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Immobilienkrise stellt China auf die Probe

Immobilienkrise stellt China auf die Probe

Die Krise des Immobilienkonzerns China Evergrande stellt den chinesischen Präsident Xi Jinping vor ein 305 Milliarden Dollar schweres Rätsel: Wie kann man finanzielle Disziplin durchsetzen, ohne soziale Unruhen zu schüren?

Ein Jahr bevor sich der chinesische Präsident eine dritte fünfjährige Amtszeit sichern will, steht viel auf dem Spiel – und das in der wohl folgenreichsten Phase seiner Amtszeit.

Das Modell von Evergrande, Kredite aufzunehmen, um zu bauen, wurde durch die Regierung ermöglicht, die auf den Verkauf von Immobilien angewiesen ist, um Einnahmen zu erzielen. Sie war nicht bereit, in den sauren Apfel zu beißen, weil sie befürchtete, dass ein Preisverfall verheerende Folgen für ein Land hätte, in dem Immobilien 40 Prozent des Vermögens der Haushalte ausmachen, so jedenfalls Analysten, Akademiker und Ökonomen.

Xi, der in diesem Jahr im Namen des „gemeinsamen Wohlstands“ eine Flut von Industrie- und Gesellschaftsreformen eingeleitet hat, machte deutlich, dass die Exzesse eines jahrzehntelangen halsbrecherischen Wachstums, das durch einen unaufhaltsamen Anstieg der Immobilienpreise und der Verschuldung angetrieben wurde, eingedämmt werden müssen.

Doch die Mitverantwortung für die Krise von Evergrande – und die Sorge über die Auswirkungen eines chaotischen Zusammenbruchs – erschweren die Entscheidung über das Schicksal eines Konglomerats mit unglaublichen 305 Milliarden Dollar Schulden, das sich abmüht, seine Gläubiger zu bezahlen.

„Die Regierung hat die Probleme von Evergrande bis zu einem gewissen Grad verursacht“, sagte Andrew Collier, Managing Director bei Orient Capital Research, und verwies auf die als „drei rote Linien“ bekannten Obergrenzen für die Schuldenquote, die Bauträgern im Jahr 2020 auferlegt wurden und Evergrande unter erheblichen Druck setzten und das Unternehmen zum Verkauf von Vermögenswerten zwangen.

Diese Obergrenzen wurden geschaffen, weil Behörden über die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt besorgt waren. Dort kam es nach einer Lockerung der Geldpolitik zur Abfederung der Auswirkungen von Corona zu einem sprunghaften Anstieg der Verkäufe und Anzeichen für spekulative Überbauung durch die Bauträger.

Die Eindämmung der Immobilienpreise ist jedoch angesichts der fiskalischen Abhängigkeit von diesem Sektor schwierig. Die Kommunalverwaltungen, auf die nach Schätzungen von Orient Capital 89 Prozent der gesamten Staatsausgaben entfallen, erzielten im Jahr 2020 mehr als 40 Prozent der Einnahmen aus Grundstücksverkäufen, was zu einer wechselseitigen Abhängigkeit mit den Bauträgern führt.

„Bauträger scheinen sich in der politischen Ökonomie zu verfangen, was in der Tat zu einer enormen Anzahl von Fehlentscheidungen führt, weil man jetzt Investitionen auf der Grundlage politischer Launen tätigt und nicht mehr auf der Grundlage eines gesunden Geschäftssinns“, so Fraser Howie, Autor mehrerer Bücher über Chinas Finanzsystem.

Die Wurzeln der Krise reichen bis zur Steuerreform von 1994 zurück, die die Kassen der Zentralregierung auffüllte, die Regionalregierungen aber von der Finanzierung von Grundstücken abhängig machten, so Alfred Wu, außerordentlicher Professor an der Lee Kuan Yew School of Public Policy in Singapur.

Das löste einen Anstieg der Immobilienpreise und das Wachstum von Bauträgern wie Evergrande aus, die in Städten florierten.

„Evergrande ist ein Goldesel für die Regionalregierungen. Wenn das Unternehmen Pleite geht, wird auch das Modell der Grundstücksfinanzierung der Regionalregierungen scheitern. Die Zentralregierung wird das nicht zulassen“, sagte Wu.

Das stabilitätsbesessene Peking ist sich sehr wohl bewusst, dass der Wachstum des Immobilienmarktes nicht nur zu großem Reichtum, sondern auch zu großer Ungleichheit geführt hat.

Ein Portfoliomanager mit Sitz außerhalb Chinas, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte, dass die regierungskritischen Proteste in Hongkong im Jahr 2019, die zum Teil auf die durch utopischen Wohnkosten verursachte Ungleichheit zurückgeführt wurden, ein Weckruf für Peking waren.

In diesem Jahr hat sich Xi vorgenommen, die „drei riesigen Berge“ Wohnungsbau, Bildung und Gesundheitswesen zu reformieren, um die steigenden Kosten für die Stadtbewohner einzudämmen und so seine Legitimität als „Anführer des Volkes“ zu stärken, so die Analysten.

Proteste von verärgerten Lieferanten, Immobilienkäufern und Investoren verdeutlichen die Unzufriedenheit, die sich im Falle eines Zahlungsausfalls bei anderen Bauträgern noch verstärken könnte.

UBS schätzt, dass es zehn Bauträger mit potenziell riskanten Positionen gibt, die zusammen einen Vertragsumsatz von fast 290 Milliarden Dollar haben, was beinahe das Dreifache von Evergrande ausmacht.

Dennoch halten viele Analysten eine umfassendere Krise für unwahrscheinlich und sagen voraus, dass die Behörden einen Weg wählen werden, der den gesamten Immobiliensektor unter Druck setzt, während sie einzelne Probleme angehen, sobald sie entstehen.

Post source : https://www.reuters.com/world/china/xi-china-evergrande-delicate-balancing-act-2021-09-24/

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