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Eine kuriose Elefantengeschichte

Eine kuriose Elefantengeschichte

Es klingt wie eine Weihnachtsgeschichte: Die 45 Jahre alte Elefantenkuh Sudarat wurde mittels einer weltweiten Spendenkampagne davor bewahrt, in die Tourismusindustrie zurückgedrängt zu werden. 47.000 US-Dollar (1,5 Millionen Baht) wurden gesammelt, um sie ihrem Besitzer abzukaufen.

„Unsere Hoffnung, Sudarat zu retten und sie für immer im Samui Elephant Haven bei ihrer Familie und ihren Freunden unterzubringen, ist Wirklichkeit geworden“, teilte die Elefanten-Rettungsstation auf Facebook mit.

Während Internetnutzer aus aller Welt die gute Nachricht feierten, warf die Geschichte von Sudarats Rettung Fragen über den Zustand des Tierschutzes, insbesondere der Elefanten, in Thailand und die Überschneidungen von Kultur, Tierschutz und Tourismus auf.

Die Dame der Stunde

Sudarat hat, wie die meisten gezähmten und kommerzialisierten Arbeitselefanten in Thailand, ein langes und tragisches Leben hinter sich. Sie begann ihr Leben als Waldelefant im Norden Thailands, wo sie gezwungen wurde, im Stehen zu schlafen. Später wurde sie an eine Mahout-Familie in Pattaya verkauft, wo Sudarat in der Tourismusbranche eingesetzt wurde. Sie transportierte bis zu 60 Mal am Tag Touristen und fast ein Jahrzehnt lang lief sie auf heißem Beton, um der Familie ein Einkommen zu verschaffen.

Nachdem Sudarats Mahout einen lebensbedrohlichen Unfall hatte, schickte seine Familie sie ins Tierheim. Aber nach drei Jahren, in denen Sudarat als Elefant im Ruhestand mit ihrer neu gefundenen Familie und einer Herde von vier Elefanten in Freiheit lebte, wollte die Familie sie zurückhaben.

„Da der Mahout ihr rechtmäßiger Besitzer ist, haben wir leider nicht das Recht, Sudarat zu behalten“, teilte die Auffangstation auf ihrer Facebook-Seite mit.

„In den letzten Jahren haben wir immer wieder versucht, mit ihrem Besitzer zu verhandeln in der Hoffnung, Sudarat zu kaufen, damit sie für immer bei uns und ihrer Herde bleiben kann. Er will Sudarat jedoch nicht an uns zu verkaufen. Dennoch danken wir allen für ihr freundliches Angebot, Geld zu sammeln und auf jede erdenkliche Weise zu helfen.“

Dass Sudarat sich im Tierheim zur Ruhe setzen kann, schien noch vor kurzem sehr unwahrscheinlich. Der Besitzer verlangte 1,5 Millionen Baht für ihren sofortigen Kauf – keine geringe Summe in einem Land, das durch die Corona-Maßnahmen wirtschaftlich sehr gelitten hat.

Man habe kaum Zeit, „um das Geld aufzubringen, da er bereits einen Lastwagen und ein Team organisiert hat, um das Tier abzuholen“, so die Rettungsstation.

Was dann geschah, hat sich im Internet verbreitet. Durch die Gutherzigkeit von Fremden gelang es mittels einer weltweiten Spendenkampagne, genug Geld zu sammeln, um Sudarat freizukaufen.

Der Preis der Freiheit

Doch trotz der Wohlfühlgeschichte, die die Aufmerksamkeit und Bewunderung der User in sozialen Medien auf sich gezogen hat, haben viele Experten ihre Besorgnis über den Geldbetrag geäußert, der für den Kauf von Sudarat an ihren Besitzer gezahlt wurde.

„Ein Elefant ist normalerweise nur ein Drittel des Preises wert“, sagte Edwin Wiek, der Leiter der Wildlife Friends Foundation of Thailand.

Wiek sagte, dass der Besitzer des Elefanten mit dem Geld, das für Sudarat gezahlt wurde, leicht weitere Tiere für diese Summe kaufen könnte.

„Der Besitzer sollte nicht belohnt werden“, argumentiert Wiek. „Manchmal muss man mit harten Bandagen kämpfen. Der Besitzer hätte wahrscheinlich viel weniger akzeptiert, da die Elefanten in Thailand, die hauptsächlich für die Tourismusindustrie genutzt werden, in den nächsten Jahren [wegen Corona] nutzlos sein werden.“

Kein klarer Schnitt

Online-Kommentatoren haben auf die Grausamkeiten hingewiesen, die mit der Domestizierung von Elefanten verbunden sind. Mahouts sind dafür bekannt, die großen Tiere zu schlagen und zu quälen, um sie zähmen, damit sie Befehlen gehorchen.

Doch die Thais und die anderen Völker Südostasiens verbindet eine lange Geschichte mit Elefanten, die beinahe Jahrtausende zurückreicht. Während der Domestizierungsprozess für Außenstehende grausam erscheinen mag, verteidigen die Mahouts diese schreckliche Tierquälerei als Teil der thailändischen Tradition und Kultur. Viele entwickeln eine enge Beziehung zu den Tieren, die sie trainieren.

Laut Suriya Salangam, dem Besitzer von Samui Elephant Haven, wollte die Familie des Mahouts anfangs das Geld nicht annehmen, das für den Elefanten gezahlt werden sollte, sondern ausschließlich den Elefanten.

Suriya sagte, dass es falsch sei, diese Angelegenheit als schwarz oder weiß darzustellen und dass der Mahout kein böser Mann sei, der Sudarat zurück in die Sklaverei zwingen wollte. Vielmehr wollte er, dass ein Mitglied seiner Familie zurückkehrt, um das Familienunternehmen zu unterstützen.

„Die Haupteinnahmequelle der Familie war der Elefant“, sagte er und fügte hinzu, dass es ihm nicht zustehe, darüber zu urteilen, was richtig oder falsch sei. Allerdings räumte er ein, dass die Summe, die an den Mahut gezahlt wurde, Anlass zur Sorge gebe.

Menschen, die von außen darauf schauen, verstehen vielleicht nicht den Prozess und die Anstrengungen, die intern nötig waren, um das Projekt Wirklichkeit werden zu lassen, sagte Suriya.

„Wir haben drei Jahre lang verhandelt, wir haben versucht zu reden, wir haben versucht zu verhandeln, aber wenn es das ist, was nötig ist, dann werden wir es akzeptieren.

Ich glaube nicht, dass man das Leben mit Geld messen kann. Sie mögen denken, dass 1,5 Millionen Baht zu viel sind, aber das war es wert“, sagte er. Der Fokus liege auf den Elefanten, die sich derzeit in seiner Obhut befinden.

Die Zahlen

Offizielle Statistiken besagen, dass in Thailand fast 3800 Elefanten in Gefangenschaft leben. Diese Zahl ist weit entfernt von den Zeiten Anfang des 19. Jahrhunderts, als es schätzungsweise 100.000 domestizierte Elefanten in dem Land gab. In freier Wildbahn gibt es in Thailand schätzungsweise nur noch 1000 Dickhäuter.

 

Post source : https://www.thaienquirer.com/33295/the-curious-tale-of-sudarat-the-elephant/

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