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Thailands Sehenswürdigkeiten schließen

Thailands Sehenswürdigkeiten schließen

Für Mitte Oktober ist die vollständige Wiedereröffnung Thailands für geimpfte Besucher geplant. Manch einer mag sich fragen, welchen Grund ein Tourist haben könnte, in dem durch die Corona-Maßnahmen verwüsteten Land Urlaub machen zu wollen. Damit nicht genug: Nach und nach verschwinden jetzt auch noch die Touristenattraktionen.

Der Train Night Market Ratchada, Bangkoks beliebter Flohmarkt, bekannt als Talat Rot Fai, ist eines der jüngsten Opfer des Coronavirus. Er sollte am 1. August wieder in Betrieb genommen werden, nachdem er aufgrund der Corona-Beschränkungen der Regierung vorübergehend geschlossen worden war. Doch nun wurde er auf unbestimmte Zeit geschlossen.

Die jährlichen Einnahmen der thailändischen Tourismusindustrie sind im vergangenen Jahr um 71 Prozent und in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 74 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. In der Zeit vor Corona machten der Tourismus und die damit verbundenen Unternehmen zwischen 15 und 20 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts aus.

Im Juni erklärte Premierminister General Prayuth Chan-ocha in einer Fernsehansprache, dass Thailand seine Grenzen für geimpfte Touristen innerhalb von 120 Tagen wieder vollständig öffnen werde, und betonte, dass die Einnahmen aus dem Tourismus für die wirtschaftliche Erholung entscheidend seien. Obwohl die Regierung den Zeitplan nicht revidiert hat, macht die Delta-Variante, die zurzeit grassiert, der Regierung möglicherweise einen Strich durch die Rechnung.

Die Corona-Situation lässt vor allem internationale Touristen zweimal überlegen, ob sie nach Thailand kommen. Das US-Zentrum für Seuchenkontrolle und -prävention hat Thailand auf die höchste Corona-Stufe (Level 4) eingestuft. „Aufgrund der aktuellen Situation in Thailand besteht selbst für vollständig geimpfte Reisende das Risiko, sich mit Corona-Varianten anzustecken und diese zu verbreiten“, so die Behörde auf ihrer Website.

Selbst das immer so vorsichtige deutsche Auswärtige Amt rät von Reisen nach Thailand ab, das von den Deutschen am 8. August als „Hochrisikogebiet“ eingestuft worden ist.

Die thailändische Regierung rechnet optimistisch mit einem Nachholbedarf bei den ankommenden Touristen, sobald das Land wieder geöffnet ist. Obwohl Thailand nach wie vor über zahlreiche kulturelle und landschaftliche Attraktionen verfügt, die internationale Besucher anziehen würden, könnten sich die schwindenden Tourismusressourcen in naher Zukunft negativ auf den Zustrom von Touristen oder die Zufriedenheit der Gäste auswirken.

Der 2015 eröffnete Talat Rot Fai hat sowohl die Bangkoker als auch internationale Touristen schnell in seinen Bann gezogen, weil er von oben betrachtet mit seinen geordneten Reihen von Verkaufsständen und ihren bunten Stoffdächern wie ein abstraktes Gemälde aussieht.

Fotos des Marktes, die von der vierten Ebene eines Parkhauses des nahe gelegenen Einkaufszentrums Esplanade Ratchada aufgenommen wurden, sind in den sozialen Medien wie Twitter und Instagram fast zu einem Klischee geworden. In der Zeit vor Corona haben Besucher auf diesem Markt gerne Antiquitäten und Souvenirs eingekauft, an den Ständen gegessen und getrunken und sich mit anderen Leuten unterhalten.

Heute ist der Markt nur noch ein Schatten seiner selbst. Nur noch wenige Zelte sind übrig geblieben, die nach und nach abgebaut werden. Die Masten und Kabel, die für die Beleuchtung der bunten Schirme gesorgt hatten, liegen jetzt auf dem Betonboden.

Eine Verkäuferin berichtete, man habe ihr gesagt, sie solle ihre Sachen packen und verschwinden. Einem lokalen Bericht zufolge sagte ein Marktverwalter, der Markt werde angeblich nicht endgültig geschlossen.

Selbst wenn das stimmt, sollte man bedenken, dass die touristische Infrastruktur in Thailand inzwischen weitestgehend zerschlagen wurde. Es wird nicht gelingen, diese von heute auf morgen neu aufzubauen.

Während der ersten Corona-Welle im März 2020 und der zweiten Welle im Dezember 2020 musste der Talat Rot Fai monatelang geschlossen bleiben, überlebte aber knapp. Die dritte Welle im April dieses Jahres, die durch die Delta-Variante und der verhängten nächtlichen Ausgangssperre noch verschärft wurde, versetzten dem Markt, auf dem zuvor abends das Leben pulsierte, den Todesstoß.

Anderswo in Thailand schloss der Tigerzoo Si Racha in Chonburi nach 24 Jahren auf unbestimmte Zeit. Die Touristenattraktion war sowohl bei einheimischen als auch ausländischen Touristen beliebt. Früher zählte der Zoo 1,5 Millionen Besucher pro Jahr.

„An Tagen, an denen keine ausländischen Touristen kommen, können wir den Betrieb nicht aufrechterhalten“, hieß es in einem Facebook-Post des Zoos. „Wir glauben, dass der Betrieb eines privaten Tourismusunternehmens wie eines großen Zoos körperliche und geistige Stärke, Geduld und vor allem Kapital erfordert.“

Der Zoo versuchte im Mai, elf Elefanten für je drei Millionen Baht zu verkaufen, aber der Verkauf wurde von den Behörden aufgehalten, weil Elefanten eine geschützte Art sind, die nur zu Forschungs- oder Vermehrungszwecken zwischen Zoos ausgetauscht werden dürfen.

Rund 5000 Tiere – darunter Tiger, Krokodile, Elefanten und Kamele – wurden vorerst in ein neues Zuhause auf einem Grundstück der Verwaltungsgesellschaft des Zoos gebracht. Tierschützer hatten kritisiert, dass der Zoo Tiger in Shows einsetzt und sie unter schlechten Bedingungen hält.

Der Tigerzoo Si Racha sagte, man könne nicht vorhersagen, ob der Zoo wieder öffnen wird.

Der Zoo und der Talat Rot Fai sind nur zwei Beispiele für die vielen Touristenattraktionen, die die Anti-Corona-Maßnahmen nicht überstanden haben. Die von der Regierung vorgeschlagene Wiedereröffnung soll verhindern, dass noch mehr Unternehmen in Konkurs gehen.

Post source : https://asia.nikkei.com/Business/Business-trends/Thailand-s-tourism-resources-dwindle-ahead-of-reopening

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