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Delta-Hotspot Asien

Delta-Hotspot Asien

Eine Region, die sich auf dem Weg nach oben befand, hat durch die Corona-Krise einen schweren Rückschlag erlitten.

Kurz nachdem Jarrett Wrisley 2008 in Bangkok ankam, traf die globale Finanzkrise die Medienbranche und zwang sie, ihre Budgets zu kürzen. Reisejournalist Wrisley sah seine Möglichkeiten, vom Schreiben zu leben, rapide schwinden. Daher wandte er sich der einzigen anderen Sache zu, die er beherrschte: dem Kochen.

Im September 2010 eröffnete Wrisley das Soul Food Mahanakorn, das im trendigen Thonglor-Viertel der Hauptstadt nord- und nordostthailändische Gerichte serviert. Das Restaurant trug dazu bei, dass sich Bangkok, das seit jeher für sein Straßenessen bekannt ist, neben etablierten regionalen Essenszielen wie Hongkong und Singapur etablierte.

Sporadische Unruhen – darunter ein Putsch, Proteste und gelegentliche Überschwemmungen – konnten den scheinbar endlosen Besucherstrom in das Land nicht bremsen: Im Jahr 2019 kamen rund 40 Millionen ausländische Touristen nach Thailand.

Doch am 13. Januar 2020 wurde ein Reisender aus Wuhan, der Thailand besuchte, positiv auf COVID-19 getestet – der erste bestätigte Fall außerhalb von China. Die Restaurants in Bangkok, die spürten, dass Corona einen großen Einfluss auf die Branche nehmen könnte, hielten sich an die Beschränkungen und rechneten damit, dass es ein paar Monate später wieder besser gehen würde, so Wrisley.

Doch als sich die Monate hinzogen, wurden die Verlautbarungen der Regierung „sehr, sehr verwirrend.“ Es gab einen Lockdown, willkürliche Alkoholverbote und kaum Unterstützung für die Branche, so dass die Gastronomen weitgehend auf sich allein gestellt waren. In diesem Sommer schloss Wrisley das Soul Food Mahanakorn für immer.

„Meine Frau und ich haben alles in unser Geschäft gesteckt und das letzte Mal abgeschlossen“, sagte er. „Ich werde dieses Gefühl nie vergessen.“ Seine Mitarbeiter, die zehn Jahre lang bei ihm waren, musste er alle entlassen.

Seit der asiatischen Finanzkrise von 1997, die in Thailand ihren Anfang nahm und mehrere südostasiatische Volkswirtschaften in den Ruin trieb, haben sich Entwicklung und Wachstum in der Region, wenn auch nur zögerlich und ungleichmäßig, robust gezeigt.

Die Länder des ASEAN-Verbundes haben eine enorme Gesamtbevölkerung (etwa 650 Millionen Menschen) und ein atemberaubendes kumuliertes Bruttoinlandsprodukt von ca. 2,8 Billionen Dollar.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama war ein häufiger Besucher der Region und erzählte oft von seiner Jugend in Indonesien, auch wenn er die Vereinigten Staaten nie ganz nach Asien ausrichten konnte, wie er es sich ursprünglich vorgestellt hatte.

Nachdem Südostasien von der Trump-Regierung weitgehend ignoriert wurde, hat Präsident Joe Biden begonnen, der Region mehr Aufmerksamkeit zu schenken: Vizepräsidentin Kamala Harris reiste nach Singapur und Vietnam. Diejenigen, die seit langem ein Engagement der USA in der Region fordern, hoffen, dass dieses Ziel nach dem Abzug der USA aus Afghanistan endlich verwirklicht werden kann. Möglich ist das durchaus, weil Biden Taiwan im Hinblick auf den Dauerstreit mit China seine volle Unterstützung zugesichert hat.

Doch auch das Engagement der USA nutzt wenig in einer Zeit mit wenig rosiger Zukunftsaussicht. In einer Region, die sich scheinbar unaufhaltsam im Aufwind befand, hat Corona die Aussichten auf Fortschritte stark beeinträchtigt.

Als die Krise im vergangenen Jahr ihren Lauf nahm, konnten viele Länder Südostasiens beneidenswerte Erfolge verbuchen, indem sie großflächige Ausbrüche verhinderten. Doch das Auftreten der weitaus ansteckungsfähigeren Delta-Variante in diesem Sommer und die mangelnde Verfügbarkeit von Impfstoffen ließen die Zahl der Fälle in die Höhe schnellen.

Diese Faktoren haben u.a. dazu geführt, dass Südostasien zu einem regionalen Hotspot im weltweiten Kampf gegen Corona wurde, schrieb eine Gruppe von Experten in der medizinischen Fachzeitschrift „Nature Medicine“. Sie warnten davor, dass diese Region „den weltweiten Erfolg der Corona-Bekämpfung auf der letzten Meile zurückwerfen könnte.“

Die sich immer weiter ausbreitende Gesundheitskrise kollidiert mit der aufgewühlten politischen Unzufriedenheit und wird in einigen Fällen durch diese noch verschärft. Das Militär in Burma hat seit einem katastrophalen Staatsstreich im Februar mehr als 1000 Menschen getötet, was das Gesundheitssystem des Landes weiter verschlechtert hat. Der malaysische Premierminister trat aufgrund der weit verbreiteten Kritik an seinem Umgang mit der Pandemie von seinem Amt zurück. In Thailand kommt es ständig zu Protesten, auch wegen der Corona-Maßnahmen der Regierung. Der Regierungswechsel in Vietnam hat die Impfpläne dort verlangsamt.

Da es sich bei Corona allerdings um eine saisonale Atemwegsinfektion handelt – und das ist die gute Nachricht – sinken die Fallzahlen in Südostasien seit einiger Zeit rapide.

Post source : https://www.theatlantic.com/international/archive/2021/08/asia-pandemic-delta/619862/

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