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Denker sollen schweigen

Denker sollen schweigen

Der Gelehrte David Streckfuss arbeitete 27 Jahre lang an der Universität von Khon Kaen. Urplötzlich kündigte ihm die Universität das seit knapp drei Jahrzehnten andauernde Arbeitsverhältnis. Damit verloren Arbeitserlaubnis und Visum die Gültigkeit. Streckfuss musste befürchten, aus Thailand ausgewiesen zu werden.

Streckfuss ist ein wichtiger Mitarbeiter beim Online-Magazin „The Isaan Record“. Das Medienunternehmen berichtet über Neuigkeiten, Traditionen und Kulturgeschichte und vor allem über die Menschen im Isan und über die Dinge, die sie bewegen. Thailands wertvoller und unverwechselbarer Nordosten, spielt auf dieser Online-Plattform die Hauptrolle.

Es wird vielfach spekuliert, dass Streckfuss’ durchaus kritische Berichterstattung, auch über Themen, die man in Thailand besser nicht anpackt, ihm seinen Job und sein Visum gekostet haben, obwohl die Universität einen Zusammenhang bestreitet.

Ungefähr einen Monat vor seiner Kündigung half Streckfuss bei der Organisation eines Seminars über die Identität der Bewohner im Isan. Er traf mehrere Aktivisten und Schriftsteller und sprach über viele Dinge, einschließlich über das Thema Dezentralisierung. Einige uniformierte Beamte, die erfolglos versuchten, inkognito teilzunehmen, weil sie sogleich erkannt wurden, durften zuhören.

Thailands Establishment, das von archaischem Feudalismus geprägt, ja geradezu besessen ist, kann mit einer Dezentralisierung überhaupt nichts anfangen. Das Vorgehen gegen Streckfuss mit eisernen Fäusten zielte wahrscheinlich darauf ab, den Akademiker zum Schweigen zu bringen.

Streckfuss schrieb 2011 ein Buch über Thailand, das sich an eine akademische Leserschaft richtet. Es gibt Gelehrte, die mit ihrer Arbeit Menschen dazu bringen, in mehr als eine Richtung zu denken, Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten.

Thailand hat ein großes Problem mit der Art und Weise, wie Akademiker behandelt werden. Viele mussten aus Sicherheitsgründen ins Ausland fliehen. Viele stehen unter Druck, sich immer anzupassen. Thailand hat auch Probleme mit der Meinungs-, ja mit der Gedankenfreiheit.

Die Universität begründete die Entlassung Streckfuss’ fadenscheinig damit, dass er seine Pflichten in Bezug auf das Studentenaustauschprogramm an der Universität Khon Kaen nicht erfüllen konnte.

Bedacht wurde dabei offensichtlich nicht, dass es seit Corona gar nicht so einfach ist, in andere Länder zu reisen und internationale Reisen seit über einem Jahr quasi nicht mehr stattfinden.

Thailand hat seine Grenzen geschlossen, um die Ausbreitung von Corona zu verhindern. Wie hätte Streckfuss also seine Pflichten erfüllen können, indem er Austauschstudenten für das Programm der Universität von Khon Kaen zu findet?

Wäre es angesichts der erwarteten Wiedereröffnung Thailands Ende des Jahres nicht klüger gewesen, wenn die Universität ihren Vertrag um sechs Monate, vielleicht sogar ein Jahr, verlängert hätte, damit er seine Pflichten erfüllen könnte?

Jetzt beantragte Streckfuss eine Arbeitserlaubnis mit der Begründung, er arbeite bei Buffalo Birds Production, einem bei „The Isaan Record“ registrierten Unternehmen, das Dokumentarfilme produziert. Die Immigration in Khon Kaen genehmigte nach einigem Hin und Her den Antrag.

Post source : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/2103383/dont-silence-deep-thinkers

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