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Weckruf für Asien

Weckruf für Asien

Eine Taxifahrt in Bangkok zeigt, dass in Thailand Ausländer diskriminiert werden. Diese allseits bekannte Tatsache scheint für die Japanerin Yukako Ono eine neue Erfahrung gewesen zu sein. Sie ging den Dingen auf den Grund.

Für Auswanderer in Bangkok wie mich birgt Corona einen unerwarteten Vorteil, da es erheblich einfacher geworden ist, ein Taxi zu rufen. Vor Corona ignorierten mich die Fahrer oft oder versuchten, mich abzuzocken, weil sie dachten, ich gehöre zu den Millionen ausländischer Touristen, die jedes Jahr die thailändische Hauptstadt besuchten. Da keine Touristen in Sicht sind, scheinen diese stressigen Tage vorbei zu sein.

Das änderte sich eines Nachmittags, als ich in meiner Nachbarschaft ein Taxi nahm. Ich trug eine Maske, und der Fahrer schaltete das Taxameter ein. Alles schien in Ordnung. Aber sobald ich mein ungeschicktes Thai benutzte, um mein Fahrtziel zu nennen, verzog der Fahrer das Gesicht und sagte „Khon Yipun (Japanerin) … Covid, Covid!“

Das geschah, als die dritte Corona-Welle Thailand mit Rekordzahlen traf. Viele Fälle wurden zu Nachtclubs an der Sukhumvit Road zurückverfolgt, einem bei japanischen Auswanderern beliebten Viertel Bangkoks. Obwohl die Gäste der Nachtclubs und Bars dort hauptsächlich Thais sind, und obwohl ich nicht in diesen Bezirk fahren wollte, verband der Fahrer Japaner automatisch mit dem Corona-Ausbruch. Mehrere andere japanische Freunde haben ähnliche Erfahrungen mit Taxifahrern gemacht.

Das erinnerte mich an die Welle des antiasiatischen Hasses in den USA. Der frühere US-Präsident Donald Trump bezeichnete Corona wiederholt als „chinesisches Virus“ oder „Kung-Flu“.

Die Diskriminierung von Asiaten im Westen ist nichts Neues. Ich bin in Großbritannien aufgewachsen und habe dort verbales Mobbing wegen meines Aussehens erfahren. Aber seitdem ich in Thailand lebe, merke ich, dass Stereotypisierung und Diskriminierung auch in asiatischen Gesellschaften verankert sind.

Thailändische Vorurteile gegenüber Einwanderern aus Burma wurden deutlich, als im Dezember 2020 die zweite Corona-Welle kam. Zuerst entdeckt wurde sie in Samut Sakhon, einer Küstenprovinz, die wegen ihres großen Anteils von Migrantenarbeitern aus Burma als „Klein-Burma“ bezeichnet wird. Viele Arbeiter leben unter schlechten Bedingungen, leben in Schlafsälen mit geringer sozialer Distanz. Das Virus verbreitete sich schnell.

Die thailändische Regierung gab den Arbeitern sofort die Schuld und behauptete, Migranten ohne Papiere hätten das Virus importiert, indem sie illegal ohne Quarantäne in das Land eingereist seien. Premierminister General Prayuth Chan-ocha sagte, illegale Migranten hätten „viel Leid über das Land gebracht.“

Hassreden überfluteten die sozialen Medien, während Busse, Banken und Krankenhäuser sich in einigen Gegenden weigerten, Menschen zu bedienen bzw. zu versorgen, die burmesisch aussahen.

Als sich die Nachricht verbreitete, dass wegen des Militärputsches in Burma Menschen versuchten, nach Thailand zu fliehen, war ich schockiert, als einer meiner thailändischen Freunde sagte: „Verdammt, sie werden wieder Viren einschleppen.“

Bhanubhatra Kaan Jittiang, Dozent an der politikwissenschaftlichen Fakultät der Chulalongkorn-Universität in Bangkok sagte: „Die Regierung brauchte einen Schuldigen, und die Migranten aus Burma waren gute Sündenböcke.“

Trotz des Anteils der Migrantenarbeiter an der thailändischen Wirtschaft „fühlen sich Thais gegenüber den Menschen in den Nachbarländern Burma, Laos und Kambodscha immer überlegen“, bemerkte er.

Thailand ist die fortschrittlichste Wirtschaft in der Mekong-Region und das einzige regionale Land, das nie direkt vom Westen kolonisiert wurde. Darauf sind die Thais stolz, und ihr Überlegenheitsgefühl wurde in den frühen 1930er Jahren durch die nationalistische „Thaiifizierungs“-Politik weiter gefördert, die darauf abzielte, die ethnischen Minderheiten und Kulturen des Landes in die dominante Identität Zentralthailands zu integrieren. Ethnische Minderheiten in Grenzgebieten, in denen Lao, Khmer oder andere Sprachen und Dialekte gesprochen werden, erhielten in der Schule ausschließlich Unterricht auf Thai, während viele chinesische Migranten thailändische Namen annahmen, um ihren Patriotismus für Siam zu demonstrieren.

Es gibt auch weniger offensichtliche ethnische Gegenströmungen. Städter aus Zentralthailand neigen dazu, auf Menschen aus der nordöstlichen Region Isan aufgrund ihrer historischen Verbindungen zu den Menschen im benachbarten Laos herabzublicken. In thailändischen Schulen werden Kinder mit dunkleren Hauttönen oft gemobbt, weil dunkle Haut mit Feldarbeit in ländlichen Gebieten und mit ethnischen Minderheiten in Verbindung gebracht wird.

Diese Art der Diskriminierung gibt es nicht nur in Thailand. Ein Großteil Asiens besteht aus multiethnischen, multireligiösen Staaten, und es gibt erhebliche intraregionale Migration. Die Einkommensunterschiede sind ebenfalls riesig, was die Eliten dazu veranlasst, Wege zu finden, Minderheiten zu kontrollieren, um ihre Macht zu erhalten.

Manche Vorurteile sind so tief verwurzelt, dass sie in der Landessprache verankert sind. Zum Beispiel wird das thailändische Wort „lao“ verwendet, um Rückständigkeit zu beschreiben, während „karen“ – der Name einer ethnischen Minderheit – bedeutet, sich in einem fremden Land entfremdet zu fühlen. Gaijin, Farang und Gweilo bedeuten auf Japanisch, Thai und Kantonesisch „Ausländer“, obwohl damit hauptsächlich Weiße bezeichnet werden. Die Gelehrten streiten sich darüber, ob diese Wörter abwertend sind.

In der ganzen Welt werden häufig gefährdete Minderheiten diskriminiert, die sich nicht oder kaum gegen ungerechte Behandlung aussprechen. Dazu gehörten bis vor kurzem auch asiatische Amerikaner in den USA – insbesondere im Vergleich zu afroamerikanischen Gruppen, die seit Jahrzehnten Gleichberechtigung fordern.

Jetzt jedoch werden asiatische Stimmen in den USA stärker, da asiatische Gemeinden im ganzen Land gegen Rassendiskriminierung protestieren. Die Unterstützung für die Versuche der StopAsianHate-Bewegung, die Gewalt gegen Asiaten in ganz Amerika aufzudecken und zu dokumentieren, wächst.

Es gibt eine Lehre aus den Erfahrungen der USA für Asien, wo auch die innerasiatische Diskriminierung weitgehend verborgen blieb, aber jetzt offensichtlicher wird. Zumindest braucht die Region eine Phase der Selbstwahrnehmung. Die Bewegung StopAsianHate ist für uns, die in Asien lebenden Asiaten, die wir gleichzeitig Opfer und Täter sind, ebenso relevant wie für die in Amerika lebenden Asiaten.

Post source : https://asia.nikkei.com/Editor-s-Picks/Tea-Leaves/A-wake-up-call-to-Asia-tackle-your-own-Asian-hate

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