensibilität für die öffentliche Stimmung.

Nach zwei Jahren Corona und wirtschaftlicher Not wollen die Menschen einfach sehen, dass Gesetzgeber sowie gewählte und nicht gewählte Politiker an der Seite der Bürger stehen und deren Not und Schmerz teilen. Die Zurschaustellung solch unangemessener Einrichtungen im Parliamentary Club bewirkt einfach das Gegenteil.

Nachdem Kritik laut wurde, soll der Club jetzt angeblich in einen Arbeitsraum umgestaltet werden. Es bleibt abzuwarten, mit welcher Geschwindigkeit die Umbaumaßnahmen vorangetrieben werden.

Post source : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/2315274/club-karaoke-a-step-too-far

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