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Das Los der Expats

Das Los der Expats

Wenn die Regierung wohlhabende Ausländer und qualifizierte Fachkräfte anlocken will, damit sie Thailand zu ihrer zweiten Heimat machen, sollte sie zunächst die vielen Ausländer besser behandeln, die bereits im Land leben.

Wenn der Staat dazu nicht in der Lage ist, was für eine Botschaft sendet er dann an reiche Ausländer, die er anzulocken hofft?

Die Nachricht über das Vorhaben, wohlhabende Ausländer einzuladen, kommt zu einem Zeitpunkt, da die Regierung versucht, die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Das soll auch durch Ausländer geschehen, von denen sich die Regierung erhofft, dass sie dazu beitragen, Thailands Finanzkraft zu stärken.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Regierung wohlhabenden ausländischen Ruheständlern Elitevisa anbietet. Das Ergebnis war ermutigend. Die Zahl der Anträge von wohlhabenden Rentnern ist zwischen 2016 und 2019 um mehr als 30 Prozent gestiegen, was darauf hindeutet, dass diese Maßnahme eine Zeit lang erfolgreich war.

Im Jahr 2018 stellte Thailand fast 80.000 Rentnervisa aus, 30 Prozent mehr als 2014. Der Bericht zitiert eine Studie der Kasikorn Bank, die schätzt, dass im Jahr 2016 68.300 Ausländer über 50 Jahre im Besitz eines Langzeitvisums waren, was einem Anstieg von neun Prozent gegenüber den beiden Vorjahren entspricht.

Da es jetzt sieht so aussieht, als ob die Corona-Infektionsrate ihren Höhepunkt überschritten haben könnte, bereitet sich die Regierung von General Prayuth Chan-ocha auf die geplante Wiedereröffnung des Landes bis Jahresende und die Wiederbelebung der schwer angeschlagenen Tourismusindustrie vor.

Regierungssprecher Thanakorn Wangboonkongchana gab dieserhalb einen Plan zur Ankurbelung der von den Corona-Maßnahmen betroffenen Wirtschaft bekannt: einem vom Kabinett genehmigten Vorhaben, wonach Ausländern im Rahmen eines Konjunktur- und Investitionsförderungspakets Zehn-Jahres-Visa angeboten werden sollen.

Die Regierung wolle in den nächsten fünf Jahren, beginnend im kommenden Jahr, mehr als eine Million qualifizierte Ausländer anlocken, sagte er.

Diese Ausländer sollen verschiedene Vergünstigungen erhalten, darunter eine automatische Arbeitserlaubnis, die gleichen Einkommenssteuersätze wie thailändische Staatsbürger, Steuerbefreiungen für im Ausland erwirtschaftetes Einkommen und Eigentum an Immobilien und Grundstücken.

Allerdings müssen sie bestimmte Investitionen und berufliche Beiträge zum Land leisten. So wird von ihnen erwartet, dass sie mindestens 16,5 Millionen Baht in Staatsanleihen oder Immobilien investieren, es sei denn, es handelt sich um einen „hochqualifizierten Fachmann“, der für bestimmte Branchen von Nutzen ist.

Ob dieses Angebot ausreicht, um wohlhabende Investoren nach Thailand zu locken, bleibt abzuwarten. Abgesehen von einer Liste, was die Regierung als Gegenleistung für die Langzeitvisa verlangt, sind noch nicht genügend Einzelheiten bekannt, um abzuschätzen, ob der Plan Erfolg haben wird.

Es gibt jedoch deutliche Anzeichen dafür, dass die Regierung die Ausländer, die bereits hier sind und zur Wirtschaft des Landes beitragen, vernachlässigt.

Mitglieder der ausländischen Gemeinschaft in Thailand haben ihre Enttäuschung über den Plan zum Ausdruck gebracht. Einige meinen, der Schritt sei ein Schlag ins Gesicht – und das zu Recht.

Die Regierung hat sich im Umgang mit Einwanderungsfragen selbstzufrieden gezeigt. Das Einwanderungssystem ist in den letzten Jahren für Ausländer verschärft worden, was den Aufenthalt im Land erschwert hat. Ausländer müssen sich alle 90 Tage bei den Behörden melden, um sicherzustellen, dass niemand seinen Aufenthalt überzieht – eine Maßnahme, die für die meisten nicht sinnvoll erscheint.

Abgesehen von unnötigen Beschränkungen gibt es auch Berichte über Korruption im Immigration-System. Viele Ausländer berichteten, dass sie Probleme bei der Verlängerung ihrer Jahresvisa hatten und Schmiergelder an die Beamten zahlen mussten. Und das sind nur einige der Probleme – anderen Ausländern geht es viel schlechter.

Der Begriff „Expatriate“ bzw. „Expat“ bezieht sich auf alle Ausländer, die im Land arbeiten – nicht nur auf gebildete Westler. Laut einer Studie der Mahidol-Universität lebten im Jahr 2010 etwa 2,5 Millionen Ausländer im Land, darunter etwa 1,8 Millionen Menschen aus den Nachbarländern und rund 27.000 Westler. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) gab vor kurzem bekannt, dass etwa 700.000 ausländische Arbeitnehmer in Thailand, vor allem in der Tourismus-, Dienstleistungs- und Baubranche, ihren Arbeitsplatz wegen der durch die Regierung ergriffenen Anti-Corona-Maßnahmen verloren haben.

Der Beitrag dieser im Ausland lebenden Menschen, die oft als Migranten- oder Gastarbeiter bezeichnet werden, wird selten anerkannt. Viele von ihnen werden nicht so gut behandelt wie andere Ausländer, was vielleicht auf ihren niedrigen Einkommensstatus zurückzuführen ist. Während wohlhabende Expats es sich leisten können, in gehobenen Eigentumswohnungen und Stadthäusern zu wohnen, haben ausländische Bauarbeiter, Zimmermädchen und Tagelöhner weniger ideale Lebensbedingungen. Während Corona wurden einige ausländische Bauarbeiter aus Angst vor Ansteckung in ihren Quartieren eingesperrt.

Die Regierung hätte diese Berichte berücksichtigen und Maßnahmen zur Verbesserung des Einwanderungsverfahrens ergreifen müssen. Es gibt so viel zu tun, dass es zweifelhaft ist, ob die Regierung alle Immigration-Probleme bis Ende des Jahres lösen kann. Das Fazit ist eindeutig: Viele Ausländer – unabhängig von ihrem Beruf – haben das Gefühl, hängen gelassen zu werden.

Post source : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/2184123/foreign-expats-lot-a-mixed-bag

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