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Taiwan: Spannungen mit China nehmen

Taiwan: Spannungen mit China nehmen

Die steigenden Spannungen mit China haben auch einen negativen Einfluss auf Autoren in Taiwan. Sie sagen, dass der schrumpfende Zugang zum Festlandmarkt nicht nur Auswirkungen auf die Verkaufszahlen hat, sondern gleichzeitig die Möglichkeiten schwinden, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Zu Kritik führte, dass Taiwan plant, Bücher vom Festland auf Propaganda zu überprüfen. Das würde den Inselstaat in autoritäre Gewohnheiten zurückfallen lassen.

Die taiwanesische Autorin Iris Chiang scheint kaum der Typ zu sein, deren Werk auf dem chinesischen Festland verboten werden würde. Doch vier Jahre nach dem Verkauf an einen chinesischen Verlag ist ihr Buch, in dem sie Kindern beibringt, Kunst zu schätzen, immer noch nicht in Druck gegangen. Das Buch bzw. dessen Autorin ist ein Opfer der verschärften Spannungen zwischen Taiwan und China, die auch auf den kulturellen Bereich übergreifen.

Es geht nicht nur darum, den Zugang zum riesigen chinesischen Markt zu verlieren, sagen Autoren und Verleger. Es geht auch um den Verlust von Möglichkeiten des Austauschs und der Vernetzung, nachdem der Kontakt zwischen den beiden Ländern drei Jahrzehnte lang gewachsen ist. In den letzten Jahren hat das Festland den Strom von Touristen und Studenten nach Taiwan und seinen Künstlern die Teilnahme an den taiwanesischen Preisverleihungen Goldener Hahn und Goldene Melodie verwehrt, die als die Oscars und Grammys für chinesischsprachige Filme und Musik gelten.

„Ich habe das Gefühl, dass sich der Austausch in den letzten Jahren auseinander entwickelt hat. Taiwan geht weiter in die eine Richtung und China geht weiter in die andere“, sagte James Chao, Leiter der China Times Publishing Group, eines der größten Verlagshäuser in Taiwan. „Es geht immer weiter auseinander.“

Peking beansprucht Taiwan, eine selbstverwaltete Insel etwa 160 Kilometer vor der Ostküste Chinas, als sein Territorium. 2016 wählten die Taiwaner Tsai Ing-wen zur Präsidentin der Insel. Sie befürwortet die derzeitige De-facto-Unabhängigkeit Taiwans. Das leitete eine Phase der Verschlechterung der Beziehungen ein. China hat versucht, die Insel diplomatisch zu isolieren und sie militärisch unter Druck zu setzen.

Während die Kommunistische Partei Chinas seit langem Bücher zu sensiblen Themen – von der Religion bis hin zum Leben chinesischer Politiker – verboten hat, haben taiwanesische Verleger in der Vergangenheit eine Vielzahl anderer Bücher an das Festland verkauft, die auf der gemeinsamen Sprache und Kulturgeschichte beruhen.

„Der Austausch im Verlagswesen ist eigentlich ein Austausch von Ideen“, sagte Linden Lin, der Leiter von Linking Publishing Co in Taiwan. „Diese Art von Austausch ist nur durch das Verlagswesen möglich.“

Lektoren, Akademikern, Verlegern und Autoren zufolge ist es nun schwieriger geworden, taiwanesische Bücher auf dem Festland zu veröffentlichen. Es handelt sich nicht um ein generelles Verbot, und die Verleger machen eher die Selbstzensur ihrer Kollegen auf dem Festland als eine offizielle Anordnung verantwortlich.

Zu den nicht erschienenen Titeln gehören ein taiwanesisch-japanisches Fusionskochbuch, ein Selbsthilfebuch und ein Buch mit Reiseskizzen eines taiwanesischen Künstlers aus Peking, das Katzen zeigt, die durch die traditionellen Hutong-Viertel der Stadt streifen.

Ein Knackpunkt ist der Inhalt, denn in jedem Buch wird eine eigene taiwanesische Identität suggeriert. Vor allem die jüngeren Taiwanesen haben eine eigene Identität entwickelt. Eine Umfrage aus dem Jahr 2020 ergab, dass sich zwei Drittel der Befragten nicht als Chinesen betrachten.

„In der Vergangenheit wurden Bücher über Religion zensiert … Aber wenn es in einem Buch zum Beispiel um taiwanesisches Essen geht, ist das in Ordnung“, sagte Rosine Liu, Redakteurin bei Taiwans Business Weekly, die bereits zwei Kochbücher eines taiwanesischen Autors ans Festland verkauft hat. „Aber jetzt habe ich das Gefühl, wenn es ‚Taiwan Cuisine’ heißt, ist selbst das ein bisschen schwierig.“

Die sanftmütige Chiang dachte, sie würde ihr Buch „Spiel mit Kunst“ an wohlhabende Eltern in China vermarkten, wo die Regierung viele Menschen ermutigt, mehr Kinder zu bekommen – eine Tatsache, die sie von einem ihrer Studenten vom Festland erfuhr.

Die Verhandlungen mit dem chinesischen Verlag verliefen zunächst reibungslos. Auf dessen Wunsch hin willigte sie ein, ein Kapitel mit Beispielen aus Kunstmuseen in Taiwan zu ändern. Ein chinesischer Autor sollte diesen Teil mit einem Kapitel über Museen in China ersetzen.

Dann wurde es still auf der anderen Seite, sagte sie. Als sie sich mehr als ein Jahr später wieder meldete, teilte man ihr mit, dass der Überprüfungsprozess langsamer vor sich ginge als üblich.

„Nachdem wir eine neue Präsidentin bekommen haben, hat die Reaktion der anderen Seite eine Menge Dinge vorgebracht, die einen Austausch erschweren“, sagte Chiang.

Das steht in krassem Gegensatz zu den 1980er und 1990er Jahren, als taiwanesische Schriftsteller wie Lung Ying-tai , dessen Essays zur Debatte über Taiwans Wandel von der Einparteienherrschaft zur Demokratie beitrugen, die Aufmerksamkeit der Leser auf dem Festland auf sich zogen. Sanmao, eine in Taiwan aufgewachsene Schriftstellerin, die Geschichten über ihr Leben in der Sahara-Wüste schrieb, eroberte die Herzen einer ganzen Generation chinesischer Frauen.

Die Leute waren auf die einfachsten Dinge neugierig, da die beiden Länder nach ihrer Trennung 1949 während des Bürgerkriegs in China jahrzehntelang voneinander abgeschnitten waren.

„Damals waren die Beziehungen gut und es schien, als wolle China Taiwan wirklich verstehen“, sagte Chiang. „Was für Obst esst ihr? Wie sieht eure Kunst aus? Wie ist euer Leben? Wie feiert ihr das Neujahrsfest? Diese kleinen Dinge des Lebens.“

Auch die Taiwanesen reagieren sensibel auf die zunehmenden Spannungen, die im vergangenen Jahr durch die Debatte über ein Kinderbuch aus China deutlich wurden. Das Buch „Warten, bis Papa nach Hause kommt“ handelt von einem Jungen, dessen Vater während des Neujahrsfestes nicht in der Stadt war, weil er Corona-Patienten behandelte. Das Buch zeichnet ein rosiges Bild von Chinas Bemühungen zur Bekämpfung der Corona-Krise.

Einige Leute in Taiwan argumentierten, das Festland nutze die zensurfreie Insel zur Verbreitung von Propaganda. Ein Vorschlag der Regierung, Bücher vom Festland zu überprüfen, rief jedoch die Kritik hervor, dass Taiwan in autoritäre Gewohnheiten zurückfallen würde.

„Wenn wir sagen, wir befürchten, dass die Menschen Fake News sehen und ich ihnen helfen werde, Informationen zu filtern … wie kann man das dann Demokratie nennen?“, fragte Lai Hsiang-wai, Professor für Pressefreiheit an der National Taiwan University of Arts.

Die Regierung ließ den Vorschlag fallen und erklärte, sie werde nur Bücher zensieren, die von der Kommunistischen Partei oder der Volksbefreiungsarmee verlegt wurden.

Redakteurin Liu sagte, es sei für sie nie ein rein kommerzieller Austausch gewesen. Sie genoss es, ihre Kollegen vom Festland auf Buchmessen zu treffen und deren Arbeitsweise kennen zu lernen. Im derzeitigen politischen Klima sind diese grundlegenden menschlichen Momente des Austauschs, die den Menschen geholfen haben, eine Verbindung zueinander aufzubauen, verschwunden.

„Für mich schrumpft man in diesem rauen Umfeld auch selbst, denn diese Art der Zusammenarbeit beruht auf Gegenseitigkeit“, sagte Liu. „Am Ende tragen wir alle noch die Last des Landes und der Geschichte.“

Post source : https://www.scmp.com/news/china/politics/article/3144675/mainland-market-turns-frosty-authors-taiwan-tensions-rise?

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