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Abrutschen in die Armut

Abrutschen in die Armut

Covid-19 wird irgendwann als unmittelbare Bedrohung verschwunden sein. Doch die Auswirkungen werden länger anhalten. Regierungen in der ganzen Welt, auch in Thailand, stehen vor großen Herausforderungen, wenn sie versuchen, das Konjunkturprogramm zu finanzieren, das notwendig sein wird, um die Länder wieder auf die Beine zu bekommen.

Der jüngste Armutsbericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) warnt davor, dass fünf Milliarden Menschen in 70 von 109 Entwicklungsländern unter Armutsproblemen wie Einkommensverlusten, schlechten Bildungs- und Gesundheitsversorgungsmöglichkeiten, unzureichender Ernährung, unzureichenden Arbeitsmöglichkeiten und einer menschenunwürdigen Umwelt leiden.

Laut der UNDP-Studie schneidet Thailand bei der Erhebung des sogenannten „multidimensionalen Armutsindex“ (MPI) unter den ASEAN-Ländern am schlechtesten ab.

Im Rahmen der MPI-Erhebung werden seit 2019 Daten aus 70 Entwicklungsländern gesammelt. Er behandelt die Armut in verschiedenen Dimensionen, anstatt sich an den traditionellen Maßstab des Einkommens pro Haushalt zu halten. Der MPI untersucht Armut in zehn Bereichen und vergibt entsprechende Punktzahlen. Zu den Indizes gehören neben dem Einkommen beispielsweise auch der Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung, gute Ernährung, soziale Gerechtigkeit und der Lebensstandard.

Die Erhebung zeigt, dass Thailands MPI bei 0,002 liegt, dem niedrigsten Wert unter den Ländern des ASEAN-Verbundes. Unsere Nachbarländer haben bessere Werte: Burma (0,176), Kambodscha (0,170) und Laos (0,108), während Länder mit einem ähnlichen Wirtschaftsprofil ebenfalls bessere Werte erzielen: die Philippinen (0,024), Vietnam (0,019) und Indonesien (0,014). Thailands Wert ist auch niedriger als der der Region Ostasien und Pazifik (0,023).

In früheren Erhebungen schnitt Thailand besser ab. In den Jahren 2015/2016 und 2012 lag der Index bei 0,003 bzw. 0,005.

Für die thailändische Politik bedeutet dies, dass Geld möglicherweise nicht die einzige Antwort auf die Armutsbekämpfung ist. In der Kategorie Einkommen erzielte Thailand eine höhere Punktzahl – 0,5 Prozent.

In anderen Bereichen wurde das Land jedoch schlechter bewertet. So schnitt es beispielsweise bei der Anzahl der Schuljahre und dem Zugang zu gesunden und sauberen Lebensmitteln schlechter ab.

Die Studie wirft wichtige Fragen auf. Funktioniert die Politik der Regierung zur Beseitigung der Armut? Fairerweise muss man sagen, dass die thailändischen Regierungen seit einem halben Jahrhundert gegen die Armut ankämpfen und enorme Haushaltsmittel dafür bereitstellen.

Die ersten Bemühungen zur Beseitigung der Armut begannen 1975 unter der ersten vom Volk gewählten Zivilregierung von Premierminister Kukrit Pramoj. Er begann mit dem ersten Programm zur Armutsbekämpfung, das „ngön bhan“ oder „Umleitungsfonds“ genannt wurde.

Der Fonds gab 2,5 Milliarden Baht aus, eine für die damalige Zeit enorme Summe, um Landbewohner für Arbeiten im öffentlichen Dienst einzustellen, beispielsweise für das Graben von Wasserwegen, Kanälen oder Wasserauffangbecken, für die Reparatur von öffentlichem Eigentum und die Installation von Strommasten.

Eine weitere populäre Maßnahme zur Armutsbekämpfung war der „One Million Baht Village Fund“, der im Jahr 2000 unter dem damaligen Premierminister Thaksin Shinawatra entwickelt wurde. Bei diesem Programm handelte es sich um ein revolvierendes Darlehen für Dorfbewohner, das als Startkapital für Unternehmen verwendet werden konnte.

Beide Programme unterschieden sich zwar im Detail, verfolgten aber den gleichen Ansatz, nämlich die Bereitstellung von Bargeld und die Schaffung von Arbeitsplätzen, um den Leuten zu helfen, die Armutsgrenze zu überwinden.

Das Armutsbekämpfungsprogramm von Premierminister General Prayuth Chan-ocha ist nicht viel anders. Mit den 2018 eingeführten staatlichen Wohlfahrtskarten wurde Bargeld an 14 Millionen Menschen mit niedrigem Einkommen überwiesen.

Bargeld und Arbeitsplätze sind für jede Maßnahme zur Armutsbekämpfung unerlässlich, doch die Wirkung ist nicht nachhaltig.

In den letzten 30 Jahren ist die relative Armutsquote in Thailand von 65 Prozent im Jahr 1988 auf 9,85 Prozent im Jahr 2018 gesunken. Die Quote der extremen Armut, die von der Weltbank als diejenigen gemessen wird, die mit weniger als 1,90 US-Dollar (60 Baht) pro Tag auskommen müssen, liegt praktisch bei Null.

In den letzten Jahren hat die Armut jedoch wieder zugenommen. Laut einem Bericht der Weltbank aus dem vergangenen Jahr stieg sie zwischen 2015 und 2018 von 7,2 Prozent auf 9,8 Prozent. Thailand hat mit 90,2 Prozent die vierthöchste Vermögensungleichheit der Welt, was bedeutet, dass es eine große Kluft zwischen den Reichsten und den Ärmsten gibt.

Es erübrigt sich zu erwähnen, dass die Corona-Krise Salz in die Wunde streut.

In den kommenden Jahren wird die Regierung bei der Armutsbekämpfung vor einer schwierigen Aufgabe stehen, denn die Bedingungen werden sich weiter verschlechtern und komplexer werden – durch die Alterung der Gesellschaft, den digitalen Wandel und den Klimawandel, der vor allem die Landwirtschaft treffen wird.

Im Kampf gegen die Staatsverschuldung muss die Regierung klüger arbeiten und kreativer sein, um das Problem anzugehen. Die Regierung kann den Wohlstand steigern, indem sie einfach die Gesetze und die öffentliche Ordnung durchsetzt, um die Luftverschmutzung zu beseitigen, giftige Rückstände in Lebensmitteln zu reduzieren, die Bildung gerechter zu gestalten und eine angemessene Gesundheitsversorgung für alle zugänglich zu machen. Das wäre zumindest ein Anfang.

Post source : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/2199079/poverty-slide-can-be-arrested

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