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Hongkong: Apple Dailys letzte Ausgabe

Hongkong: Apple Dailys letzte Ausgabe

In Hongkong geht es mit Menschenrechten und Meinungsfreiheit steil bergab. Die Chinesen denken nicht im Traum daran, sich an den Vertrag mit Großbritannien zu halten, der Hongkong auch nach der Übergabe an Chine Autonomie zusichert.

Die pro-demokratische Zeitung „Apple Daily“ druckte Ende Juni ihre letzte Ausgabe, nachdem ein einer der Redakteure verhaftet und angedroht wurde, das vom Staat angemietete Büro zu räumen.

Der Vorstand von Next Digital, der Muttergesellschaft von Apple, sagte in einer Erklärung, dass die Zeitung „aufgrund der aktuellen Umstände in Hongkong“ sowohl die Druck- als auch die Online-Version eingestellt habe. Auf der Apple-Website wurden Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Mitarbeiter und eines Personalmangels angeführt. Mitarbeiter sagten, dass einige Kollegen einige Tage vor der Schließung anonyme Drohanrufe erhalten hatten.

„Das Unternehmen dankt unseren Lesern für ihre treue Unterstützung und unseren Journalisten, Mitarbeitern und Werbekunden für ihr Engagement in den letzten 26 Jahren“, hieß es in der Erklärung des Vorstandes.

Hong Kong Science and Technology Parks, ein von der Regierung kontrolliertes Unternehmen, gab bekannt, dass es einen Prozess angestrengt habe, um die Büroräume zurückzufordern, die Apple Daily und Next Digital angemietet hatten. Als Grund wurden Vertragsverletzungen angegeben. Der Gründer von Apple Daily, Jimmy Lai, wurde letztes Jahr wegen Betrugs angeklagt. Er wird beschuldigt, die Büroräume von Apple unrechtmäßig an andere Unternehmen untervermietet zu haben.

Die Hongkonger standen vor Geschäften und Kiosken Schlange, um ein Exemplar der letzten Ausgabe der Zeitung zu bekommen. Apple hatte von der letzten Ausgabe eine Million Exemplare gedruckt – zuletzt betrug die Auflagenzahl 80.000.

Schon morgens war die Zeitung in vielen Lebensmittelgeschäften und Kiosken ausverkauft. Anwohner tauschten Tipps aus, wo sie noch Exemplare finden könnten. Vor einem Stand im Central Business District standen ein Dutzend Leute im Regen Schlange. Ein Kiosk hatte 1800 Exemplare bestellt, normalerweise verkaufte er wenige Hundert.

Der 47 Jahre alte IT-Mitarbeiter Murphy kaufte zehn Exemplare: ein paar für sich selbst, den Rest für Kollegen und Freunde.

„Es ist schrecklich, wir alle wissen, was da gerade passiert“, sagte Murphy, ein Online-Abonnent. „Ich hoffe, so etwas wie Apple Daily gibt es in Zukunft wieder.“

Die Hongkonger Polizei teilte mit, sie habe im Rahmen einer laufenden Operation gegen Apple Daily, die seit langem für ihre kritische Berichterstattung über die Regierungen von Hongkong und China bekannt ist, einen 55-jährigen Mann wegen des Verdachts der Absprache mit ausländischen Streitkräften festgenommen.

Lokale Medien identifizierten den Mann als Yeung Ching-kee, einen der Herausgeber der Zeitung. Yeung, der seit 2016 unter dem Pseudonym „Li Ping“ mehr als 800 Artikel geschrieben hat, veröffentlichte kurz vor Schließung von Apple Daily einen neuen Text.

Ein Polizeisprecher sagte, dass die Operation gegen Apple Daily andauere und weitere Festnahmen möglich seien. Next Digital verbot Besuchern den Zutritt und forderte die Mitarbeiter auf, von „sicheren Orten“ aus zu arbeiten.

Die Festnahme erfolgte weniger als eine Woche, nachdem die Polizei über 500 Beamte mobilisiert hatte, um fünf Top-Redakteure und Führungskräfte des Unternehmens festzunehmen und ihre Häuser und die Büros zu durchsuchen.

Apple-Chefredakteur Ryan Law und Next-Chef Cheung Kim-hung wurden offiziell angeklagt, gegen Hongkongs nationales Sicherheitsgesetz im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von rund 30 Artikeln der Zeitung verstoßen zu haben, die als Aufforderung zu Sanktionen durch ausländische Regierungen oder Institutionen gegen Hongkong oder China angesehen wurden.

Den beiden wurde die Kaution verweigert. Lai, der Gründer von Apple und Next, verbüßt bereits eine 20-monatige Haftstrafe im Zusammenhang mit drei Verurteilungen wegen Beteiligung an nicht genehmigten Demonstrationen im Jahr 2019. Ihm droht wegen der Anklage wegen Absprachen mit ausländischen Streitkräften – in anderen Worten Spionage – eine lebenslange Haftstrafe.

Next Magazine, eine Online-Publikation von Next Digital, die ursprünglich fünf Jahre vor Apple Daily im Druck erschien, gab bekannt, dass sie ihren Betrieb ebenfalls eingestellt hat.

Der Vorstand von Next Digital teilte seinen Mitarbeitern mit, dass Apple die Veröffentlichung einstellen werde, es sei denn, die Behörden geben mindestens einen Teil der 18 Millionen Hongkong-Dollar (2,32 Millionen US-Dollar) auf den Bankkonten von drei Konzernunternehmen frei, die bei der Festnahme von Cheung und Law eingefroren worden waren. Da die Behörden die lokalen Banken vor dem Umgang mit Next-Konten warnen, hat das Unternehmen seitdem Schwierigkeiten, fällige Zahlungen einzutreiben.

Als Folge der Geldknappheit wurde den Mitarbeitern mitgeteilt, dass sie ohne Kündigungsfrist fristlos kündigen können, wenn sie dies wünschten. Viele taten das, was es immer schwieriger machte, den Nachrichtenbetrieb aufrechtzuerhalten.

Post source : https://asia.nikkei.com/Business/Media-Entertainment/Apple-Daily-prints-final-edition-after-arrest-of-editorial-writer

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