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Mehr Angst um Einkommen als wegen Corona

Mehr Angst um Einkommen als wegen Corona

Der Lotus Massage Parlour öffnete seine Türen erneut Mitte Juni, und kaum einen Monat später zwangen ihn die strengeren Corona-Maßnahmen, erneut zur Schließung.

„Das ist schon das dritte Mal in diesem Jahr. Ich weiß nicht, wie lange ich noch durchhalte“, sagte die 45 Jahre alte Besitzerin Nawaporn Yotthong. „Haben wir Angst vor dem Virus? Nein. Wir haben Angst davor, dass wir kein Geld mehr zum Leben haben.“

Sie war in der Vergangenheit frustriert, wenn sie ihr Geschäft schließen musste.

„Aber jetzt fühle ich nichts mehr“, sagte Nawaporn vor dem Hintergrund leerer Kunstlederstühle, die vor Corona mit Einheimischen und Ausländern gefüllt waren, die nach stundenlangem Einkauf entlang der Sukhumvit Road Erholung suchten.

Seit Mitte Juli haben Bangkok und andere Provinzen, darunter auch Chonburi, einen stetigen Anstieg der täglichen Infektionszahlen verzeichnet, und am 12. Juli haben die Behörden strengere Anti-Corona Maßnahmen ergriffen, die zunächst für Bangkok und Umgebung sowie die Grenzprovinzen im Süden des Landes galten, sodann aber auch für andere Provinzen wie in dem schon erwähnten Chonburi.

Geschäfte in Einkaufszentren und sogenannte nicht lebensnotwendige Läden, einschließlich Massagesalons, mussten schließen.

Da sollte man sich einmal in Eigentümer von Geschäften hineinversetzen, die mit ihrem Geschäft ihre Familien ernährten und sich nun an hören müssen, dass ihre Geschäfte „nicht lebensnotwendig“ seien. In Deutschland ist es ähnlich. Dort heißt es in diesem Fall immer „nicht systemrelevant“.

Weiterhin wurden der Betrieb der öffentlichen Verkehrsmittel und die inländischen Reisedienste eingeschränkt. Hiervon ist auch der Flugverkehr betroffen. Weil die meisten Inlandsflüge über Bangkok gehen, wurde der Flugbetrieb Mitte Juli zunächst weitestgehend eingestellt.

Hinzu kommt die Ausgangssperre von 21 Uhr bis vier Uhr morgens, mit der sich allein im Großraum Bangkok über 15 Millionen Menschen konfrontiert sehen.

Außerdem wurden in ganz Bangkok und anderen Provinzen Polizeiposten eingerichtet, um die Menschen zu kontrollieren, die die im Lockdown befindlichen Zonen verlassen wollen.

Die strengen Restriktionen in den „dunkelroten Zonen“, ein Begriff, der verwendet wird, um die Provinzen mit dem höchsten Infektionsrisiko zu klassifizieren, haben das Leben und die Lebensgrundlage vieler Menschen erneut auf den Kopf gestellt, während die Nation gegen die steigenden Fallzahlen und ein überfordertes Gesundheitssystem kämpft.

Thailands tägliche Infektionszahlen bewegen sich Mitte Juli um die 10.000 neue Fälle täglich, Ende Juli waren es schon 15.000 positiv Getestete. Dabei war der Paniklevel schon recht hoch, als pro Tag 3000 neue Fälle gezählt wurden.

Die Inzidenz (ein Fall pro 100.000 Einwohner), die in Deutschland eine so wichtige Rolle spielt, ist allerdings so hoch nicht. Am 30. Juli betrug sie wenig mehr als 150.

Die öffentliche Frustration über den Umgang der Regierung mit Corona hat einen „Fieberpegel“ erreicht, sagte Jay Harriman, Senior Director der strategischen Beratungsfirma Bower Group Asia.

Proteste, die den Rücktritt von Premierminister General Prayuth Chan-ocha fordern, gibt es ebenfalls wieder, wobei die Demonstrationen von unterschiedlichen Gruppierungen organisiert werden.

Thailand hatte sich zunächst gegen einen Lockdown gewehrt, um der Wirtschaft nicht zu schaden, und stattdessen gezielte Beschränkungen für Bauarbeiterlager und Nachtlokale verhängt, wo große Infektionshäufungen ausgebrochen waren.

Als jedoch die Fallzahlen in die Höhe schnellten, „wuchs der Druck, schnell zu handeln“, sagte Harriman und bezog sich dabei auf die neuesten Maßnahmen.

Die Regierung hat auch diejenigen, die in der Lage sind, von zu Hause aus zu arbeiten, aufgefordert, dies zu tun, allerdings bedeutet dies eine geringere Anzahl von Besuchern in der Stadt.

Die Straßenhändlerin Thansamon Wongnok (46) war früher in der belebten Sukhumvit Road Soi 19 tätig, aber seit Corona-Beginn ist der Umsatz um mindestens die Hälfte zurückgegangen.

„Früher war zur Mittagszeit alles ausverkauft, aber jetzt ist es 14 Uhr und ich habe immer noch Essen“, sagte Thansamon, die dort seit fünf Jahren Omelett mit gebratenem Reis verkauft.

Stattdessen sammeln sich Menschenmassen und stehen Schlange – manchmal über Nacht – vor Testeinrichtungen, Krankenhäusern und Impfzentren in Bangkok, was das angespannte Gesundheitssystem des Landes unterstreicht.

Auch Thailands nationale Impfkampagne hat ihr ursprüngliches Monatsziel von zehn Millionen Dosen nicht erreicht. Seit Februar hat das Land fast 13 Millionen Dosen verabreicht, wobei Ende Juli etwa fünf Prozent der mehr als 66 Millionen Einwohner vollständig geimpft waren.

In Bangkok, wo die Infektionsrate am höchsten ist, sind den Krankenhäusern die Betten für schwerkranke Patienten ausgegangen. Die Regierung sagte, dass sie daran arbeite, mehr Feldlazarette einzurichten und ein Heimisolationsprogramm zu implementieren, um die Belastung zu verringern.

Im Juli berichtete ein lokaler Fernsehsender, dass ein 84 Jahre alter Mann Selbstmord beging, nachdem seine 57-jährige Tochter, die an Covid-19 erkrankt war, starb, während sie darauf wartete, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden.

Die Tragödie löste landesweit Empörung aus, da einige wie der Medienmanagerin Pornchanok S. der Meinung sind, dass die Regierung mehr tun könnte.

„Wir tragen zwei Masken, desinfizieren unsere Hände und (halten) soziale Distanz. Aber wir brauchen auch wirksame Impfstoffe“, sagte die 26-Jährige.

Das Land verlässt sich stark auf die lokal hergestellten Impfstoffe von AstraZeneca und Sinovac aus China, wobei letzterer wegen seiner Wirksamkeit gegen die übertragbareren Varianten des Virus zunehmend in Frage gestellt wird.

Ein besserer Schutz, so die Regierung, sei gewährleistet, wenn die Leute, die eine erste Sinovac-Impfung erhalten haben, eine weitere Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff bekommen.

Ob es eine gute Idee ist, zwei völlig verschiedene Impfstoffe, die komplett unterschiedlich wirken, zu mischen?

Die Nachfrage nach anderen Impfstoffen ist ebenfalls stark gestiegen. So gehörte Pornchanok zu den 2,6 Millionen Menschen, die auf der E-Commerce-Plattform Shopee versuchten, einen der 1800 Dosen des Moderna-Impfstoffs zu buchen, der von einem privaten thailändischen Krankenhaus angeboten wurde. Zwei Dosen kosten 1650 Baht.

Sie hat es nicht geschafft, eine Reservierung zu erhalten.

„Ich habe beide Dosen Sinovac bekommen, aber ich habe das Gefühl, dass ich null Schutz habe“, sagte sie.

Mit Beginn der nächtlichen Ausgangssperre wird es an der Kreuzung Asoke/ Sukhumvit Road – sonst immer ein Ort ständiger Verkehrsstaus – ruhig. Mit der Sperrstunde um 21 Uhr stellen auch die öffentlichen Verkehrsmittel ihren Betrieb ein.

Nuttakit Wongwanich (35), ein freiberuflicher Fotograf, der Anfang des Jahres seine Kamera verkaufte, um ein gemietetes Taxi fahren zu können, sagte, dass es mit seinem Verdienst schlecht aussehe. Er machte am ersten Tag der verschärften Corona-Maßnahmen nur 350 Baht.

„Ich habe keinen Gewinn“, sagte Nuttakit, der normalerweise etwa 1000 Baht täglich verdient.

Der Zustand der thailändischen Tourismusindustrie spiegelt sich in den schummrigen Gassen des berühmten Wochenendmarktes Chatuchak wider.

Der Markt ist während Corona weitgehend geöffnet geblieben, doch Souvenirhändlerin Suphaorn Sintha (69) schätzt, dass 70 Prozent der Geschäfte geschlossen sind. „Manche vorübergehend, manche für immer“, sagte sie.

Für Pongsathorn Khawatkun (35), dessen familiengeführter Blumenladen seit mehr als zwei Jahrzehnten auf dem Markt ist, ist das Geschäft drastisch zurückgegangen. Er sprach von Umsatzeinbußen in Höhe von knapp 100 Prozent.

Post source : https://www.straitstimes.com/asia/se-asia/concerns-over-livelihood-outweigh-covid-19-fears-in-thailands-deep-red-zones

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