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Ein Mann ist am Ende

Ein Mann ist am Ende

Der Freund eines Freundes ist gut bekannt mit einem Gastronomen hier in Pattaya. Was der ihm erzählt hat, würde ich hier gern wiedergeben.

Zunächst berichtete er über die nicht mehr vorhandene Planungssicherheit. Da sitzt er im seinen Kollegen in Deutschland im selben Boot. Der Staat verlangt von den Betrieben, sich an bestimmte und durchaus auch komplizierte und schwer umzusetzende Hygienevorschriften zu halten. Die Gastronomen setzen diese um – und zur Belohnung werden ihre Restaurants geschlossen. Wer in Deutschland auch nur noch eine müde Mark in die Gastwirtschaft investiert, muss schon sehr mutig sein oder zu viel Geld auf der hohen Kante haben.

Bei der ersten Welle, als der Lockdown im April 2020 kam, wurden auch in Thailand die Restaurants geschlossen. Erlaubt war, wenn überhaupt, nur noch Lieferung außer Haus. Es liegt klar auf der Hand, dass man mit Essen zum Mitnehmen nicht so viel verdienen kann wie mit Gästen, die sich in den Räumlichkeiten aufhalten.

Als dieser erste Schock nachließ, lief es wieder ganz gut, berichtete der Gastwirt. Er und seine Kollegen glaubten – und wer glaubte das nicht –, dass der ganze Spuk im Herbst 2020 ein Ende haben und die Hochsaison voll durchstarten würde.

Doch je mehr Zeit verging, umso klarer wurde, dass die Hochsaison ausfallen würde. Dabei hatte er das ganze Jahr über schon die Zähne zusammengebissen und trotz gleich bleibender lausiger Umsätze immer gehofft, dass es irgendwann bald wieder besser würde. Bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Statt vieler Urlaubsgäste kam im Dezember die zweite Welle. Wieder wurden die Restaurants geschlossen – wenn auch nur ein paar Tage. Da ahnte der Gastronom bereits, dass er sich auf nichts verlassen kann. Während der zweiten Welle kam er mit einem blauen Auge davon, was die Schließung betrifft. Alles andere wurde immer hoffnungsloser. Er hatte seinen Lebensunterhalt mit Erspartem bezuschusst und sich ausgerechnet, dass das ein Jahr reichen würde. Ein Jahr! Das ist eine lange Zeit. Und dann musste doch der ganze Mist endlich vorbei sein und es wieder aufwärts gehen mit dem Leben.

Und dann kam die dritte Welle. Und mit ihr wurde den Restaurants zunächst untersagt, Alkohol zu servieren. Jetzt verdienen diese Betriebe aber vor allem am Alkohol, den Gäste bestellen. Der Gastwirt fragte, auf welche Gutachten sich Regierung bzw. Gouverneur beruft, ein Ausschankverbot zu verhängen.

Die Frage war wohl eher rhetorisch gemeint. Und sicher auch die nächste Frage: Da der Regierung das Ausschankverbot offenbar nicht genügte, erfolgte wieder die Schließung der Restaurants. Nur noch der Verkauf von Speisen außer Haus ist erlaubt.

Wie das aussieht, kann man an jeder Ecke erkennen. Da sind beispielsweise die Eingänge von Restaurants mit Stühlen blockiert. Sie sind geöffnet, aber man darf weder hineingehen noch sich anderweitig vor Ort aufhalten. Das wirkt auf potentielle Gäste, die Essen zum Mitnehmen bestellen wollen, derartig einladend, dass die Umgebung dieser Restaurants wie ausgestorben scheint.

Es ist auch vollkommen logisch, die sogenannten Food Courts in Einkaufszentren und Kaufhäusern zu schließen. Damit niemand auf dumme Gedanken kommt, werden Tische und Stühle weggeräumt. Ich war einmal morgens in so einem Food Court und habe vielleicht drei Figuren gesehen, die sich da was zu Essen bestellt haben. Ich dachte mir, na gut, es ist ja morgens. Am Nachmittag ist es bestimmt voller. Als ich nachmittags noch einmal vorbei ging, gab es im Vergleich zu morgens keinen Unterschied. Die Ladenbesitzer, die hier ihre Speisen anbieten, müssen natürlich weiterhin Miete führ ihren Essensstand bezahlen. Aber es sind kaum Leute da, die etwas bestellen. Und wo ist da die Logik, dass sich in den Einkaufszentren Hunderte Menschen drängen, aber nicht setzen dürfen, um schnell einen Happen zu essen? Und wo ist die Logik, dass Parks gesperrt, aber Einkaufszentren geöffnet sind? Aber an Corona-Maßnahmen darf man wohl genauso wenig mit Logik herangehen wie an Hollywood-Filme.

Es hat keinen Sinn, irgendetwas zu hinterfragen. Das hat sich auch der Gastronom gedacht, der bislang alles mitmachte. Jetzt geht ihm das Geld aus. Er muss jeden Baht zweimal umdrehen. Seinen Betrieb hat er geschlossen.

Jetzt hat er nichts mehr, gar nichts. Er isst jeden Tag eine Packung Mama-Nudeln, er hat das Trinkwasser rationiert, weil es – eigentlich billig – eben doch teuer ist, wenn man kein Geld hat.

Er hat genau beschrieben, wie es ist, Hunger zu haben. Wie dieses Hungergefühl anfangs kommt und geht, auf Dauer aber nicht mehr verschwindet und sich mit zunehmender Dauer akkumuliert, es immer schlimmer wird bis ins Unerträgliche.

Alle Hoffnung hat er begraben. Er steht vor dem Nichts. Wie es weitergeht, weiß er nicht. Nächsten Monat wird er, wenn kein Wunder geschieht, die Miete nicht mehr zahlen können, und dann ist sowieso alles aus.

Post source : Niklas Winkler, Pattaya

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